Vorsitzcorner
Halbzeit

Vor etwa einem Jahr war die HochschülerInnenschaftswahl vorbei und die Universitätsvertretung der HTU hat sich konstituiert. Das heißt, sie hatte ihre erste Sitzung und der Vorsitz, bestehend aus drei Personen, wurde gewählt. Vor einem Jahr konnten wir uns nicht vorstellen, was genau auf uns zukommen wird, wo noch dazu die Motivationen in den Vorsitz zu gehen sehr unterschiedlich waren. Das einzige, was uns von Anfang an klar war, ist der enorme Zeitaufwand (mehr als 40 Stunden pro Woche), den die ehrenamtliche Vorsitzarbeit mit sich bringt. Wir alle waren uns der Herausforderung, die mit dieser Position verbunden ist, aber stets bewusst.

In genau einem Jahr wird die nächste Generation, vermutlich mit der selben Ungewissheit, in ihre erste Sitzung hineingehen. In einem Jahr werden wir als „alter“ Vorsitz versuchen, all unser Wissen und unsere Erfahrungen weiterzugeben. Mit anderen Worten: ES IST HALBZEIT! Für uns bedeutet das einerseits eine Erleichterung, aber andererseits auch neue Motivation für die zweite Halbzeit unserer Funktionsperiode. Wir finden es besonders wichtig, dass wir uns in dieser Ausgabe etwas mehr Platz nehmen, um darüber zu berichten, was eigentlich das letzte Jahr passiert ist.

Es waren einmal „Sommerferien“ …

Man könnte meinen, dass während der vorlesungsfreien Zeit im Sommer weniger los sei. Nicht für uns als Vorsitz. Wir nutzten die Zeit um Renovierungsarbeiten durchzuführen, denn seit Längerem war beispielsweise in den Referatsräumen und im HTU Großraum nicht mehr ausgemalt worden. Auch die Büromöbel hatten schon bessere Zeiten gesehen. Deswegen traten wir in Verhandlungen mit der Abteilung für Gebäude und Technik (TU GUT). Es wurde gründlich gereinigt und ausgemalt und die auseinanderfallenden Kästen, Schreibtische und Schreibtischsessel wurden teilweise ersetzt. Die Kosten dafür blieben bei der TU Wien, wofür wir sehr dankbar sind. Übrigens werden wir auch die kommende vorlesungsfreie Zeit dafür nutzen um weitere Renovierungsarbeiten und Raumoptimierungen innerhalb der HTU-Räumlichkeiten durchzuführen.

Wir haben aber natürlich nicht nur renoviert, auch die Inskriptionsberatungen waren ein wichtiger Aspekt im vergangenen Sommer. Eine Woche im Juli und dreieinhalb Wochen im September berieten alle Fachschaften, das Sozialreferat und das Referat für ausländische Studierende inskriptionsmotivierte Menschen. Fragen, die das Studium selbst betreffen, den bürokratischen Weg dorthin, aber auch allgemeine Fragen zu Studien- und Familienbeihilfe werden bei der Inskriptionsberatung auf höchstem Niveau, objektiv und (meist) zur Zufriedenheit der Fragenden beantwortet. Im Februar fand auch eine Woche lang Inskriptionsberatung für die SchiefeinsteigerInnen statt. Für uns ist objektive Beratung vor dem Studium grundlegend für eine gute Studienwahl. Deswegen wollen wir in Zukunft die Beratung ausbauen und gemeinsam mit der TU Wien eine zentrale Beratungsstelle einrichten.

Neben den laufenden Tätigkeiten hatten wir auch unser „Übergabeseminar“. Die früheren und jetzigen Vorsitzenden sowie das Wirtschaftsreferat fuhren auf Klausur nach Kärnten. Weitergabe von Aufgaben und Informationen, Teambuilding und viele Ausblicke über Tätigkeiten, die auf uns zukommen würden, beschäftigten uns sehr intensiv. Besonders das Teambuilding hat dazu beigetragen, dass wir uns bei der vielen Zeit, die wir zusammen verbringen, nicht zerstreiten, sondern koordiniert zusammenarbeiten können.

Alles in Allem waren wir froh, dass im Sommer nicht Normalbetrieb herrscht. So hatten wir die Gelegenheit, uns gründlich einzuarbeiten.

… und es wurde protestiert …

Kaum hatte das Wintersemester begonnen, zeigten sich die Auswirkungen der Novellierung des Universitätsgesetzes deutlich. Die allgemeine Unzufriedenheit mit dem UG 2002 und wie es gelebt wird, äußerte sich in Hörsaalbesetzungen und Protesten auf der Straße. Die Abschaffung der Persönlichkeitsbildung durch verschulte Studienpläne, der langsame Untergang von demokratischen Strukturen in der Universitätspolitik und die Ausbildung des Scheuklappendenkes waren neben dem fehlenden Geld nur einige der Gründe für die Proteste. Im Oktober fanden sich Leute aus einigen Fachschaften und interessierte Studierende zusammen, um darüber zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten. Eine Versammlung wurde ausgerufen und schon war der Freihaus Hörsaal 1 besetzt. Die HTU entschied sich, die Proteste zu unterstützen, indem wir aus dem Vorsitz und Leute aus den Fachschaften und Referaten an den Diskussionen teilnahmen und Lösungsvorschläge einbrachten. Gleichzeitig waren wir auch eine Schnittstelle zum Rektorat, zur TU GUT und zu den Vortragenden, die ihre Vorlesungen verlegen mussten. Finanziell wurden die Proteste natürlich auch unterstützt. Das hielt sich aber für die HochschülerInnenschaft an der TU Wien in Grenzen, da wir oft nur Verbrauchsmaterialien, ein paar Kopierkarten und Ähnliches zur Verfügung stellten.

Traurig war der Ausgang der Proteste. Eine „Notfallreserve“ wurde ausgeschüttet und sollte für die Lehre verwendet werden, womit es das Ministerium geschafft hat, den Protest auszusitzen. Inzwischen ist auch schon bekannt, dass das Budget der Universitäten weiter gekürzt werden soll. Die Rektorate wurden „motiviert“, jetzt schon Rücklagen für diese Zeiten zu bilden. Freie Bildung, also der nicht sozialselektive Zugang zum Studium und zur Persönlichkeitsbildung, wird wegen dieser Sparmaßnahmen wohl für längere Zeit eine Utopie bleiben. Schade, dass die österreichische Politik auf Grund von solch gravierenden Fehlentscheidungen nicht nur unvertretbare Studienbedingungen schafft, sondern auch den international hervorragenden Ruf unserer Universitäten verspielt.

… eine Förderung für Studierende mit Kindern wurde eingerichtet …

Im Wintersemester erarbeitete die HTU Richtlinien für eine von der HTU finanzierte Förderung von Studierenden mit Kindern. Wir erhoffen uns dadurch jungen Eltern, die studieren wollen, zumindest finanziell ein bisschen unter die Arme greifen zu können.

Leider gab es während des Sommersemesters 2010 sehr wenig Feedback, ob diese Richtlinien realistisch und vor allem erfüllbar sind. Hier sind wir noch auf mehr Input und Feedback angewiesen. Die Richtlinien findet ihr unter http://www.htu.at im Downloadbereich.

… goldene Diplome wurden verliehen …

Ein großes Thema für uns war die Verleihung des Goldenen Diploms an den Holocaust-Leugner Walter Lüftl. Nachdem wir uns kritisch mit der Verleihung auseinandergesetzt haben und gemeinsam mit TU-Angehörigen eine Lösung gefunden hatten, berichteten wir auch schon in den letzten Ausgaben darüber, welche unter http://www.htu.at/presse zu finden sind.

Als Abschluss der Verleihung – und viel wichtiger des Widerrufs – soll angemerkt sein, dass die mitwirkenden Personen unserer Meinung nach auf keinen Fall böse Absichten hatten und auch kein politisches Statement mit dieser Verleihung setzen wollten.

… neue Studienpläne stehen an …

Die Erstellung eines Rahmenstudienplans oder – anders genannt, eines Mustercurriculums – ist schon seit über einem Jahr der Grund für eine Arbeitsgruppe des TU-Senats. Der Vorsitz der HTU, das Referat für Bildung und Politik und einige Leute aus den Fachschaften arbeiten bei dieser Arbeitsgruppe seit Beginn an mit und wollen ein Mustercurriculum erstellen, das nicht nur die Arbeit in den Studienkommissionen erleichtert, sondern auch die Qualität der Studienpläne und somit auch die Lehre verbessert.

Die Grundidee war, dass ein Mustercurriculum erstellt wird und die bestehenden Studienpläne an dieses angepasst werden. Vorteil dabei ist die leichtere Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Studienrichtungen, da alle Studienpläne dann gleich gegliedert wären. Derzeit sind die einzelnen Studienpläne nämlich schwer vergleichbar, was auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Studienkommissionen und dem Rektorat erschwert. Weitere Vorteile sind das Einbauen von Qualitätsmanagement und das Ausarbeiten von Richtlinien, wie ein Studienplan zu erstellen und zu ändern ist.

Noch während der Diskussionsphase in dieser Arbeitsgruppe kam die Idee auf, die Studienpläne auf einem Modulsystem aufzubauen. Module stellen Gruppierungen von inhaltlich zusammenhängenden Lehrveranstaltungen dar. Ein Problem dabei wären etwaige Modulgesamtprüfungen, die im Falle derer Voraussetzung für ein weiteres Modul unweigerlich zu Studienzeitverzögerungen führen würden. Aus diesem Grund setzen wir uns sehr für die Verhinderung dieser Studienzeitverzögerungen ein.

In einem Mustercurriculum soll aber nicht nur die Modulstruktur festgelegt sein. Auch Richtlinien, der Aufbau eines Studienplans, die Gestaltung der Studieneingangs- und Orientierungsphase und Textbausteine für weitere Paragraphen werden festgeschrieben. Wir sehen es als unsere Aufgaben, einerseits die erwähnten Nachteile und Studienzeitverzögerungen durch Knock-Out-Prüfungen am Anfang und während des Studiums zu verhindern und andererseits die Qualität in der Lehre zu verbessern.

… wir organisierten die Woche der freien Bildung …

Im letzten Monat organisierten wir die Woche der freien Bildung. Wir wollten einerseits aufzeigen, was Studierende, Lehrende und Forschende den ganzen Tag so tun und andererseits darauf hinweisen, dass freie Bildung ein Grundbaustein unserer Gesellschaft ist.

Leider hat uns das Wetter das Leben nicht leichter gemacht. Wir mussten spontan noch ein großes Zelt bestellen, damit wir zumindest ein Dach über dem Kopf haben, was uns aber leider auch zusätzliche, unerwartete Kosten beschert hat. Was den sonstigen Ablauf und die Pressearbeit angeht, findet ihr noch einen genauen Bericht in dieser Ausgabe des htu_info auf Seite 11.

… Lernräume wurden und werden geschaffen …

Die Lernraumbeschaffung ist prinzipiell keine leichte Aufgabe, denn Räume kann man nun mal nicht so einfach herzaubern. Allerdings kann man bestehende Räume oftmals mit einfachen Mitteln optimieren. Der Abteilung für Gebäude und Technik, der Bibliotheksleitung, sowie der Mensa und dem Rektorat gebührt unser Dank für die Einrichtung weiterer Lernflächen.

Eine ältere Idee, die nun umgesetzt wurde, war die Mensa im Freihaus nach ihrem Betrieb als Lernraum zu öffnen. Nun kann man nach 16 Uhr auch im Speisesaal lernen.

In der Bibliothek gibt es sehr begehrte Lernplätze, weil man dort auch die Ruhe hat und effektiv alleine lernen kann. Unser nächster Schritt wäre es, eine weitere Fläche als „ruhigen“ Lernraum zu schaffen und die Bibliothek damit etwas zu entlasten.

Die Fakultät für Architektur und Raumplanung hat besonders viel Bedarf an Zeichensaalplätzen. Die Fachschaft Architektur fand gemeinsam mit Studiendekan Kühn und mit Unterstützung vom Vorsitz der HTU eine Möglichkeit, Zeichensaalplätze zu schaffen. Die HTU Wien hat einen Raum von ca. 800m2 „gemietet“. Zum Glück war der Vermieter so gütig und erlässt uns bis Ende Juni die Miete. Die Betriebskosten werden von der Fakultät für Architektur und Raumplanung getragen. Die HTU stellte die Zeichensaalplätze in der Pfeiffergasse für Architekturstudierende zur Verfügung.

Ständig sind wir bemüht, mit Ideen und vielen Gesprächen die TU Wien bei der Raumoptimieren zur Seite zu stehen und so die notwendigen Lernmöglichkeiten zu schaffen.

… wer viel arbeitet, muss sich auch mal Freizeit gönnen …

Was die Freizeitgestaltung auf der Universität angeht, spielen die Fachschaften eine große Rolle. Ob Filmabende, Diskussionsrunden, gemütliches Zusammensitzen in Aufenthaltsräumen oder die berühmten Festln, all das trägt viel zur Vernetzung mit Kolleginnen und Kollegen bei. Die Rolle, die wir vom Vorsitz dabei annehmen, ist nicht organisatorischer Natur. Viel mehr versuchen wir zu koordinieren und kommunizieren viel mit dem Rektorat, der GUT und den Fachschaften, so dass alle Veranstaltungen, die von den Interessensvertretungen organisiert werden, gut ablaufen, Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden und alle ihren Spaß haben können.

Leider haben wir dabei nicht immer leichtes Spiel. Magistratsauflagen und Auflagen seitens der TU Wien gefährden oft die Existenz der Aktivitäten außerhalb des Studiums. Wir erachten aber gerade diese für besonders wichtig. Nur so können Studierende ihr Wissen im Rahmen von Diskussionsrunden vertiefen und sich bei einem gemütlichen Festl entspannen. Wir sehen die Universität nicht nur als einen Ort, an dem man Vorlesungen besucht oder an Übungen teilnimmt. Sie ist auch ein Lebensraum, der zur Entfaltung von freien Menschen beiträgt.

… viele Schulungen machen die HTU Wien zu dem, was sie ist …

Wissensweitergabe und Austausch ist einer der Grundbausteine der Arbeit von Fachschaften, Referaten und natürlich auch von uns im Vorsitz. Jede Studienvertretung hat eigene Seminare, an denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult werden. All das, was man während des Studiums so braucht, wird vermittelt, damit die Arbeit auf höchstem Niveau ablaufen kann. Auch sind wir stets bemüht, Wissen weiterzugeben und transparent zu arbeiten.

Im letzten Jahr organisierte das Wirtschaftsreferat gemeinsam mit dem Vorsitz eine Finanzschulung. Das ist zwar nicht besonders aufregend, aber für interne Abläufe sehr wichtig. Sowohl Studienvertretungen, als auch die Universitätsvertretung arbeiten mit öffentlichem Geld. Somit müssen alle Kosten der HTU Wien auch bestimmten Richtlinien, die gesetzlich festgeschrieben sind, genügen. Das ist zwar nicht immer einfach, jedoch sehr wichtig, damit wir mit dem Geld der Studierenden vernünftig umgehen.

Auch eine Schulung betreffend des Mustercurriculums (siehe oben) fand im letzten Jahr statt. Das war besonders für die Vertreterinnen und Vertreter der Studierenden in den Studienkommissionen wichtig. Nur so ist es möglich, auch in den einzelnen Gremien der TU Wien sachlich zu arbeiten und zu argumentieren, um die Interessen der Studierenden zu vertreten.

Der Vorsitz der HTU Wien organisierte auch ein Seminar, das allerdings weniger zur Schulung sondern zur Vernetzung von Fachschaften und Referaten diente. Nur so können Synergieeffekte genutzt und die Arbeit in der Interessenvertretung optimiert werden. Einen Bericht darüber findet man in der vorigen Ausgabe des htu_info (03/2010) auf http://www.htu.at/presse/Ausgabe201003.

… und motiviert geht es weiter …

Neben all dem, was wir nun schon aufgezählt haben, müssen auch viele andere Themen tagtäglich bearbeitet werden. Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen verfassen, Presseaussendungen verschicken, Gremienarbeit leisten (Senat, Universitätsrat und Studiendekanssitzungen), interne Arbeitsgruppen einrichten und an TU-Arbeitsgruppen teilnehmen sowie individuelle Probleme von Studierenden lösen sind nur einige unserer täglichen Aufgaben und Termine. Doch auch zur Halbzeit haben Peter, Ulf und ich, Bianka, unsere Motivation nicht verloren. Die Aufgaben als Koordinations- und Schnittstelle sowie das politische Engagement haben uns im vergangenen Jahr sehr viel Spaß gemacht.

Nach der Halbzeit folgt bekanntlich die zweite Hälfte und wir freuen uns darauf die vielen Herausforderungen die noch vor uns liegen in Angriff zu nehmen.

Unser fleißiger HTU Vorsitz …
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

Herausgeberin:
Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Technische Universität Wien
(Vorsitzender: Lukas BÜRSTMAYR)
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