Es ist nicht alles Gold, das glänzt!
Walter Lüftl und das „Goldene Diplom“

Dass die Entscheidungsstrukturen der TU Wien manchmal etwas intransparent sind, sind wir gewohnt. Wenn jedoch ein Aufschrei durch die Medienlandschaft von Österreich geht, Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek einen Artikel schreibt und die TU Wien auf der Startseite des DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes) einen eigenen Eintrag bekommt, dann ist wohl etwas ordentlich schief gegangen. Die Verleihung des „Goldenen Diploms“ an Herrn Dipl.-Ing. Baurat h.c. Walter Lüftl am 11. Dezember 2009 an der TU Wien durch den Rektor ist ein Skandal.

Herr Walter Lüftl machte bereits 1991 auf sich aufmerksam, als Teile seines Gutachtens „Holocaust. Glaube und Fakten“ in der neonazistischen Zeitschrift „HALT“ veröffentlicht wurden. In diesem Gutachten bezweifelt Lüftl die „technische Möglichkeit der Menschentötung in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau“, desweiteren versuchte er „einige Nationalratsabgeordnete davon zu überzeugen, dass begründete Zweifel und unlösbare Widersprüche hinsichtlich der Massentötung mittels Giftgas bestünden“.

Als die Zeitschrift Wirtschaftswoche in einem Artikel diese Tätigkeiten Lüftls zu Sprache brachte, wurde auf Grund einer Anzeige Voruntersuchungen wegen des Verdachts der Nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen diesen eingeleitet, zuvor schon musste er als Präsident der Bundesingenieurskammer zurücktreten.

Die Zeitschrift Wirtschaftswoche brachte diese Machenschaften durch die Veröffentlichung eines Artikels im Frühjahr 1992 ans Tageslicht. Es wurden Voruntersuchungen gegen Lüftl auf Grund des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung eingeleitet, außerdem er musste als Präsident der Bundesingenieurkammer (dem Vorläufer der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten) zurücktreten.

Selbst eine kurze Recherche im Internet zeigt schnell mit welcher Person man es hier zu tun hat. Seine Schriften werden gerne von Neonazis zitiert und finden in einschlägigen Kreisen große Zustimmung. Auf Grund dieser Tatsachen ist es umso mehr verwunderlich, dass die TU Wien dieser Person eine Ehrung in Form eines „Goldenen Diploms“ zu kommen lässt.

Das „Goldene Diplom“ stellt eine Ehrung dar, welche für besondere wissentschaftliche Verdienste, eine enge Verbundenheit mit der TU Wien, oder aufgrund des beruflichen Wirkens in Verbindung mit dem 50. Jahrestag der Sponsion verliehen werden kann.

Im §2 des Satzungsteil „Ehrungen“ der TU Wien findet sich folgender Absatz:“ Anträge sind an die Rektorin/den Rektor zu richten und haben eine stichhaltige Begründung für die Ehrung, einen Lebenslauf der zu ehrenden Person sowie gegebenenfalls deren Schriftenverzeichnis zu enthalten. Hat die zu ehrende Person ein fachliches Naheverhältnis zu einer Fakultät, so ist dem Antrag eine Stellungnahme des zuständigen Fakultätsrates anzuschließen.“

Was hat den Rektor wohl zur Verleihung der Ehrung verleitet? Die stichhaltige Begründung, der Lebenslauf, das Schriftenverzeichnis oder sogar die nie erfolgte Stellungnahme des Fakultätsrates? Selbst bei einer kurzen Recherche im Internet findet man schnell die Biographie und revisionistische Aussagen von Walter Lüftl. Zusätzlich ist das Vorgehen des Rektors im Kontext der von den Dekanen für Bauingenieurwesen vorgebrachten Bedenken bezüglich des Lebenslaufes von Herrn Lüftl hinterfragenswert.

Bei der Ehrung selbst waren im Festsaal der TU Wien übrigens namhafte Persönlichkeiten des rechten politischen Spektrums anwesend, genannt sei hier an erster Stelle John Gudenus. Eine Farce stellte der Umgang der Universität mit diesem gravierenden Fehler dar. Anstatt das „Goldene Diplom“ unverzüglichst abzuerkennen und sich dafür zu entschuldigen, wurde am Anfang nur beschwichtigt. Aussagen wie „…das „Goldene Diplom“ ist keine Ehrung, sondern lediglich eine Erneuerung des Ingenieurtitels.“ wechselten einander ab mit hilflosen Rettungsversuchen des Bildes der TU Wien in der Öffentlichkeit. Erst nach Nachfragen und dem beginnenden Sturm der Entrüstung wurde eine Kommission eingerichtet, welche „…die Angelegenheit prüfen und Maßnahmen für die zukünftige Vorgangsweise vorschlagen soll.“. Die Vorschläge der Kommission sollen bis Anfang 2010 vorliegen. Warum ist es nicht möglich schneller zu handeln?

Das Verhalten des Rektorats, Entscheidungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu treffen, stellt in der jüngeren Geschichte der TU Wien keine Seltenheit dar (vgl. Zugangsbeschränkungen in der Architektur). Der unbefriedigende Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der TU Wien bildet hier leider keine Ausnahme.

Quelle/Links:

  • http://www.doew.at Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
  • http://derstandard.at/1259282174007/TU-ehrte-Holocaust-Leugner Der Artikel im derStandart.at
  • http://a-e-m-gmbh.com/wessely/fpapache.htm Der Text von Elfriede Jelinek
  • http://www.htu.at/user/downloads/Lueftl_Brief.pdf Die Stellungnahme der Fachschaft Bauingenieurwesen
  • http://www.fachschaftarchitektur.at Die Stellungnahme der fachschaft::architekTUr
  • http://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/6186/ Die Stellungnahme des Rektors

Thomas studiert Bauingenieurwesen und ist auch im .BIZ aktiv. Max Urs denkt nach wen er ehrt.
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:04 - Main.UnknownUser
 

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