Happy Birthday, Türke!
ein Buch von Jakob Arjouni

Vom Türken, der kein türkisch kann, fixenden Nutten und vom braven schweigsamen Ehemann, der mit Drogen dealte...

Lass deine Finger von Ahmed Hamul, Türke! Erste und letzte Warnung!!

Kemal Kayankaya ist Privatdetektiv in Frankfurt. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde er von einer deutschen Familie adoptiert und lernte nie Türkisch. Wegen der nichtvorhandenen Türkischkenntnisse will Ilter Hamul fast schon wieder gehen, doch Kayankaya kann sie mit Kaffee und Geburtstagskuchen zum Verbleib in seinem Büro überreden.
Ahmed Hamul wird in der Nähe vom Bahnhof ein Messer in den Rücken gesteckt und dessen Frau Ilter beauftragt Kayankaya, den Mörder zu suchen. Was einfach klingt, entwickelt sich zum Spießrutenlauf durch Frankfurts Kriminalkommissariat, Drogenszene und Rotlichtmilieu, bis Kayankaya schließlich drei Tage nach seinem Geburtstag dem Mörder seine Meinung sagen kann.
Auf seinem Weg wird Kayankaya verpönt, mehrfach zusammengeschlagen, mit Waffen bedroht und fast mit Tränengas erstickt. Als Ausgleich trinkt er jede Menge Kaffee und Bier, schlägt selbst einige Zuhälter zusammen, droht mit seiner Parabellum, erfindet dreiste Geschichten, um an Informationen zu kommen und verliebt sich beinahe in eine Prostituierte.

Ich warf ihr meine Lizenz hin. Sie las alles langsam durch. – »Happy birthday, Türke!« – So blöd war sie doch nicht. – »Kann man ja gratulieren. Bist nur 'n mieser Schnüffler, he?« – »Jeder hat seinen Job, musst du doch wissen.« Das war nicht nett. Es war mir egal.

Der einsame Held, Kemal Kayankaya, begegnet trotz seiner deutsch deutschen Art jeder Menge Rassismus. Sein türkisches Aussehen veranlassen seine Gesprächspartner oft zu herablassendem Verhalten und Pseudo-Türken-Deutsch. Kayankaya lässt sich dadurch nicht abschrecken und kontert mit viel Witz und Sarkasmus. Dabei hilft ihm sein (für mich kaum verständlicher) Dialekt.
Im Frankfurt der frühen Achzigerjahre ist Vieles anders: Terrorismus ist noch was Deutsches, Bier wird zum Frühstück konsumiert, Telefonnummern sucht man im Telefonbuch und Telefonzellen sind sehr gefragt. Ob Postsäcke noch immer auf dem Bahnsteig verladen werden, kann ich nicht sagen...

Bevor ich ein Wort loswerden konnte, rotze sie: »Weiter, weiter, ich nix Ficki-Ficki mit dir, habe meine Prinzipien«, und machte dabei eine Handbewegung wie ein Polizist, der den Verkehr regelt. – »Wieso Ficki-Ficki, hab nur 'ne Frage.« – Das interessierte sie überhaupt nicht. »Hau ab, Mann, fahr deinen Kümmelschwanz ein und mach die Fliege, du hast hier nix verloren!«

Fazit: Ein Krimi für den Leser mit erhöhten Qualititätsansprüchen. Bissig und intensiv schreibend wird Arjouni solchen Ansprüchen mehr als gerecht. Und man muss Kayankaya einfach mögen, trotz (oder gerade dank?) der direkten und oftmals brutalen Art.

garfield liest zu viel
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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