Zugangsbeschränkungen. Und alles wird gut?
Was Zugangsbeschränkungen alles nicht können!

Der freie Hochschulzugang war bis jetzt auf der TU Wien fest verankert. Seit Dezember wurden jedoch die Bestrebungen verstärkt, ihn Teil der Geschichte werden zu lassen. Das Rektorat und das Studiendekanat für Architektur betätigen sich als die Totengräber.

Am 14. Dezember 2009 war es so weit. Das Rektorat der TU Wien beantragte beim Bundesministerium das Recht auf Einführung von Zugangsbeschränkungen nach Paragraph 124b Absatz 6 für das Architekturstudium. Davor konnte der Senat noch eine Stellungnahme abgeben, welche rechtlich nicht bindend ist. Diese Entwicklung stellt den Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung dar. Seit mehreren Jahren gab es Versuche von Seiten des Rektorats und des Dekanats für Architektur und Raumplanung, den Zugang zum Architekturstudium zu beschränken. Im Jahr 2007 gab es ein Schreiben von O. Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Adalbert Prechtl, dem Vizerektor für Lehre an den damaligen Studiendekan O. Univ. Prof.Dipl.-Ing. Wolfgang Winter, in dem von einem angeblich unvermeintlichen „Auswahlverfahren vor oder gleich zu Studienbeginn“ des Architekturstudiums gesprochen wurde (vgl. Stellungnahme auf www.fachschaftarchtiektur.at unter Unipolitik zu finden). Im Herbst 2009 wurde wieder mit einer Kampagne für Zugangsregelungen begonnen.

1000 StudienanfängerInnen – ein modernes Märchen

Den Anfang machte Herr Bundesminister Dr. Johannes Hahn, welcher Ende Oktober 2009 in der „Zeit im Bild 2 „ davon sprach, dass es „(…)keinen Sinn macht, wenn zum Bespiel 1000 Studenten, auf der TU, mit dem Architekturstudium beginnen.“. Damit war der Mythos der 1000 StudienanfängerInnen geschaffen. Leider wurde der Herr Bundesminister falsch beraten, denn laut Daten der Studien- und Prüfungsabteilung haben bis zum Ende der Nachfrist keine 1000 sondern nur 867 StudentInnen begonnen. Dies zeigt jedoch den Willen der Verantwortlichen mit falschen Zahlen die Öffentlichkeit zu täuschen. Während es bei den Versuchen in den letzten Jahren jedoch nicht möglich war, auf Grund von fehlenden rechtlichen Voraussetzungen, Zugangsbeschränkungen einzuführen, ist es dieses Mal anders, denn die Novellierung des Universitätsgesetzes 2002 im Sommer 2009 brachte den §124b Abs.6. Dieser Paragraph ermöglicht es nun dem Rektorat Zugangsbeschränkungen zu beantragen und einzuführen.

Was ist so schlimm an Zugangsbeschränkungen?

Betrachten wir die ins Treffen geführten Argumente für Zugangsbeschränkungen:

a.) Es gibt zu viele ArchitektInnen und/oder Architekturstudierende!

Bei dieser Argumentationslinie wirft sich die Frage auf, wer definieren kann und darf, wie viele ArchitektInnen und/oder Architekturstudierende die TU Wien oder Österreich benötigt. Die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten? Die Wirtschaftskammer? Der Rektor der TU Wien? Der/die BundesministerIn? Oder gibt es einen Volksentscheid? Bis jetzt gab es keine befriedigende Antwort auf diese Frage.

StudienanfängerInnen treffen ihre Studienwahl aufgrund von verschiedensten Entscheidungsgrundlagen. Die Verbesserung dieser Entscheidungsgrundlagen sollte jedoch fair und nachhaltig erfolgen, nicht durch Angstmache und Fehlinformation.

Ein interessantes Detail am Rande sind die Berufsaussichten von AbsolventInnen. Im „Karriere-Index: Wirtschaft“, welcher die Berufschancen von verschiedenen Studienrichtungen betrachtet, vom 2. Quartal 2009 (Quelle: www.wegweiser.ac.at/studium/karriere/) werden AbsolventInnen der Architektur an achter Stelle geführt. Noch vor AbsolventInnen der Technischen Chemie, der Elektrotechnik, der Technischen Mathematik und der Technischen Physik. Es wirft sich die Frage auf, ob das Gefühl der „zu vielen“ StudentInnen ein objektiv begründbares Argument ist. Eher entspringt dieses Gefühl einer Fehleinschätzung und einem Unverständnis für die Bandbreite der Architekturausbildung. Nicht jedeR AbsolventIn wird ArchitektIn! ArchitektInnen sind in vielen Bereichen zu finden (z.B. Werbung, Industrial Design, Stadtentwicklung, usw.). Unwissenheit ist bei der Entscheidung über Zugangsbeschränkungen ein schlechter Ratgeber.

b.) Aufnahmeprüfungen ermöglichen es den Besten das Studium zu beginnen!

Es gibt bereits Bildungseinrichtungen in Österreich, welche eine Zugangsbeschränkung zum Architekturstudium besitzen. BewerberInnen müssen immer eine Mappe abgeben, und werden dann zu einem praktischen Teil eingeladen. Den Abschluss bildet meist ein persönliches Gespräch mit einer Kommission. Dieser Prüfungsmodus lässt sich jedoch nicht auf die TU Wien übertragen.

Also werden Konzepte für psychologische Aufnahmeprüfungen aufgestellt. Die Treffsicherheit solcher Test kann jedoch bezweifelt werden. Es gibt kein Konzept, wie mit den unterschiedlichen Voraussetzungen der StudienanfängerInnen umgegangen werden kann. Zum einen handelt es sich dabei um HTL-AbsolventInnen, zum anderen um AbsolventInnen anderer höher bildender Schulen (teilweise mit Darstellender Geometrie), weiters kommen noch BewerberInnen dazu, welche bereits Berufserfahrung besitzen. Diese doch gravierenden Ausbildungsunterschiede stehen der Treffsicherheit im Weg. Die Abhaltung von unterschiedlichen Tests, je nach abgeschlossener Schulbildung oder Vorbildung, kann nur zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen. Natürlich gibt es die Möglichkeit große Toleranzen in diesen Test einzubauen. Aber diese Toleranzen führen sicher nicht zu der von den Verantwortungsträgern geforderten Auswahl der „richtigen“ StudentInnen.

Ein Aufnahmetest auf der TU ergibt sich somit der Sinnlosigkeit.

c.) Die Studienbedingungen werden dadurch besser!

Die Studienbedingungen sind im Moment nicht optimal. Das Betreuungsverhältnis liegt mit 1:29, im internationalen Vergleich, im letzten Drittel (bezogen auf alle an der Lehre beteiligten Personen). Andere Universitäten „glänzen“ mit Verhältnissen von 1:15 (TH-Aachen), 1:8 (TU Cottbus) und 1:7 (ETH Zürich). Bei diesen Vergleichen muss jedoch immer bedacht werden, dass das Budget dieser Universitäten ein Vielfaches der TU beträgt. Der ETHZ steht, bei knapp 8.000 Studierenden weniger, die vierfache Summe zur Verfügung (ca. 800 Millionen Euro). Die Reduktion um einige hundert Architekturstudierende wird daher der TU keine Verbesserungen erlauben. Die Fakultät für Architektur und Raumplanung leistet sich zur Verbesserung des Betreuungsverhältnisses eine große Anzahl an externen Lehrbeauftragungen. Geht es nach den Wünschen des Studiendekanats soll diese Zahl jedoch bei Einführung von Zugangsbeschränkungen reduziert werden. Daraus entsteht ein Dilemma. Weniger Studierende kombiniert mit weniger Lehrbeauftragen ergibt selten ein besseres Betreuungsverhältnis.

Ein weiterer Grund für die Studienverhältnisse in der Architektur liegt in dem begrenzten Raum der Fakultät. Es gibt zu wenige Arbeitsplätze, Modellbauplätze, EDV-Plätze und Betreuungsräume. Das TU Univercity 2015 Projekt sollte diesem Missstand Abhilfe schaffen. Das Hauptgebäude sollte saniert und neue Flächen sollten erschlossen werden. Für diesen Umbau fehlen 90 Millionen Euro.

In einem Schreiben an den Universitätsrat stellt Herr Hon.Prof.Dipl.-Ing.Dr.Gerhard Schimak die Konsequenzen des ausbleibenden Umbaues fest: “Das Kapazitätsproblem im Bereich der Lehre der Architektur (…) kann weiterhin nicht entschärft werden. Die durch eine effizientere Raumaufteilung im Hauptgebäude mögliche Ausweitung der Flächen für Forschung und Lehre um rund 4.000 m² („stille“ Raumreserve) kann nicht erschlossen werden“.

Für beide Problemfelder, das Betreuungsverhältnis und das Platzverhältnis, wurden die Verantwortlichen gesucht und gefunden. Die StudienanfängerInnen sind schuld! Das Rektorat entzieht sich, mit dem Bestreben der Einführung von Zugangsbeschränkungen, der Verantwortung vom Ministerium im Rahmen der Leistungsvereinbarung, eine drastische Erhöhung der finanziellen Mittel der TU einzufordern. Bis jetzt war das Argument für eine Erhöhung des Budgets immer die steigende Anzahl an StudienanfängerInnen. Das Wegfallen dieses Arguments wird im Ministerium auch nicht den Willen steigern mehr Geld der TU zur Verfügung zu stellen.

Verschiebungseffekte und andere Konsequenzen

Dies sind nur einige der oft genannten Begründungen für die Einführung von Beschränkungen. Es gibt aber auch weitere negative Auswirkungen von Zugangsbeschränkungen. Es werden Verschiebungseffekte auftreten. Durch das nicht bestehen der Aufnahmeprüfung wird das Interesse an Architektur nicht erlahmen. Die Anzahl der StudienanfängerInnen in den Bereichen Raumplanung und Bauingenieurwesen wird steigen. Aber da gibt es ja eine Patentlösung: Zugangsbeschränkungen! Es ist daher im Bereich des Möglichen das eine Einführung von Zugangsbeschränkungen in der Architektur in anderen Studienrichtungen zu Beschränkungen führen kann. Zugangsbeschränkungen überdecken nur die chronische Unterfinanzierung des österreichischen Bildungssystems. Anstatt vom Ministerium mehr Mittel zu fordern, hat sich das Rektorat für die Lösung entschieden an den Studierenden zu sparen. Was sind jedoch die Alternativen dazu?

Bessere Beratung und mehr Raum!

In der Gegenargumentation wurden bereits einige Lösungsansätze angeschnitten. Ein erster Schritt wäre die Sanierung und Erweiterung des Hauptgebäudes und der damit verbundene Raumgewinn. Es könnte endlich eine ausreichend große Modellbauwerkstatt eingerichtet werden, mehrere StudentInnen müssten sich nicht einen Arbeitsplatz teilen und EDV-Arbeitsplätze wären kein Glücksspiel.

Der nächste Schritt müsste das Erstellen eines Informationskonzeptes der Fakultät sein. Interessierte Personen sollten Zugang zu objektiven Informationen über das Architekturstudium haben. Gerade bei StudienanfängerInnen gibt es große Defizite diesbezüglich. Anstatt erst bei der Inskription Menschen zu beraten, müssten bereits MaturantInnen oder SchülerInnen der Oberstufen erreicht werden. Es gäbe noch einige andere Möglichkeiten zu Verbesserung der Situation. Das Einstellen von mehr Lehrpersonal oder das erproben neuer Lehrmethoden könnten Ansätze sein. Leider wird dies im Moment nicht von den Entscheidungsträgern angedacht.

Informationen findest Du auf der Homepage der fachschaft::architekTUr. Hast Du noch Argumente für oder gegen Zugangsbeschränkungen? Dann schick sie uns einfach!

Max studiert selbst Architektur und ist auf der fachschaft::architekTUr tätig.
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:04 - Main.UnknownUser
 

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