Vorsitzcorner
Who watches the Watchmen?

„Die Proteste dauern an“, hieß es vor einigen Wochen in vielen, mittlerweile in immer weniger Schlagzeilen. Aber nicht, weil die Besetzungen in zahlreichen Hörsälen Österreichs – und auch schon weit darüber hinaus- vorbei sind. Nur – wenn nichts Neues passiert, wird’s für die Medien recht schnell recht uninteressant.

Der Sturm aufs Burgtheater hat es mit Mühe noch auf eine zweite Seite geschafft und als Platzfüller in die Nachrichten. Irgendwann gehen aber jedem die Ideen für Neues aus. Und mal ehrlich – wieso soll denn immer etwas Neues her? Dieselben Probleme, die vor Wochen die Proteste ausgelöst haben, sind immer noch da – und immer noch ungelöst.

Ja, es wird viel diskutiert. An den Unis, in den Gewerkschaften und auch im Fernsehen. Die einzigen, die immer noch nicht so richtig mitdiskutieren wollen, sind die Fädenzieher – die, die eigentlich dafür verantwortlich wären, die angesprochenen Probleme zu lösen. Wie die Lösungen aussehen würden, ist noch völlig offen, aber dass Probleme da sind, daran besteht mittlerweile kein Zweifel mehr.

Ob nun freie Uni für alle oder geregelter Zugang, Papierwahl oder e-Voting, Studiengebühren, Beihilfen, Stipendien – gerade weil es so viele Meinungen gibt, muss darüber geredet werden. Und nicht hinter verschlossenen Türen, sondern offen, gemeinsam mit den Betroffenen. Wie kann ein Minister, der seit Jahrzehnten keine Uni mehr von innen gesehen hat, wissen, was für Studierende, Lehrende, Universitäten am besten ist? Nur, indem er den Kontakt zu den Betroffenen sucht, oder etwa nicht.?

Davon ist allerdings keine Spur. Der Plan scheint so auszusehen, Protestierende so lange schreien zu lassen, bis sie keine Stimme mehr haben. Wenn die Proteste aufhören, sind die Probleme auch nicht mehr da. Tja, so einfach ist es dann aber doch nicht.

Und zum Beschwichtigungszuckerl: 34 Millionen Euro sind zwar ein netter Versuch, aber keine dauerhafte Lösung. Überhaupt löst Geld allein garnichts, weil das Problem ganz wo anders liegt – nämlich bei der Gleichgültigkeit der Politik gegenüber dem Volk. Seit Jahren wurden die Entwicklungen an den Unis systematisch ignoriert. Die eigentliche Stimme der Demokratie hat scheinbar nichts mehr zu sagen. Sollten doch eigentlich die Wähler, Basis der Demokratie, über der höchsten Instanz der Regierung wieder die nächsthöhere, die kontrollierende, die regulierende Instanz sein, so bleibt die Frage „Who watches the Watchmen?“ nun offen im Raum.

Wie auch immer die ganze Geschichte nun zu einem Ende findet, gibt mir gerade das am meisten zu denken und es ist etwas worüber man immer wieder nachdenken sollte, auch lange nachdem die Proteste vorbei sind. Ob das bald sein wird ist übrigens alles andere als klar, denn alles in allem sind wir dank der überaus kooperativen Handlungsweise der Politik noch beinahe auf Anfang – bis auf die Tatsache, dass von unserer Seite offene Arbeitsgruppen gegründet, Forderungen erarbeitet, Lösungsvorschläge entworfen und auch sonst viel Arbeit geleistet wurde. Nur von der anderen Seite haben wir noch nichts gehört.

Weil auch Jasmin protestiert, schreibt sie Zeitnah.
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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