Abgaben auf Bildung – Nein Danke!
Studiengebühren im Diskurs

Wir alle kennen die Diskussion. Studierende sollen doch einen Beitrag zur Finanzierung der Universitäten leisten. Immerhin profitieren sie ja auch persönlich von einem Studium. Und alle anderen Länder verlangen doch ebenfalls Studiengebühren.

Falsch. Es gibt zwar durchaus Länder, die – teilweise auch sehr hohe – Studiengebühren verlangen, aber es erkennen auch immer mehr Länder die Nachteile. In Europa besteht momentan ein Trend zur Abschaffung anstatt zur Einführung von Studiengebühren.

Dass in Ländern mit Studiengebühren alles besser ist, ist auch ein Irrglaube. Als Paradebeispiel sei hier die USA genannt. Die ausständigen Studierenden-Kredite betragen schon knapp eine Billion US-Dollar. Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen und übersteigt somit sogar schon die amerikanischen Kreditkarten-Schulden. De facto werden also Staatsschulden einfach auf private Haushaltsschulden umgelagert. An das Haus bauen oder Familie gründen brauchen die fertigen Studierenden also noch nicht so bald zu denken.

Es geht auch anders

Im krassen Gegenzug dazu: Dänemark. Es gibt keine Studiengebühren, sondern sogar eine starke finanzielle Unterstützung. Jede/r Studierende bekommt eine staatliche Förderung von 607 Euro pro Monat, oder 330 Euro, falls man noch Zuhause wohnt. Diese Förderung erhält man während der gesamten Studiendauer, inklusive eines Toleranz-Jahres.

Wie viel Wert legt der Staat also auf Universitäten und auf Bildung? Bleiben wir noch kurz bei den skandinavischen Ländern. Dänemark ist hoch technologisiert, der Staat macht keine Schulden, sondern erwirtschaftet jährlich einen Überschuss und hat dabei auch die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Europa.

Natürlich muss man mit solchen Vergleichen vorsichtig sein, nicht alles ist vergleichbar und Zahlen sind selten unverfälscht. Aber auch in Österreich zahlen sich die Studierenden in Form von hohen Renditen aus: jede/r Studierende bringt rund das Dreifache der Kosten des Studiums durch das höhere Steueraufkommen wieder herein. Bildung ist somit die denkbar beste Investition überhaupt.

Wirtschaftlichkeit

Bildung ist jedoch nicht nur eine volkswirtschaftliche Frage. Damit verknüpft ist auch ein Gesellschaftsbild, welches humanistische Wertvorstellungen in den Mittelpunkt stellt. Heutzutage wird gerne das wirtschaftliche Argument herangezogen und argumentiert, alles müsse sich rentieren. Aber müssen sich Menschen wirklich rentieren? Wenn wir all unsere Anstrengungen darauf ausrichten, als Staat eine große Leistung, ein hohes Bruttoinlandsprodukt zu liefern, müssen wir uns dann nicht die Frage stellen, worauf wir damit eigentlich abzielen?

Das Ziel eines leistungsstarken Staates kann doch nur sein, mit dieser Leistung seiner Bevölkerung etwas zurückzugeben. Denn wozu Leistung erbringen, wenn diese nur einem abstrakten Ziel dient? Die Wirtschaft soll den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Aber in welcher Form wird zurück gegeben? In Form eines Sozialsystems, in Form von Pensionen, von Förderungen in allen Farben und Formen. Warum also nicht auch in Form eines freien Hochschulzugangs?

Lassen wir uns nicht einreden, Studiengebühren wären gerecht oder notwendig. Die Finanzierung von ForscherInnen und Lehrenden sollte so selbstverständlich sein, wie die Finanzierung der Kriminalbeamtin.

Denn wie auch schon unser Wissenschaftsminister Töchterle sagt:
„Studiengebühren sind bildungsfeindlich und bevorzugen finanzielle Eliten. Sie führen zur Reduktion der ohnehin schon geringen AkademikerInnenquote in Österreich und dienen nur der Budgetkonsolidierung, machen aber junge Leute zu SchuldnerInnen.“ (1)

1 http://www.uibk.ac.at/public-relations/presse/texte/2000/nov_00/48-00.html

Thomas und das Bipol-Team treffen sich jede Woche dienstags zwischen 11 und 13 Uhr im Referat.
Topic revision: r1 - 11 Dec 2011 - 22:41:53 - Main.MartinBorer
 

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