Die Vortragsröhre
LectureTube an der TU Wien

Im Zuge der Studierendenproteste im vergangenen Winter wurden zahlreiche Vorschläge diskutiert, um die prekäre Situation in der Lehre zu entspannen. Eine Idee war, dass Vorlesungen aufgezeichnet und als Video verfügbar gemacht werden sollen. Mit der Umsetzung des als „LectureTube“ bezeichneten Projekts wurde das Teaching Support Center (vormals E-Learning-Zentrum) (1) der TU Wien beauftragt, welches auch die Lernplattform TUWEL (2) beinhaltet.

Das Pilotprojekt

Bereits im Sommersemester wurden einzelne Lehrveranstaltungen gestreamt, das heißt auf Video aufgezeichnet und in TUWEL für die Studierenden verfügbar gemacht. Beispielsweise wurde die Vorlesung Mechanik 2 von Prof. Schmiedmayer und die VU Objektorientierte Modellierung von Prof. Huemer gestreamt. Dabei wurden die Power-Point-Folien und die Stimme der Vortragenden aufgezeichnet; weiters sind Handskizzen auf den Folien durch ein Grafikpad möglich (siehe Screenshot).

Die Resonanz der Studierenden auf das zusätzliche Angebot war durchwegs positiv, wobei die Videos vor allem bei der Prüfungsvorbereitung als zusätzliche Lernressource genutzt werden. Oftmals sind komplexe Zusammenhänge aus Mitschriften allein nicht mehr nachzuvollziehen, ein nochmaliges Anhören der betreffenden Einheit hilft dem Verständnis ungemein. Ein großer Vorteil ist auch die Suche nach Stichworten (die verwendete Software erkennt die Folien mittels OCR-Texterkennung), womit ein rasches Auffinden der gewünschten Stelle ermöglicht wird. Anfangs geäußerte Befürchtungen über einen Rückgang der BesucherInnenzahlen von Vorlesungen traten nicht ein. Eine berechtigte Sorge der Vortragenden war auch die mögliche „Entblößtheit“ vor einem unbekannten Publikum. Prof. Schmiedmayer entgegnete dieser Befürchtung allerdings mit der Aussage, sein Vortragsstil hätte sich im vergangenen Semester durch die Fremdbeobachtung verbessert wie nie zuvor.

Hinter den Kulissen

Wie funktioniert nun die Aufzeichnung und was passiert im Hintergrund? Prinzipiell muss zwischen der Basiskonfiguration und erweiterten Funktionen unterschieden werden. In der Grundausstattung werden, wie oben erwähnt, die Power-Point-Folien und der Audiostream des Vortragenden aufgezeichnet und zu einem Videofile zusammengefügt. Dies geschieht mit der Opencast/Matterhorn-Software, einem Opensource-Produkt der ETH Zürich. Im erwähnten Programm ist die komplette Administration der Aufnahme bis hin zum Upload ins TUWEL möglich. Zusätzlich zur Basiskonfiguration sind weitere Services möglich, z.B. das Zuschalten einer Dokumentenkamera für zusätzliche Handskizzen am Pult (wird in diesem Moment statt der Folie aufgezeichnet) oder eine Saalkamera, die auch die Vortragenden und die Tafelbilder aufzeichnet. In diesem Fall werden dann zwei Videos produziert, eines mit den Folien und das zweite für den Saal. Der Capture Client ist in allen Fällen zwischen dem Laptop der Vortragenden (Presenter) und dem Beamer geschaltet, womit höchste Zuverlässigkeit gewährleistet ist. Im Gegensatz zu anderen Neueinführungen gab es hier praktisch keine Startprobleme, in allen aufgezeichneten Vorlesungen kam es lediglich ein Mal zum Ausfall des Audiostreams, wofür ein fehlerhaft angeschlossenes Kabel die Ursache war.

Ausblick auf das aktuelle Semester

Während der Testphase fungierte als Capture Client eine mobile Station, die in jedem Hörsaal aufgebaut werden kann. Nachteil war ein erhöhter Aufwand für die Vortragenden und auch eine potentielle Fehlerquelle. Aus den Mitteln der im Zuge der Studierendenproteste freigemachten Notfallreserve werden nun acht Hörsäle mit fixer Einrichtung zum Streamen ausgestattet. Bei der Auswahl dieser Räume wurde darauf geachtet, möglichst viele daran interessierte Fakultäten zu berücksichtigen und besonders große Hörsäle mit gut besuchten Einführungsveranstaltungen zu berücksichtigen. Diese Phase ist bis Ende des aktuellen Semesters abgeschlossen, wobei in einer zweiten Ausbauphase weitere sechs Räume ausgestattet werden. Die Tabelle gibt auch eine Übersicht über die Features der einzelnen Räume. Die Kosten für die Ausstattung halten sich in relativ engen Grenzen, ein Hörsaal steht mit – je nach Ausstattung – 4000 bis 8000 Euro zu Buche. Ein Austausch von zwei oder drei durch Abnützung oder Vandalismus zerstörten Stühlen kommt auf den gleichen Betrag, es ist also ein sehr preiswertes System.

Eine weitere Verbesserung stellt die Bildqualität dar. Mit der mobilen Station sind Bildfolgen von 2-5 Bildern pro Sekunde möglich, mit den fixen Capture Clients sind es 15-20. Die Auflösung wird bei 800x600 Pixel bleiben, was in der Basiskonfiguration zu Dateigrößen von 100 MB pro Stunde mp4-Video führt. Bei Zuschaltung des Saalvideos wird es entsprechend mehr, zumindest bei der Nutzung innerhalb der TU sollte dies aber bandbreitenmäßig kein Problem darstellen. Zum Schutz vor Verschmutzung und Vandalismus wird für die Capture Clients und die sonstige Ausrüstung ein eigenes Möbelstück angeschafft, das am bestehenden Pult angebaut oder auf dieses aufgesetzt wird.

Die Speicherdauer der Vorträge wurde bisher noch nicht diskutiert, derzeit werden sie gespeichert, bis sie eventuell durch ein neueres Video ersetzt werden. Zugänglich sind sie wie erwähnt durch die Anmeldung zum TUWEL-Kurs der betreffenden LVA. Eine Einschränkung der TeilnehmerInnengruppe (z.B. Passwort) obliegt den jeweiligen Vortragenden. Die Einhaltung der Werknutzungsrechte (bei Verwendung von Materialien Dritter) kann somit auch gewahrt werden. Derzeit noch nicht möglich ist ein Download der Videos, dies wird aber ebenfalls noch im Laufe des aktuellen Studienjahres implementiert. Weitere Informationen zu LectureTube finden sich auf der Seite des TSC (3).

Ulf konnte für seine 90 absolvierten LVA leider noch keine Videos nutzen

[1] http://tsc.tuwien.ac.at
[2] https://tuwel.tuwien.ac.at
[3] http://www.zid.tuwien.ac.at/zidline/zl22/lecturetube/
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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