Überschrift: Reifenquietschen statt Donauwalzer

Untertitel: Was assoziiert ein Fremder mit Wien - Mozartkugeln, Stephansdom, Fiakerpferd? Wenn sich unter die üblichen Klischees neuerdings auch ein 110 Dezibel lautes Motorgeräusch mischt, trägt das TUW Racing Team schuld daran.

Text: Über ein Jahr hatten sie darauf hingearbeitet. Beim Bau ihres ersten Rennwagens wuchs so mancher über sich selbst hinaus, entdeckte ungeahnte Talente und Fähigkeiten. Probleme und Verzögerungen traten zur Genüge auf, in Folge suchten sie oft Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte heim. Ans Aufgeben wollte dennoch niemand denken. Ihre Hingabe für ihre große Leidenschaft, den Motorsport, machte sich letztlich bezahlt...

Drei Stationen, eine Mission Im Sommer 2008 wurde es richtig ernst für die Techniker des TUW Racing Teams. Eine Reise stand an, die über Großbritannien, Deutschland und Italien führen sollte. Mit im Gepäck war "edge", der selbst konstruierte Leichtgewichtflitzer der Wiener und eigentliche Grund für den Trip quer durch Europa. In den Monaten Juli bis September stellten sie sich mit ihrem Auto gleich an drei Orten harten Wettkämpfen. Die Formula-Student-Bewerbe in Silverstone, Hockenheim und Fiorano waren schon für etablierte Teams jedes Jahr auf's Neue die ultimative Herausforderung, umso mehr noch für einen Newcomer. Vor den Augen kritischer Juroren wurden alle Einzelteile des "edge" auf Funktion und Zweckmäßigkeit überprüft, erst dann die Starterlaubnis für die Rennen erteilt. Die Formula Student wurde also zur Bewährungsprobe für die Konstruktionsleistung der Wiener TU-Studenten, die nicht nur von ihrem eigenen Können überzeugen, sondern auch zum Ansehen der Technischen Universität insgesamt auf internationaler Ebene beitragen wollten.

Die Wettbewerbe im Schnelldurchlauf Gleich nach der Ankunft in Silverstone musste das Team sein spontanes handwerkliches Geschick unter Beweis stellen. Bei der technischen Abnahme befanden die Juroren, dass vor dem Rennen noch einige Adaptionen am Wagen vorzunehmen wären. Zurück in der Box, behielten die Techniker kühlen Kopf in einer heißen Phase. Unter Zeitdruck behoben sie die beanstandeten Probleme in Windeseile. Im Nu hatten sie den Ansaugtrakt umgebaut, den Gurt verstellt und einen zusätzlichen Benzinabfluss geschaffen. Der nachfolgende Wettbewerb hatte gar nicht so schlechte Ergebnisse zur Folge. Leider wurde der erste große Testlauf dann von einem defekten Zündgeber im großen Rennen gestoppt. Bei der Preisverleihung durften sie aber die Auszeichnung für das bestkonstruierte Auto in den Händen halten. Hockenheim, die zweite Station, wurde zum Höhepunkt in der Erstjahressaison für das TUW Racing Team. "egde" zeigte sich in allen Teildisziplinen von seiner besten Seite und die Teammitglieder machten in den diversen Präsentationen über Design und Projektkosten gute Figur. Beim zweimal elf Kilometer langen Ausdauerbewerb am Finaltag stieß der Bolide weit ins Spitzenfeld vor. Für das miteifernde Tribünenpublikum entwickelte sich der knallig orangefarbene Wagen in der gleißenden Sommersonne schnell zum Blickfang. Der vierte Gesamtplatz und die Silbermedaille im "Style Event" stellten den krönenden Abschluss für das deutsche Rennwochenende dar. In Fiorano fand die Delegation aus Wien ebenfalls perfekte Wetterbedingungen vor. Kontakte zu anderen Rennställen vermochten bei kulinarischen Köstlichkeiten der italienischen Küche vorzüglich gepflegt werden. Damit kann allerdings nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass das Team, gemessen an den Resultaten, an seiner dritten Reisestation einen herben Rückschlag erlitt. Aufgrund eines dummen Fehlers (umgelegter Not-Aus-Schalter) schied "edge" in der letzten Disziplin aus und wurde von zuvor bereits überholten Gegnern noch überrundet. Fernab der Spitze mussten sich die "Racer" der TU Wien mit dem elften Rang begnügen.

Fortsetzung folgt Damit ihr Erstlingswerk "edge" keine Eintagsfliege bleibt, sind die emsigen Studenten bereits in Planungsbüro und Werkstatt zurückgekehrt. Gegenwärtig feilen motivierte Jungmitglieder Schulter an Schulter mit den gestandenen Technikern aus dem letzten Jahr unter dem Arbeitstitel "edge Mk2" an einem neuen Auto. Noch schneller und stärker, aber zugleich leichter und umweltfreundlicher soll es werden. Kantige Verschneidungen und die optische Zweiteilung der Verkleidung bleiben, denn grundsätzlich soll das erfolgreiche Design-Konzept beibehalten werden. Allerdings sind Verfeinerungen in der Form und aerodynamische Verbesserungen geplant. Neue Bestimmungen im Reglement für Saison 2009 bedingen außerdem Umgestaltungen am Rahmen. Die daraus resultierenden Veränderungen in den Proportionen werden sich ebenso in der Linienführung bemerkbar machen. Das ehrgeizige Ziel lautet, aus dem "edge MK2" wieder einen echten "Hingucker" zu machen. Sofern die Finanzen es zulassen, will das TUW Racing Team seine Reise im nächsten Jahr ausdehnen und zusätzlich zu den europäischen Bewerbe jene in Übersee in Angriff nehmen. Um auch in Detroit, Brasilien und Australien zu beweisen, dass Wien mehr als Mozartkugeln, den Stephansdom und Fiakerpferde zu bieten hat.

Text von Markus Grammel

Infobox Schnell, angriffslustig, erfolgreich - Eigenschaften, die spätestens seit Ablauf der heurigen Formula-Student-Saison mit dem TUW Racing Team in Verbindung gebracht werden. Anfang 2007 als Rennstall der TU Wien gegründet, ist die Vereinstätigkeit auf die Entwicklung und Konstruktion einsitziger Rennautos ausgelegt, mit denen die Teilnahme an der eigens für Studierende ausgetragenen Rennserie erfolgt. Im Erstantrittsjahr ging das Konzept auf, in der kommenden Saison will das Team seine Rennperformance verbessern und den Druck auf die Konkurrenz erhöhen.

Kontakt http://racing.tuwien.ac.at office@racing.tuwien.ac.at

-- Main.JasminMueller - 03 Dec 2008
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