Die Wiener Tafel

Diese Ausgabe von kunst-kultur-kulinarisch widme ich der Wiener Tafel, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine verdrängte Grundverantwortung der Gesellschaft wieder ins Bewusstsein der Menschen zu holen.

Die Wiener Tafel ist ein Verein, der von Industrie und Handel in und um Wien unverkaufbar gewordene Waren abholt und an Sozialeinrichtungen unentgeltlich verteilt. Nicht mehr verkaufbar ist ein Artikel schon dann, wenn er falsch etikettiert, leicht beschädigt oder in Überschuss produziert wurde. Für Konzerne ist die Arbeit der Wiener Tafel (im weiteren WT) eine Double-Win-Situation, denn es macht sich nicht nur gut, bedürftige Menschen zu unterstützen, sie ersparen sich noch dazu Entsorgungskosten, die manchmal sogar mehr ausmachen als die Produktionskosten, so zum Beispiel bei einem Joghurtbecher – Stichwort Mülltrennung. Es werden aber nicht nur Lebensmittel verteilt, auch Hygieneartikel und anderes, das in großen Mengen für Firmen unwirtschaftlich geworden ist. Bloß Suchtmittel, wie zum Beispiel Alkohol und Lebensmittel über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind gegen die Grundsätze des Vereins und werden nicht angenommen.

Der Verein, der 1999 gegründet wurde hat seine Vorbilder in Deutschland gefunden, wo Tafeln zu hunderten vorkommen und heute ganz normal im Alltagsbild sind – auch in kleinen Gemeinden. Die WT hat sich über die Jahre erst Vertrauen und Erfolg hart verdienen müssen und kämpft weiterhin für ein unentgeltliches Umverteilen. Deshalb sind Sozialmärkte keine Alternative und auch die Aktion vom Roten Kreuz mit Ö3 wurde von der WT kritisiert, weil Lebensmittel wahllos verteilt werden und nicht gezielt an soziale Einrichtungen, die insgesamt an der Verbesserung der Lebensqualität von Armutsbetroffenen arbeiten.

Wie funktioniert die Wiener Tafel?

Der Großteil der Arbeit wird von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erledigt. Sie fahren montags bis samstags mit drei Lieferwägen durch Wien und Umgebung, holen Waren ab und verteilen sie in einer Tour an vorher festgelegte Ziele – mittlerweile sind es 75 soziale Einrichtungen, die regelmäßig versorgt werden. Andere kümmern sich um die Planung und Vorbereitung von Events, direkte Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Infostände,…), EDV-Betreuung oder arbeiten im Vorstand. Finanziert wird die WT größtenteils über Sponsorengelder, die kleinsten Zuschüsse kommen aus Förderungen. Spenden- und Preisgelder (Spin the Globe Award, Dr. Karl Renner Preis, …) sind weitere Einkünfte, mit denen schließlich Fahrzeuge, Betriebskosten und Angestellte finanziert werden.

Wie kann ich mithelfen?

Spenden sind immer willkommen. Das heißt aber nicht automatisch, dass damit nur Geldspenden gemeint sind. Es sind neben dem Sponsoring Waren- und besonders Zeit- und Wortspenden, die man geben kann. Als Privatperson sind kleine Warenspenden allerdings nicht logistisch bewältigbar und mit dem zurecht strengen Lebensmittelgesetz rechtlich nicht gedeckt. Aber gerade Studierende können (eben in den Ferien, wenn nicht vollzeitarbeitend) mit Zeit- und Wortspenden bedürftigen Menschen helfen, in dem sie bei Liefertouren mitfahren, in Arbeitsgruppen mitarbeiten oder zumindest über die WT sprechen und damit die Idee verbreiten.

Es gibt regelmäßig Info-Abende, bei denen Interessierte näheres über das ehrenamtliche Arbeiten bei der WT erfahren können. Die aktuellen Termine findet ihr unter www.wienertafel.at.

Um der Rubrik kunst-kultur-kulinarisch gerecht zu werden, sollte gesagt werden, dass es sich bei dem Thema um ein soziokulturelles handelt, das darüber berichtet, wie armutsbetroffene Menschen mit hochwertigen Produkten für kulinarischen Genuss versorgt werden und es durchaus als Kunst gelten darf, wenn Laien so etwas groß(artig)es aufbauen und am Leben erhalten.

Florian möchte in den Ferien wieder mit dem Lieferwagen durch Wien flitzen.
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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