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Konsequenzen des Sparens

Sparen, sparen, sparen! Dieses Wort wird in letzter Zeit innerhalb der TU Wien inflationär gebraucht. Es ist in aller Munde und zu jeder Tageszeit ein Gespräch wert. Von Gegner(inne)n bis zu Befürworter(inne)n, alle reden mit. Was aber niemandem so richtig bewusst zu sein scheint sind die Konsequenzen des Sparens. Nicht umsonst spricht man oft von „Kaputtsparen“.

Im April bekamen alle Angehörigen der TU Wien eine vom derzeitigen Rektor Skalicky und der zukünftigen Rektorin Seidler verfasste E-Mail. In dieser Mail machen sie gemeinsam darauf aufmerksam, was im Zuge des Projekts „TU Univercity 2015“ alles geschaffen wurde. Die Aufmerksamkeit wird in der Mail auch auf das in Zukunft fehlende Geld gelenkt. Es wird unter anderem erwähnt, dass die Zahl der Studierenden seit 2003 um 60% gestiegen ist. Das Betreuungsverhältnis ist schlechter geworden. Die Ausführungen in der Mail werden mit folgendem Absatz abgeschlossen:

„Bitte schenken Sie diesen Ausführungen die notwendige Aufmerksamkeit! Wir stehen nicht wieder vor ein oder zwei mageren Jahren, sondern vor einem strukturellen Eingriff in die Entwicklung der TU Wien. Sollte, wie befürchtet, die Unterfinanzierung anhalten, ist ein Rückfahren der Leistungen und damit ein gezieltes Schrumpfen der Organisation unausweichlich. In letzter Konsequenz bedeutet das auch den Abbau von Personal.“

Wenn man genau liest, dann würde das bedeuten, dass nicht nur Personal in den Dienstleistungsbereichen der TU Wien (Gebäude und Technik, ZID,…), sondern auch in der Lehre abgebaut wird. Schlechtere Betreuungsverhältnisse sind da nur die direkte und erste Konsequenz. Die Reduktion der Studierendenzahlen durch Aufnahmeprüfungen und/oder Studiengebühren als erhöhte finanzielle Belastung sind die logischen Folgen.

Das sind aber nicht die einzigen Konsequenzen. Ganze Hörsaaltrakte können nicht gebaut und wichtige Sanierungen nicht durchgeführt werden. Das Schrumpfen der Organisation kann in dem Fall bedeuten, dass Institute und Studienrichtungen zusammengelegt werden. Beispielsweise wird Physik und Chemie sowohl auf der Uni Wien, als auch auf der TU Wien angeboten. Es erscheint naheliegend, dass solche Studienrichtungen in Zukunft nur noch auf einer Uni in Wien angeboten werden.

Das Sparen wird uns vermutlich auch im alltäglichen Leben auf der Uni treffen. Wer bisher bis 23 Uhr auf der Uni gelernt hat, darf sich in Zukunft wahrscheinlich darauf einstellen, früher gehen zu müssen, weil die Öffnungszeiten gekürzt werden. Die Lernräume, die so dringend für uns Studierende sind, werden vermutlich nicht mehr weiterausgebaut. Bei für uns wichtigen Dienstleistungsbereichen wie der Studien- und Prüfungsabteilung werden ebenfalls starke Einsparungen angedroht.

Das sind nur einige Beispiele dafür, welche Maßnahmen uns direkt oder indirekt treffen werden. Wenn man zum Sparen verpflichtet wird, muss man die Kosten reduzieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige von den oben genannten Konsequenzen eintreffen werden ist groß. Was uns aber nicht logisch erscheint ist, warum wir so massiv einsparen müssen. Angesichts der Tatsache, dass das heutige Diplom für viele Bereiche der Wirtschaft der Matura von vor 50 Jahren entspricht, ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Studierenden steigt. Volkswirtschaftlich kann es nur ein Erfolg sein, allen Menschen in der Gesellschaft ein Höchstmaß an Bildung zu ermöglichen. Vor 20 Jahren hätte mit dem Ausbau der Universitäten und Fachhochschulen begonnen werden müssen. Wurde es aber nicht. Nun müssen wir die Fehler der Vergangenheit auf unseren Rücken austragen.

Die Frage ist, wie geht es weiter? Sollen sich unsere Befürchtungen bewahrheiten? Wollen wir alle weiterhin unsere Nasen in unsere Bücher vergraben und glücklich sein, dass all diese Veränderungen uns nicht mehr so stark betreffen werden oder wollen wir aufstehen und uns gemeinsam mit allen Universitätsangehörigen an die Arbeit machen, um zu retten, was noch zu retten ist? Nur gemeinsam können wir etwas bewirken. TU es!

Ulf, Bianka und Peter
Topic revision: r1 - 16 May 2011 - 13:28:20 - MartinBorer
 

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