Kunstprojekt decision an der TU

Hast du was zu sagen? Dann tu es auch!

Das ist die klare Ansage des KünstlerTEAMs niel. Und dazu haben sie ein interaktives Video an mehreren Plätzen Wiens installiert. Zum Mitgestalten durch den Passanten. Unspektakulär stellt es eine Frage, für deren vermeintlich banale Beantwortung man sich nicht besonders viel Zeit nimmt, um dann –mitten in der sich einstellenden Selbstzufriedenheit- aus ihr wieder herausgerissen zu werden. Was während des Videos noch eine klare Antwort zu haben schien, wird zum Schluss durch einen einzigen Satz ins Paradox geschickt … für den, der es erfasst. Das werden nicht viele; interessant wie klar und unvermittelt sich selbst auch hier unsere Lebenswirklichkeit darstellt!

Unterschrieben ist dieser Schlag mit Dr. L. Dämon. Wobei es das L. wohl zu enträtseln gilt. Ob es der Laplace‘sche Dämon ist? Oder des Physiologen Libet‘s Zeichen? Der Dr. lässt aber auch an Dr. Faust denken! Oder ist es der Dämon Luzifer, der einem mit Freude die Selbstgefälligkeit nimmt?

So wie überhaupt das ganze Video nach einer Aufarbeitung abendländischer Philosophiegeschichte aussieht. Da meldet sich Plato im TV, und Descartes verbündet sich auf eigenwillige Weise mit dem „Denker“ Dantes, der hier wohl vor der Höhle des Vegetierens warnt, um kurz darauf durch Montaigne wieder ans schöne Leben erinnert zu werden. Ganz versteckt, doch gerade deswegen umso aussagekräftiger, wird einem der Strick der Bürger von Calais um den Hals gelegt, flankiert von vier eingespielten Kleinvideos, die pointiert die Lebensphasen verdichten. Und im Zentrum Sartre`s Verdammnis zur Freiheit und eine Menge mehr an Findbarem. Ein Fundus für jeden Genussdenker.

Und wer nicht so tief schaut, sieht eine schöne Oberfläche, die mit ihrer eigenwilligen Ästhetik zu verzaubern weiß, wenngleich sie ebenso am Ende zu einer scheinbar unverfänglichen Entscheidung verführen will. Auf`s Video antworten oder nicht antworten. Mit „Hast du was zu sagen? Dann tue es auch!“ wird unmissverständlich aufgefordert, dies sofort per SMS zu tun. Oder nach kurzer Verschnaufpause per E-Mail.

Doch Vorsicht, da steckt viel Perfidität dahinter, denn am Folgetag ist die Antwort dem Video angefügt und somit nicht nur Teil dessen, sondern vielmehr Betrachtungsgegenstand des nächsten Passanten!

Gelegenheit zur Diskussion gibt es an den verschiedenen Aufstellungsorten in ganz Wien oder über das Forum. Dies könnte ganz schön unterhaltsam werden, denn man sollte sich bei diesem Thema nicht unbedingt auf lauwarme Zustimmung oder gar auf rein sachliche Reflexion verlassen. Leute mit Harmoniesucht oder fehlender Reife sollten sich das Posten lieber verkneifen, zu schnell sieht man sich missverstanden und zur Verteidigung „genötigt“.

Auf alle Fälle ist es ein Kunstprojekt, das nicht nur viele Betrachtungsebenen ineinander verflochten hat, sondern den Passanten raffiniert zur Mitgestaltung animiert und dabei noch viele kontroverse Denkanstöße anbietet, sodass man es mehrmals sehen muss … Gott-sei-Dank ist es mit ästhetisierten 330 Sekunden kurzweilig, wenngleich auch die Wirkung eine langfristige sein wird.

Dass es nicht vergessen wird, dafür hat das Künstlerteam auf alle Fälle gesorgt. Denn erstens wird ein Buch mit all den SMS und E-Mails, sowie Essays rund ums Projekt aufgelegt, und zweitens, wieder ganz perfide, wird es uns in 25 Jahren abermals unter die Nase gehalten. Denn 2035 erfolgt ein Relaunch. In ganz Wien, und wer weiß wo sonst noch, quasi als Erinnerung an uns selbst!

Dem KünstlerTEAM niel ist mit dieser interaktiven Installation etwas Spannendes gelungen. Und man kann mitgestalten und es zum Eintrag ins Buch „decision …jede entSCHEIDUNG zeigt, wer man ist!“ schaffen.

Das TEAM niel findest du ab 30. November am Atominstitut der TU Wien.

Die ebenso spannende Frage wird sein, wie das TEAM niel dieses heiße Projekt über gut 6 Monate ohne Explosion führen wird!

SMS: +43 (0680) 311 10 38
E-Mail: contact1@XYniel.com
Forum: http://XYniel.com
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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