Kampagne zu Feminismus und Pornografie

Das Frauenreferat startete im November eine Kampagne zum Thema "Feminismus und Pornografie".

Wir setzen uns in dieser Kampagne einerseits mit aktuellen Strömungen in dieser feministischen Pornodebatte auseinander, andererseits stellen wir Pornokultur- und -industrie mit ihren sexistischen, rassistischen und homophoben aber auch mit ihren feministschen Ausformungen in den Blickpunkt. Zentral geht es um folgende Fragestellungen: Wer macht Pornos und für wen? Welche Normen werden über Pornos vermittelt und wie wirken sie? Welche Wirkkraft haben Pornos? Was macht Mainstream-Pornos so widerwärtig? Was sind feministische Pornos bzw. was können Kriterien dafür sein? ...

Zu diesen und weiteren Fragestellungen haben wir eine Broschüre herausgebracht, ein Plakate entworfen und Film-Screenings geplant/veranstaltet.

2. Screening

Das zweite Screening wird queer-feministische Pornos und Mainstreampornografie betrachten. Eine Diskussion zu den gezeigten Themen soll besonders im Vordergrund stehen.

Wann: 5. Mai um 19 Uhr im Café Rosa (all genders welcome, Eintritt frei)

Anmeldung für das Screening unter frauen@htu.at.

Café Rosa: Währingerstraße 18

Flyer zum 2. Screening


Fem Porn Screening

Ein Screening mit Fokus auf feministische Pornos. Dazwischen/danach Diskussion, auch mit einer Regisseurin.

Wann: 20. November um 19 Uhr im Café Rosa (offen für Frauen* und Transgender)
Bei Interesse wird es ein zweites Screening für Frauen* und Männer* geben.

Anmeldung für das Screening unter frauen@htu.at ist erwünscht aber nicht Pflicht.

Café Rosa: Währingerstraße 18


Plakate

Die Plakate sind nun fertig und demnächst zu sehen. Plakate können im Frauenreferat abgeholt werden oder auf Wunsch schicken wir auch welche zu. Einfach ein e-mail an: frauen@htu.at schicken.

Außerdem kann es hier heruntergeladen werden: Plakat


Mainstream Porn Sucks - Artikel zur Kampagne veröffentlicht im HTU-Info

Mainstream Porno ist leider sexuell sehr einseitig, langweilig gemacht und zeigt oft Erniedrigung von Frauen in Verbindung mit Gewalt – doch es gibt Alternativen! In Form einer Kampagne macht das Frauenreferat darauf aufmerksam.

Die Kritik die hier geübt wird richtet sich nicht an ein gewisses Pornogenre, sondern vielmehr an die Art und Weise wie Frauen in vielen Pornos dargestellt und behandelt werden. Um eine Abgrenzung zu alternativen Arten von Pornos herzustellen wird hier im Folgenden der Begriff Mainstream Pornografie verwendet. Unter anderem auch deshalb weil alternative Pornos bisher eher unbekannt sind und daher Mainstream Pornografie den größten Sektor am Pornomarkt darstellt.

Mainstream Pornos folgen einem wiederkehrendem Schema. Wenngleich uns vorgespielt wird die Sexualität in all ihren Facetten darzustellen, gibt es darin viele Tabus und Normen, die selten hinterfragt werden. Diese Normativität im Porno wird mittlerweile gesellschaftlich reproduziert. Bestes Beispiel hierfür ist die Überbetonung von Szenen mit Analverkehr an Frauen und Oralsex durch Frauen. Diese Filme tun so als ob diese Arten von Sex ausnahmslos allen Frauen irrsinnig viel Spaß machen würden. Richtig peinlich, wenn Frauen während dessen röcheln oder Erstickungsgeräusche von sich geben und wenn das Stöhnen mehr nach Schmerzensschreien klingt als nach Lust.

Mainstream Pornos orientieren sich stark an problematischen Rollen- und Geschlechternormen. Im Besonderen sind sie stark heteronormativ[1]. Beispielsweise dürfen Frauen Sex mit Frauen haben, um jene Männer zu erregen, die ihnen dabei zusehen. Aber Männer dürfen sich keinesfalls in erotischer Weise ansehen, geschweige denn berühren, obwohl das wahrscheinlich so einige ZuseherInnen?* erotisch finden würden. Weiters sind Frauen im Porno immer für die Wünsche von Männern verfügbar. In den seltensten Fällen geben sie den Ton an oder fordern ein was ihnen gefällt. Der Blick der Kamera ist bemerkenswert oft auf den Körper der Frau gerichtet. So als ob der Blick eines Mannes beim Sex imitiert würde. Es gibt viele solcher Beispiele, was den Schluss nahe legt, dass PornomacherInnen? nur heterosexuelle Männer als Zielpublikum ihrer Filme ansprechen wollen. Fest steht jedoch, dass etwa 30% Frauen in Untersuchungen[2] angeben regelmäßig Pornos zu schauen.

Durch eine Analyse der Macht- und Rollenverteilungen im Mainstream Pornos werden weitere Probleme deutlich. In einer Studie mit dem Titel „Aggression and Sexual Behavior in Best-Selling Pornography Videos“[3] untersuchte A. Bridges 304 Szenen aus populären Pornos und fand dabei folgendes heraus: 88% der Szenen enthielten körperliche und etwa 50% verbale Gewalt. 94% der gewalttätigen Handlungen waren gegen Frauen gerichtet, die das in 95% der Fälle mit positiven oder neutralen Reaktionen hinnahmen. Es stellt sich daher die Frage warum es zwischen den Geschlechtern so starke Unterschiede gibt und warum Gewalt für den Mainstream Porno so essentiell ist.

Was am Mainstream Porno aber besonders stört wurde bisher noch gar nicht erwähnt - es sind so gut wie keine erregten Frauen zu sehen; die Klitoris wird im Gegensatz zu Penissen nicht beachtet, geschweige denn Frauen die authentische Orgasmen haben. Hätte man das eigene Wissen über Sex nur durch Pornos bezogen, könnte es an einem/r glatt vorüber gegangen sein, auf welche Arten Frauen Lust empfinden. In Kontrast zu männlichen Darstellern, die durchgängig erregt sein müssen, kann man bei den Darstellerinnen meist sehen, dass sie es nicht sind. Die ganze Aufmerksamkeit die ihnen zugewandt wird beschränkt sich meist auf ein paar Mal kurzes 5 Sekunden geleckt werden, was mehr der Befeuchtung als deren Befriedigung dient.

Alternativen zum Mainstream Markt

Am 15. Oktober wurde in Berlin der PorYes? Filmpreis[4] für feministische Pornos vergeben. Die Motivation für den Preis: „Die Pornoindustrie ist stark von sexistischen Darstellungen geprägt. Frauen werden häufig als passive Objekte gezeigt, die wie selbstverständlich die Wünsche des Mannes bedienen. Damit bleibt wenig Raum für einen positiven, mutigen und bewussten Zugang von Frauen zu ihrer Lust und einen wertschätzenden Umgang mit dem weiblichen Körper. Mit dieser Veranstaltung wird darauf hingewiesen, dass es neben diesen herkömmlichen Pornoproduktionen auch frauen-, männer-, genderfreundliche pornographische Darstellungen gibt.“

Zusätzlich zum Preis gibt es für ausgezeichnete Filme das PorYes?-Label. Die Filme müssen gewisse Kriterien erfüllen um sich damit schmücken zu können. So müssen Frauen maßgeblich an der Produktion beteiligt sein, zum Beispiel als Produzentin, Regisseurin oder Kamerafrau. Es muss Variationen der Sex-Praktiken geben und keine Leistungsschau mit Betonung auf den Cum-Shot. Wesentlich ist ebenfalls, dass die DarstellerInnen? körperlich vielfältig sind. Der Umgang der Personen untereinander soll deren Lust und Freude zum Ausdruck bringen, mit Hervorhebung der weiblichen Lust.

Die PorYes? Bewegung sieht sich selbst als sexpositiv eingestellt; tritt gegen sexistische und rassistische Darstellungen auf, die als Form von medialer Gewalt die Würde der Menschen verletzen und die Hemmschwelle für reale Gewalt heruntersetzen. Ebenso wird die Pornografisierung der Gesellschaft abgelehnt, wie auch die öffentliche Scheinmoral die eine gesunde Aufklärung für Jugendliche verhindert.

Eine sehr bekannte Preisträgerin ist die Amerikanerin Candida Royalle[5]. Sie war eine der ersten feministschen Pornoproduzentinnen und drehte bereits 1984 ihre ersten FemPorns?. In ihren Filmen finden sich facettenreiche Sex-Fantasien, DarstellerInnen? aller Altersgruppen als auch mal nicht errigierte Penisse, etwa in ihrem Film „Afrodite Superstar“.

Die Pornoqueen Annie Sprinkle ist ebenfalls unter den PreisträgerInnen zu finden. Sie hat sich besonders der Aufklärung zu weiblicher Lust verschrieben und Filme mit Sexpraktiken für Frauen gedreht. Meist deuten die Titel der Filme bereits an, worum es sich handelt: „Female Genital Massage - Fire in the valley" oder „Annie Sprinkle's Amazing World of Orgasm“.

Neben PorYes? gibt es die von Alice Schwarzer initiierte PorNo?-Bewegung, die ebenfalls gegen Sexismus und Erniedrigung in Mainstream Pornos auftritt. Die PorNo?-Bewegung sieht allerdings in feministischen Pornos keine Alternative, sondern sieht das Problem in der Pornografie an sich.

Ein Literaturtipp ist das Buch von Filmregisseurin Erika Lust mit dem Titel „X: Porno für Frauen“. Darin geht sie der Welt der Pornografie aus einem weiblichen Blickwinkel nach. Demnächst ist auch eine Readerin zur Kampagne im Frauenreferat erhältlich.

Alternative Pornos sind auf dem Vormarsch und nach und nach auch hierzulande erhältlich. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch der Begriff Mainstream Pornografie bald neu definiert werden muss.

[1] Heteronormativität beschreibt eine Weltanschauung, die Heterosexualität als soziale Norm postuliert. Damit einhergehend ist ein meist unhinterfragtes, ausschließlich binäres („zweiteiliges“) Geschlechtssystem, in welchem das biologische Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung für jeden gleichgesetzt wird. (Quelle: Wikipedia)

[2] aus: „McSex: Die Pornofizierung unserer Gesellschaft“ von Myrthe Hilkens

[3] Ph.D. A. Bridges arbeitet an der Universität von Arkansas (USA) im Department für Psychologie unter anderem zum Thema Pornografie. Die Studie ist im Frauenreferat erhältlich.

[4]: PorYes [5]: Candida Royalle

-- SarahReisenbauer - 06 Nov 2011

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