Heimspiel mit Nestroy
Auf den Spuren altwie(d)ner Theaterkultur

Kaum zu glauben, aber es gab eine Zeit, in der der Begriff „Freihaus“ nicht untrennbar mit unserer TU verbunden war.

Damals, im 18. Jahrhundert, als die Gründung der Technischen Universität noch in den Sternen stand, war das Freihaus ein ganzer Komplex an Gebäuden, der unter anderem eine Kapelle, Wohnungen, Geschäfte, Wirtshäuser und ab 1787 auch ein Theater umfasste. Dieses Theater, das sogenannte „Freihaustheater“, oder auch „Theater auf der Wieden“, stand damals mitten auf der heutigen Operngasse, zwischen den Hausnummern 23 und 32. Einige Reliefbilder an Häusermauern, aber auch Straßennamen in Wieden erinnern heute noch an das Freihaustheater, wo unter anderem Mozarts Zauberflöte uraufgeführt wurde.

Für uns als Theatergruppe der Fachschaft Physik ist es natürlich ein erhebendes Gefühl, seit einigen Jahren in nächster Nähe dieser geschichtsträchtigen Gründe unsere eigenen Theaterproduktionen auf die Bühne des Treitlhörsaals zu bringen.

Dass wir uns – nach Inszenierungen von Molière, Shakespeare und Wilde – in unserer diesjährigen Saison ein Stück von Nestroy ausgesucht haben, fügt sich nahtlos in unseren geschichtlichen Ausflug: Denn nachdem das Freihaustheater 1801 geschlossen wurde, übersiedelten die Produktionen in das neu erbaute Theater an der Wien. Und genau in diesem Theater – ebenfalls nur einen Katzensprung von unserem Treitlhörsaal entfernt – ergatterte Johann Nepomuk Nestroy 1831 sein erstes Engagement und spielte sich binnen kurzer Zeit in die Herzen des Wiener Theaterpublikums. Auch seine ersten Erfolge als Autor ließen nicht lange auf sich warten, so kam 1833 „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ unter großem Beifall zur Uraufführung, ein Stück, das auch heute noch neben „Der Talisman“ oder „Einen Jux will er sich machen“ jedem Theaterliebhaber ein Begriff ist.

Höllenangst

Weniger bekannt, aber nicht minder lustig, ist die raffinierte Verwechslungskomödie „Höllenangst“, in der die Fügung dem armen Schustersohn Wendelin einen Streich spielt und ihn glauben lässt, er hätte seine Seele dem Teufel verkauft. Das Publikum weiß es besser – und amüsiert sich köstlich über den tollpatschigen Protagonisten.

Die Komödie, die in Wien zuletzt 2006 im Burgtheater aufgeführt wurde, wird von unserer Theatergruppe seit Anfang Oktober geprobt. Der derbe Humor und die Situationskomik in Nestroys Stück haben uns gleich begeistert und von der ersten Leseprobe an für viel Gelächter gesorgt. Nestroy stellt uns aber auch vor einige neue Herausforderungen. So war es anfangs für viele ungewohnt, im Wiener Dialekt zu spielen. Auch die typischen Gesangsstücke, die sogenannten Couplets, trieben einigen von uns den Angstschweiß auf die Stirn. Aber wir lassen uns nicht entmutigen und halten uns streng an Nestroy, der einst sagte: „Kunst ist, wenn man’s nicht kann, denn wenn man’s kann, ist’s keine Kunst.“

Unsere Theatergruppe hat heuer einige neue Mitglieder dazubekommen, die zum Teil auch gleich mit großen Rollen betraut wurden. Aber auch altbekannte Schauspieler und Schauspielerinnen werden bei unseren Aufführungen in den Rollen der teils liebenswerten, teils bitterbösen, aber vor allem durch und durch wienerischen Charaktere auf der Bühne zu sehen sein. Unsere Aufführungen werden kurz vor den Osterferien, am 29. und 30. März 2012, jeweils um 19:30 im Treitlhörsaal (Treitlstraße 3) stattfinden. Mehr Informationen werden in den Wochen vor den Aufführungen auf Plakaten sowie auf http://www.fstph.at/theater zu finden sein, wo ihr euch übrigens auch demnächst für unsere Mailingliste anmelden könnt. Dann werdet ihr rechtzeitig per E-Mail an unsere Aufführungen erinnert und seid immer bestens informiert!

Ismene und die Theatergruppe freuen sich schon darauf, wieder viele von euch bei den Aufführungen im März zu sehen!
Topic revision: r1 - 11 Dec 2011 - 22:50:29 - Main.MartinBorer
 

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