Leben in Rom
Ein Auslandsstudienjahr

*Rom ist eine sehr lebendige Großstadt und damit laut und recht chaotisch. Möchte man hier ein Jahr verbringen, muss man sich viel Gelassenheit aneignen und den eigenen Standard manchmal ein wenig senken. *

Verkehr

Ich habe an einer recht lauten Kreuzung im sehr lebendigen Stadtteil San Lorenzo gewohnt und mit dem Bus schon mal eine Stunde (statt 15 Min.) in die Innenstadt gebraucht. Wenn einmal im Monat ein Generalstreik der Bus- und U-Bahnfahrer stattfand, musste ich zu Fuß gehen. Alternativ zum öffentlichen Verkehr kann man sich auch recht günstig ein gebrauchtes Moped (motorino) oder Fahrrad kaufen. Diese Fortbewegungsvariante sei jedoch nur besonders Mutigen vorbehalten, da der Straßenverkehr in Rom absolut nicht ungefährlich ist und Italiener hier in der Regel eher ungeschriebenen Gesetzen folgen, als sich an die offizielle Straßenverkehrsordnung zu halten.

Kultur

Rom bietet unendlich viel Kultur. Auch der fleißigste Besucher diverser Museen, archäologischer Ausgrabungen und bedeutender Kirchen wird letztendlich doch nur einen partiellen Einblick in den historischen Gesamtkontext der Stadt gewinnen. Wer sich also für Geschichte, Kunst oder klassische Musik interessiert, wird ein Feuerwerk an Angeboten erleben, das einem nirgendwo sonst geboten wird. Architektur- und Kunststudenten dürfen sich über freien Eintritt in staatliche Museen mittels Studentenausweis freuen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Angebote etwas abseits der klassischen Stadtbesichtigung. Beispielsweise gibt es mehrmals in der Woche hochklassige Konzerte in Kirchen, die man oft kostenfrei besuchen kann. Ein guter Tipp sind auch Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Diskussionsabende, welche von diversen Akademien (z.B. Polnische oder Deutsche Akademie der Wissenschaften) und Kulturforen (z.B. Österreichisches oder Britisches Kulturforum) organisiert werden. Hier empfiehlt sich ein regelmäßiger Besuch der jeweiligen Webseiten. Im Sommer wird in vielen Parkanlagen ein Freilichtkino oder eine Konzertbühne aufgestellt, die eine alternative Abendgestaltung bieten.

Tagesausflüge

Südlich von Ostia (45 Minuten am öffentlichen Verkehrsweg) liegt das Mittelmeer mit sehr schönen Stränden, an denen man ab April sonnenbaden kann. Weitere nahe gelegene Tagesausflugsziele sind z.B. Tivoli mit der Villa Adriana, Villa d’Esete und Villa Gregoriana oder die auf einem Felsplateau gelegene idyllische Kleinstadt Orvieto im Südwesten Umbriens oder etwa die wunderschöne Küstenstadt Sperlonga in der Provinz Latina.

Kulinarik

Rom bietet als Hauptstadt und Metropole Italiens alle kulinarischen Besonderheiten und Höhepunkte der vielen italienischen Regionen. Echte neapolitanische Pizza gibt es bei il Caroccio am Piazza Bologna (ein Muss!), Eis, das wirklich nach natürlichen Früchten schmeckt, gibt es unter anderem bei Giolitti direkt neben dem Parlament (auch ein Muss!) und Tiramisu, das mich gelehrt hat, wie Tiramisu zu schmecken hat, gibt es bei POMPI am Piazza Re di Roma (richtig, auch ein Muss). An jeder Ecke gibt es den besten Espresso und Capuccino, den ich jemals zu mir genommen habe – und das zu Preisen ab 80 Cent. Durch die zentrale Lage Roms ca. auf halber Höhe des Stiefels, kann man von hier aus zudem sehr gut Reisen in andere Regionen unternehmen. So fährt man für ca. 17,00 ¤ in die Kunsthauptstadt Florenz, von wo aus man die malerische Toskana bereisen kann. Für nur 10,00 ¤ kann man in das südliche Neapel fahren, wo es bekanntlich die beste Pizza der Welt gibt (stimmt auch) oder man plant eine Reise nach Sizilien, um dessen felsige Küstenlandschaft, den Lava speienden Ätna und die Überreste der griechischen Kolonisation zu sehen.

Sprachtechnisch ist das Leben in einer Wohngemeinschaft mit Italienern zu empfehlen, da man so dazu gezwungen ist, die Sprache zu sprechen. Falls man seine Zeit dennoch hauptsächlich mit Auslandsstudenten verbringt, wie es oft der Fall ist, rate ich dazu, sich bei der Segreteria didattica per Tedesco in der Villa Mirafiori zu melden, wo Italienisch-Tandempartner vermittelt werden.

Fazit

Beginnend mit September 2010 war ich ein Jahr lang in Rom und studierte an Europas zweitgrößter Universität. Ursprünglich war mein Erasmusaufenthalt für ein Semester ausgelegt, jedoch habe ich mich wegen des weitreichenden Kursangebots an Entwurfsprojekten an den Fakultäten für Architektur „Ludovico Quaroni“ sowie „Valle Giulia“ dazu entschieden, auch das Sommersemester bis Anfang Oktober 2011 in Rom zu verbringen. Die Zusage und Nominierung für eine Verlängerung des Auslandsstudiums in Rom wurde mir problemlos von der „La Sapienza“ Universität sowie von meiner Heimuniversität, der TU Wien, erteilt.

Meine Italienischkenntnisse haben sich durch den Aufenthalt in Italien eindeutig verbessert und es machte mir Freude, jeden Tag Neues dazuzulernen. Neben den regulären Lehrveranstaltungen besuchte ich auch von Oktober bis Dezember einen Sprachkurs an der Universität. Durch das Studium der Architektur in Italien erfuhr ich zudem eine Auffrischung und Erweiterung meiner fachlichen Kompetenzen, lernte die Mentalität der italienischen Gesellschaft kennen und knüpfe interessante Kontakte für die Zukunft. So ergab sich die Möglichkeit einer interuniversitären Diplomarbeit, für deren Verfassen mir die Nutzung der gesamten Infrastruktur des österreichischen Kulturforums in Rom für wissenschaftliche Recherchen angeboten wurde.

Zusätzlich zu erfolgreich absolvierten Entwurfsprojekten auf dem Gebiet der Architektur und des Städtebaus, legte ich bei meinem Italienaufenthalt einen inhaltlichen Schwerpunkt auf Architektur- und Kunstgeschichte – vor allem deshalb, weil sich ein Großteil der historisch bedeutenden Bauten und Kunstwerke in Rom, sowie den umliegenden Städten befindet. Gelebte Geschichte ist wesentlich verständlicher, wenn man die Gelegenheit hat, diese hautnah zu erfahren, anstatt nur aus Büchern und Präsentationen zu lernen. Weiters hatte ich glücklicherweise im November kurz die Gelegenheit, neben einer 5-tägigen Teilnahme an der Konferenz „The Athens Dialogues 2010“ auch die antike Baukunst in Athen zu bewundern.

Warum sollte man sonst noch ein Auslandsstudienjahr in Rom verbringen?

Um das am natürlichsten schmeckende Eis zu probieren, die köstlichste Pizza zu essen und den besten Kaffee zu trinken. Um Sommerabende auf dem Aventinhügel oder dem Pincio zu verbringen und auf eine Skyline aus Barockkirchen und dem Kolosseum zu blicken. Um bei einer Papstmesse zu sehen, wie dreitausend Priester auf einmal die größte Kirche der Christenheit betreten, während der beste Knabenchor der Welt ein Lied aus dem 15. Jahrhundert singt. Um eines Tages sehr früh in Rom aufzustehen, den Sonnenaufgang über dem Forum Romanum zu erleben und die antike Stadt im klarblauen Morgenlicht wahrzunehmen. Um auf der Spanischen Treppe zu sitzen, nicht weil man Fotos machen will, sondern weil es ein wunderschöner Ort ist und um sich mit ein paar Freunden nach einem langem Tag zu erholen.

Aber vor allem, um sich aus der behaglich Sicherheitszone der Stammuniversität zu wagen, sich einfach auf ein einzigartiges sowie persönlich-bereicherndes Auslandsstudienabenteuer einzulassen und dabei internationale Freundschaften fürs Leben zu schließen …

Dominik fliegt sicher bald wieder nach Rom …
Topic revision: r1 - 11 Dec 2011 - 22:48:58 - MartinBorer
 

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