Zugangsbeschränkungen für Technikstudien

Es gibt verschiedene Arten von Zugangsbeschränkungen. Neben offensichtlichen Methoden wie schriftlichen Eignungstests existieren auch eine Reihe von viel subtileren Mechanismen der Selektion.

Die Vorbereitungen, die eine spätere Wirksamkeit einer dieser Methoden garantieren sollen, beginnen bereits bei der Geburt. Eine der ersten und wichtigsten Fragen ist immer: „Mädchen oder Bub?“ Warum das zu diesem Zeitpunkt so wichtig ist? Um gleich mit einer adäquaten Erziehung beginnen zu können, damit das Kind nur ja nicht auf komische, geschlechtsuntypische Gedanken kommt und die heterosexuelle Kleinfamiliennorm ins Wanken bringt. Darum wird das Mädchen mal gleich in Strumpfhose und Rock und der Bub in Jeans gesteckt. Denn schließlich sollen ja alle wissen ob das Kind jetzt weiblich oder männlich ist und das würde man in so einem Alter ja noch nicht sofort sehen. Außerdem muss es dem Kind selbst schnellstmöglich beigebracht werden was es jetzt ist. Für die Aufrechterhaltung und Weitergabe der geschlechtstypischen Interessen sorgen im weiteren Leben das Bildungssystem, die Medien, die Politik und das soziale Umfeld, es ist also gesichert, dass niemand an diesen Vorstellungen vorbeikommt.

Von der Öffentlichkeit verschwiegen…

Um die Heteronormativität und die damit verbundenen geschlechtsspezifischen Rechte und Pflichten aufrecht zu erhalten, wurden die Leistungen von Frauen in der Technik bewusst verdrängt.
Ein sehr anschauliches Beispiel ist das der ENIAC-Frauen: sechs Mathematikerinnen und Informatikerinnen, die gemeinsam den ersten Computer (ENIAC) programmierten. Immer wenn Pressefotos gemacht werden sollten, nahmen Männer die Position der eigentlichen Programmiererinnen ein. Dass Frauen technische Tätigkeiten ausüben, sollte vor der Öffentlichkeit so gut wie möglich verborgen werden.

…als naturgegeben dargestellt…

Wie gut sich dieses System des Ausschlusses bewährt hat, lässt sich am Beispiel der Informatik veranschaulichen.
Bis in die 1980er Jahre war der Ort, an dem junge Menschen zuerst mit Computern in Berührung kamen, die Schule. Zu dieser Zeit wurden eine Reihe von Studien gemacht, die erforschten durch welche Mechanismen Mädchen und Buben Interesse für unterschiedliche Fächer entwickeln bzw. von anderen ferngehalten werden. Es wurde nachgewiesen, dass zum Zeitpunkt als die erste Generation, die Informatikunterricht in der Schule gehabt hatte, zu studieren begann, der Frauenanteil in Informatikstudien rapide gesunken ist. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Informatik mit Naturwissenschaften und Mathematik verbunden wurde, welche traditionell männliche Fächer sind, die eher von Männern als von Frauen unterrichtet werden. Mädchen wurde damit klargemacht, dass Computer nur für Jungen sind, da sie von klein an lernen, Jungs wären von Natur aus mit technischen Fähigkeiten besser ausgestattet als sie. (Studie: Clarricoates, 1980) Über die geschlechtsspezifische Sozialisation funktionierte diese Zuordnung als Ausschlussmechanismus.
Die Ideologie der Technik als Männerdomäne basiert auf der Vorstellung von hochqualifizierten Berufen als Männerberufen und nicht auf einer naturgegebenen Begabung.

…nicht mit uns!!!

Die ständige Beurteilung nach dem Geschlecht nimmt uns die Freiheit uns selbst zu definieren. Statt eine Identität annehmen zu können, die unserem Denken entspricht, werden wir in unserem Körper gefangen und nach rein äußerlichen Merkmalen in Gruppen eingeteilt.
Es mag schon sein, dass solche Kategorisierungen für die Politik hilfreich sind, da so verhindert werden kann, dass das derzeitige System hinterfragt wird und dadurch an Stabilität verliert. Im Interesse von freien Menschen liegt es aber in gar keinem Fall.
Verabschieden wir uns endlich von dem Gedanken, Menschen in Kategorien einzuteilen, jedeR hat das Recht sich selbst zu definieren!

felicitas, niko

Felicitas studiert Architektur und ist in der Fachschaft sowie im Frauenreferat tätig.
Niko studiert Architektur und ist in der Fachschaft tätig.

+Die Wissenschafterinnen Christine Wennerås und Agnes Wold veröffentlichten 1997, nach einer gewonnenen Klage, in Nature eine Analyse des Peer-review-Systems für Bewerbungen um Post-doc-Stipendien der schwedischen Medical Research Council. Die Analyse war der erste eindeutige Beleg dafür, dass männliche „Peers“ die Kompetenz von Wissenschafterinnen geringer bewerteten als die von Wissenschaftern. („Nepotism and sexism in peer-review“, Nature 387, Mai 1997)
Topic revision: r3 - 18 Oct 2008 - 20:30:05 - AndiSiptak
 

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