Nukular, immer noch
Oder: Deadlines machen so komische Geräusche, wenn sie vorbeirauschen…

Ich möchte mit teilweise guten Nachrichten beginnen: Mein Blog „Epic Adventures“ ist wieder online, allerdings ohne dass ich vertiefende Informationen über die Zukunft von twoday.tuwien erhalten hätte. Ich bleibe weiter dran, habe aber die Evakuation längst nicht aus den Augen verloren.

Was unter nicht so gute Nachrichten fällt, ist die Erbebenserie in Japan, gefolgt von einer Reihe von Kernkraftwerksstörfällen in Fukushima, die mittlerweile von der IAEA mit INES 7 (International Nuclear Event Scale) ebenso wie Tschernobyl eingestuft wurde. Die österreichischen Medien nahmen das natürlich zum Anlass, Atomterror-Berichterstattung ohne Ende zu betreiben. Nicht dass ich die Tragweite eines Kernkraftwerksunglücks leugnen will, aber es gibt feine Details zu Tschernobyl, wie eine 90% geringere freigesetzte Radioaktivitätsmenge, oder dass die Unfälle nicht tagelang vertuscht wurden oder dass nicht tonnenweise Graphit im Reaktor verbrannt ist und die radioaktiven Isotope weit verteilt hat (schon blöd wenn man Reaktoren baut um Material für Atomwaffen zu erbrüten). Für mich stehen bei dem Erdbeben doch eher die 14.000+ Toten im Vordergrund.

Im Gegensatz zu den verunfallten Siedewasserreaktoren sind die in Europa geläufigeren Druckwasserreaktoren durch ihre Bauart sicherer, außerdem wäre es hilfreich wenn der Bau neuer Kernkraftwerke nicht so auf Granit beißen würde, denn dann könnten alte Anlagen stillgelegt werden, anstatt sie jahrzehntelang weiter zu verlängern. Zumindest solange, bis die erneuerbare Energieerzeugung frühestens ab 2050 soweit wäre, Europa zu versorgen.

Hunderte Gigawatt an Windrädern und Photovoltaikanlagen können nicht von heute auf morgen gebaut werden. Gänzliche Versorgung durch erneuerbare Energieträger funktioniert nur in gut ausgebauten Netzwerken, wie das europäische zwar sein könnte, aber es noch nicht ist. Selbst dann gibt es noch das Problem des Zwischenspeicherns der Energie, da man auch nicht unbegrenzte Pumpspeicher bauen kann. Und sofern in Europa nicht bald ordentlich losgelegt wird, ist auch 2050 kein realisierbares Datum mehr.

Ich möchte resümieren: Solange Energie verbraucht wird, braucht man Kraftwerke und Stromleitungen, die irgendwo ihren Platz finden müssen. Auch Solarzellen/Windräder/Wasserkraftwerke verbrauchen Ressourcen und sind in Massen ökologisch nicht egal. Die Abschaltung von Kernkraftwerken (vor allem denen in der Nähe) fordern aber deren Strom beziehen ist für mich nur eines: Heuchelei. Die sofortige Abschaltung aller KKWs in Europa: Realitätsfern. Kernkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzen: Eine gute Idee wenn man es warm haben will.

Sicherlich kann man diese Debatte noch um weitaus mehr Aspekte auf beiden Seiten erweitern, doch dafür fehlt mir hier der Platz. Wenn ihr mehr lesen wollt, spezifische Fragen habt oder eine Diskussion starten wollt, dann meldet euch bitte bei mir!

Da die Zeit so schnell vergangen ist, und es bald soweit ist, möchte ich noch einmal an die Tagung der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften), die von 2. bis 4. Juni an der TU stattfindet, erinnern. Auf http://www.gwup.org findet ihr natürlich weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung. Und nun zum Kulturteil: Bis zum 26. Juni gastiert im Kunsthaus Wien die „HR Giger-Träume und Visionen“-Ausstellung, die dessen biomechanisch-düstere Kunst ausgezeichnet in Szene setzt. Lass euch die Chance, so geniale Motive wie den „Ritus IV“ aus der Nähe zu sehen besser nicht entgehen. Und wer Judas Priest (noch) einmal live sehen und hören möchte, bevor sie bis zum ersten Reunion in den Ruhestand gehen, lege ich den 29. Juni in der Stadthalle nahe.

Stay epic und geht’s wählen!

Gilbert sagt: NVNC ILLE EST MAGICVS
Topic revision: r1 - 16 May 2011 - 14:05:37 - MartinBorer
 

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