IPad, Netbook und Co
Ein Blick hinter die Kulissen

Computer sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie dienen der Arbeitserleichterung genauso wie der Freizeitbeschäftigung. Die Anforderungen an die Geräte sind dabei hoch, sie folgen der Devise „schneller, besser, billiger“. Blickt man von der westlichen Welt in Richtung Asien und Lateinamerika, sieht man schnell, dass dieses Motto auch hier gilt – und zwar für die Menschen, die unsere Computer produzieren. Enorme Arbeitsbelastung und Ausbeutung sind die Folge.

Durchschnittlich wird ein Computer in der westlichen Welt alle zwei bis drei Jahre gegen einen neuen ausgetauscht. Das bringt nicht nur eine Menge Elektroschrott mit sich, sondern verlangt auch nach immer mehr Rohstoffen, um neue Geräte herzustellen.

Der Produktionsprozess ist komplex, da Computerunternehmen wie zum Beispiel Sony, Apple und Acer die gesamte Produktion in Billiglohnländer auslagern. Sub-Unternehmen in Asien und Lateinamerika fertigen die verschiedenen Einzelteile, die ein Kontraktfertiger zusammenbaut. Ein bekannter Kontraktfertiger ist Foxconn, ein taiwanesisches Unternehmen mit weltweit 900 000 MitarbeiterInnen. Allein das Werk in Shenzhen, Südchina, zählt um die 300 000 MitarbeiterInnen. Das Unternehmen arbeitet im Auftrag von Firmen wie Apple, HP und Sony. Die Produktionsstätte wirkt wie eine kleine Stadt. Neben dem modernen Produktionswerk gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Sportplätze und Wohnheime, in denen die ArbeiterInnen leben.

Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz

Doch die Idylle trügt. Die Fabrik mag zwar modern wirken, die Arbeitsbedingungen der Arbeiter­Innen sind es bei weitem nicht.

Lange Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden am Tag plus zusätzliche Überstunden, sowie monotone Fließbandarbeit und schlechte Bezahlung gehören zum Alltag der meisten ArbeiterInnen. Dass dabei auch die Gesundheit zu kurz kommt, ist nahe liegend. Durch die Arbeit am Fließband, bei der zu selten Pausen gewährt werden, sind Haltungs- und Sehschäden keine Seltenheit. Dazu kommt, dass oftmals nur unzureichende Schutzkleidung zur Verfügung gestellt wird, um sich vor toxischen Substanzen zu schützen.

Bei Wintek, einem Zuliefererbetrieb von Apple in China, wurden über 100 MitarbeiterInnen mit dem toxischen Mittel N-Hexan vergiftet. Das Mittel wird zur Reinigung von Touchscreens verwendet und kann neben Schwindelgefühl und Atemnot auch zu Lähmungserscheinungen führen. Einer der Betroffenen ist Jia Jingchuan. Dem 27-jährigen wurde nach neun Monaten im Krankenhaus eine Entschädigung zugesprochen. „Die Kompensationszahlung kann unser Leiden nicht wieder gut machen“, so Jingchuan, denn bleibende physische Schäden durch die Vergiftung werden ihn sein Leben lang begleiten.

Wie kann ich als KonsumentIn aktiv werden?

Da Unternehmen in starker Konkurrenz hinsichtlich der Absatzmärkte, die wir KonsumentInnen darstellen, stehen, hat man als KonsumentIn neben der Kaufkraft auch eine Kaufmacht. Daher gibt es mehrere Möglichkeiten, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Eine Möglichkeit ist, Unternehmen wie zum Beispiel Apple, Acer oder Sony direkt, mittels E-Mail oder Petition mitzuteilen, dass man menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben des Unternehmens wünscht und dies in die Kaufentscheidung mit einbeziehen wird. Obwohl es bisher noch keinen fair gehandelten Computer gibt, kann man sich über die Fortschritte verschiedener Computermarkenunternehmen informieren: http://goodelectronics.org/companies-en.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, beim Kauf eines Computers das Thema direkt im Geschäft anzusprechen und danach zu fragen, wo und unter welchen Bedingungen das Gerät hergestellt wurde. Möglicherweise weiß das Verkaufspersonal um die Problematik Bescheid, vielleicht auch nicht. Nach dem Gespräch aber in jedem Fall. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen ist es, Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Womit die dritte Möglichkeit angesprochen ist: Menschen im eigenen Umfeld auf die Problematik ansprechen und ein breites Bewusstsein sowie Sensibilität für das Thema schaffen. Und nicht zuletzt ist es möglich, auch von der eigenen Uni zu fordern, soziale Kriterien beim Kauf von Computern aufzunehmen.

Weitere Informationen zum Thema:

Tina Seehuber studierte Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Seit 2009 ist sie Aktivistin im Projekt Clean-IT.
Topic revision: r1 - 10 Dec 2011 - 20:43:45 - Main.MartinBorer
 

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