Willkommen im interstellaren Haushalt

Utopisch, Fantastisch und dabei ganz kritisch – was hinter der Ekumen Reihe von Ursula K. Le Guin steckt.

Ekumen ist griechisch für Haushalt. Was liegt also näher, als eine galaktische Union aller bekannten und besiedelten Welten so zu benennen? Dabei ist der Name besonders in einem Punkt nicht ganz zutreffend – denn nah sind sich die bewohnten Planeten zumindest räumlich ganz und gar nicht.

Science Fiction?

Während (fast) alle Rassen einen gemeinsamen, menschlichen Urahnen teilen, sind sie gleichzeitig durch Lichtjahre umfassende Distanzen getrennt. Diese können zwar überwunden werden – allerdings nur unter dem Zurücklassen von Allem, was du je gekannt hast. Während für dich auf der längsten Reise nur ein paar Augenblicke vergehen, vergehen in deiner Heimat schon mal 32 Jahre – in eine Richtung. Was Reisen allgemein schwierig macht – und Kommunikation sowieso. Bis das „Ansible“ erfunden wurde, wodurch Leute nun unabhängig von der Distanz kommunizieren können. In Echtzeit.

Politisch?

Von Hain ausgehend, versuchen die Ekumen die Galaxie friedlich zu vereinen. Dabei werden neu entdeckte Planeten langsam und möglichst friedlich eingegliedert, Raubbau von unbewohnten Welten verhindert und auf die Bewahrung der Individualität der Völker wert gelegt. Dabei beschreiben einzelne Bücher nur selten das Ganze – mit wechselnden Protagonisten wird ein facettenreiches Mosaik verschiedener Perspektiven geschaffen, von sozialistischen, kapitalistischen, archaischen oder postmodernen Welten, dass Lesende am Ende selber zusammensetzten müssen. Mit verschiedenen Ergebnissen.

Fantastisch?

Aber auch fantastische Aspekte verliert die Autorin nicht aus den Augen – ob die Leute nun das „Mind Reading“ beherrschen, eine Art von Telepathie die das Lügen verhindert, oder Abenteurer es mit engelsgleichen Monstern zu tun haben, die Menschen das Blut aussaugen. Aspekte, die manchmal magisch oder mystisch anwirken werden oft, wenn auch nicht immer, rational erklärt. Und das es SciFi nicht schaden kann, mysteriöse Magier zu haben die sich mit Schwertern duellieren, wissen wir spätestens seit Star Wars.

Feministisch?

Matriachalische, im Mittelalter stecken gebliebene Welten genauso wie moderne, in denen Frauen einen niedrigeren Stellenwert haben als Sklaven. Geschlechterrollen werden umgedreht, auseinander gerissen und völlig „falsch“ zusammengestückelt. Wechselnde Sexualitäten, Homosexualität bzw. Bisexualität mal als Norm, mal illegal. Wer sich darauf einlässt, kann dadurch eine Menge über uns selbst lernen – dabei wirkt die Autorin nicht belehrend und vor allem nicht übervorteilend. Gleichberechtigung, keine Unterdrückung ist der Grundsatz.

Realistisch?

Dabei verliert die Autorin die Erde nicht aus den Augen – wer könnte sich nicht unsere Heimat vorstellen, wie sie in Jahrhunderten von einer ultra religiösen Gruppe von Wahnsinnigen beherrscht wird, die Wissen verurteilen und schon mal eine halbe Stadt auslöschen, um ihre Ziele klar zu machen? Die Spezies sind menschlich, Lesende können sich in sie hinein versetzen – und gleichzeitig sind die Welten exotisch genug, um interstellares Fernweh zu wecken.

Die Autorin ist 1929 geboren und mit ihren drei Brüdern als Tochter eins Anthropologen aufgewachsen. Sie lebt in Portland, Oregon, in einem kleinen Häuschen am Meer und lässt sich von ihrem Alter nicht daran hindern aktuelle und vor allem kritische Bücher zu schreiben. Darunter zählen auch die Earthsea Bücher, für die sie – genauso wie für die Ekumenreihe – zahlreiche Preise bekommen hat.
Als Einsteig in den Ekumen-Cycle (auf Deutsch Hainish-Reihe) eignet sich am Besten „Planets of Exile“, ein Sammelband mit den ersten drei Büchern der Reihe. 9 Bücher und noch mehr Kurzgeschichten warten darauf, von dir gelesen zu werden!

http://www.ursulakleguin.com

Magdalena hat auch drei Brüder! – da fehlt nicht mehr viel, zur Autorin wink

Lise Meitner Preis
DU siehst dich selbst als nächste Science Fiction Autorin? Schreibst gerne zu feministischen, vor allem aber technischen Themen? Dann trau dich – und mach beim Lise Meitner Preis mit!
Alle wichtigen Informationen findest du unter http://www.lisemeitnerpreis.at/
Einsendeschluss ist der 9.9.2009, der Gewinnerin winken 2.200 Euro!
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:04 - Main.UnknownUser
 

Herausgeberin:
Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Technische Universität Wien
(Vorsitzender: Lukas BÜRSTMAYR)
Wiedner Hauptstraße 8-10
1040 Wien
T: +43-1-58801-49501
F: +43-1-58691-54
sekretariat@htu.at