Step 1 - Step 2 - Step back!

Was so harmlos klingt, ist die Abkürzung für „Studieneingangsphase“ und diese ist alles andere als harmlos, sondern kann weitreichende Auswirkungen auf dein Studium haben.

Zunächst war da ein Bericht des Studiendekans für die nächste Sitzung der Studienkommission Bauingenieurwesen. Inhalt: das Regierungsprogramm und der darin angeführte Wunsch des Wissenschaftsministers nach einer verpflichtenden STEP für alle Studienrichtungen in Österreich. Gut, wirst du jetzt sagen, ist ja eine prima Sache. So erfährt man gleich zu Beginn des Studiums, worum sich alles dreht, und nicht erst nach vielleicht ein oder zwei Jahren, die dann unwiederbringlich verloren sind (glauben jedenfalls zumindest die Studienfinanzierer).

Die Wahrheit ist natürlich doch etwas anders. So soll diese STEP in etwa die ersten beiden Semester umfassen, mit einer Prüfung abgeschlossen werden (in einer späteren Aussendung hat sich Minister Hahn für Teilprüfungen ausgesprochen) und Voraussetzung für das weitere Studium (i.A. für LVA ab dem 4. Semester) sein. Somit wäre der Bachelor auch in Abschnitte eingeteilt und die Semesterstruktur würde sich kaum noch von den alten Diplomstudienplänen unterscheiden – bloß dass die Hürden STEP und Bachelor viel größer sind – zwei Schritte zurück also.

Sehen wir uns zunächst an, wo es die STEP bereits gibt. Etwa an der Architektur oder der Informatik bei uns sowie für alle Studienrichtungen an der TU Graz. Die ersten beiden sind „Massenstudien“, wo der einzige Sinn der STEP wohl daran liegt, die Studierendenzahl zu dezimieren. Über diesen (Un)sinn ließe sich bereits treffend diskutieren, das würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. In Graz ist die Sachlage etwas anders. Dort haben alle Studienrichtungen einen ähnlichen Studienplan und somit gilt auch die STEP für alle. Sie wird aber gerade auf Bestreben der dortigen HTU entschärft, in Zukunft benötigt man nur mehr für LVAs des dritten Bachelorjahres die positive Absolvierung der STEP. Grund dafür waren zahlreiche Probleme, sowohl aus Studierendensicht als auch für die Dekanate.

Für die Einführung einer STEP spricht neben den finanziellen Überlegungen eigentlich nur das „Schaffen des Bewusstseins für die erforderlichen Begabungen und die notwendige Leistungsbereitschaft“, wie es Vizerektor Prof. Prechtl ausdrückt. Ob dies jedoch wirklich geschieht, darf bezweifelt werden, denn ähnliches war sich auch bezüglich Studienzeitverkürzung vom Bachelor erhofft wurden. Zumindest in meiner Studienrichtung wurden diese Hoffnungen allen Anscheins nach schwer enttäuscht (nach immerhin acht Semestern Bachelor liegen noch keine genauen Zahlen vor). Selbst die finanziellen Gewinne abseits der „Massenstudien“ dürfen bezweifelt werden, darüber könnte bestenfalls eine detaillierte volkswirtschaftliche Berechnung Auskunft geben. Inskribierte Studierende, die selten bis nie Prüfungen machen, kosten schließlich der Universität auch praktisch nichts.

Probleme ergeben sich durch eine verpflichtende STEP jedoch massenweise. Gerade für Übungen ist sie absolut ungeeignet, da viele davon nur ein Mal im Jahr angeboten werden. Somit kann durch eine nicht bestandene Übung im zweiten Semester bereits ein ganzes Jahr verloren gehen, denn die Betroffenen dürfen keine Übungen des 4. Semesters besuchen. Besonders schwer könnte es für „Quereinsteiger“ werden, die bereits derzeit mit größeren Hürden kämpfen müssen. Unter Anbetracht des auf sechs Monate verkürzten Präsenzdienstes ist auch kaum anzunehmen, dass die Zahl der Beginner im Sommersemester in Zukunft kleiner wird. Ebenfalls kaum vorstellbar ist, dass die finanziellen Einsparungen durch die STEP ein Anbieten aller Übungen in jedem Semester ermöglichen.

Ein weiterer Punkt ist die generelle Unklarheit über die soziale Absicherung der Studierenden. Noch ist nicht geklärt, wie sich die STEP auf Bezugszeiten von Beihilfen oder Stipendien auswirken wird. Gerade in den ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtungen ist der Anteil an Werkstudierenden überaus groß (so arbeiten derzeit mehr als 50% der erstsemestrigen Bauingenieure). Für diese lässt sich noch schwerer ein akzeptabler Stundenplan zusammenstellen, wenn ein Großteil der LVA durch Prüfungsketten (die die STEP unzweifelhaft darstellt) gesperrt ist. Auch für andere Studierende, besonders aus den Bundesländern oder dem Ausland, stellt das erste Studienjahr oftmals eine Orientierungsphase dar, in welcher sie mit zahlreichen Neuerungen zu kämpfen haben. Somit ist eine Beurteilung des Studienerfolgs im ersten Jahr nicht zwingend charakteristisch für spätere Leistungen, gerade unter Anbetracht des unterschiedlichen Vorwissens. Eine Anpassung des Bildungsniveaus in einem Semester ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Nicht zuletzt erwähnt werden sollte ein ganz wichtiger Punkt. Nach §59 des Universitätsgesetzes steht „den Studierenden (…) nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen Lernfreiheit zu“. Diese Lernfreiheit wird durch die STEP massiv eingeschränkt bzw. in Teilbereichen unmöglich gemacht. Das Ergebnis ist ein verschultes System, das keine selbstständigen, verantwortungsbewussten Personen formt, was eine der Grundaufgaben einer Universität sein sollte. Auch wird die STEP den ursprünglich geforderten „umfassenden Einblick in der Studium“ nicht erfüllen können, da in vielen TU-Studien die Inhalte so breit sind, dass die ersten beiden Semester lediglich aus allgemeinen Grundlagen bestehen.

Es sind also viele Punkte, die gegen die Einführung der STEP für alle Studien sprechen. Vorerst dürfte sich die Lage nach dem anfänglichen Aufruhr ein wenig beruhigt haben. Dennoch ist es stets wichtig, die aktuellen Entwicklungen zu verfolgen, um rasch handeln zu können. Das Ministerium hat schließlich bereits öfters bewiesen, ein sehr gutes Gespür für Termine von Gesetzesverabschiedungen zu haben. Besonders wirksam sind jene in den Sommerferien nach ÖH-Wahlen, wenn viele Studienvertretungen noch nicht wieder handlungsfähig sind. Durch das Fachschaftsprinzip ist dies zwar an der TU nicht so extrem, der Umstand bietet aber trotzdem keine rosigen Aussichten für die nächsten Monate. Und dann könnte sich der Liedtext vom Ostbahn-Kurti bewahrheiten: „A Schritt vire, zwa Schritt zruck!“

Ulf studiert Bauingenieurwesen und findet im Übrigen, dass die STEP abgeschafft werden muss
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:03 - Main.UnknownUser
 

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