Verschleierte Verbote in ganz Europa

Seit einiger Zeit gibt es in vielen europäischen Ländern Diskussionen zu sogenannten „Burkaverboten“. Die Debatten darüber werden in alle Richtungen höchst emotional geführt, was sich schon an der Bezeichnung „Burkaverbot“ erkennen lässt, denn meist handelt es sich um Vermummungsverbote.

Eigentlich werden echte Burkas hauptsächlich in Afghanistan getragen, nachdem die Taliban dort ein Gesetz einführten, welches das Tragen für Frauen zur Pflicht machte. Es existieren allerdings viele verschiedene Arten von Schleiern und Kopftüchern in islamischen Kulturen. Die Burka lässt sich aber als extremste Form des Ganzkörperschleiers für Diskussionen und als „Symbol der Unterdrückung der Frau“ bestens instrumentalisieren.

In einigen Ländern ist es seit kurzem bereits verboten, eine Burka oder Ähnliches zu tragen. Darunter sind Frankreich, Italien und Spanien, welche das Vermummtsein in der Öffentlichkeit verbieten, sowie in Syrien, wo das Tragen für Lehrerinnen und Studentinnen verboten ist. Belgien wird vermutlich bald ein Verbot einführen, in den Niederlanden und Österreich wird ein solches überlegt. In England wurde ein Gesetzesentwurf für ein Verbot allerdings abgelehnt.

Die Debatten zu diesen „Burkaverboten“, die meist aber ein Verbot der Ganzköperverschleierung im öffentlichen Raum darstellen, werden in viele verschiedene Richtungen geführt. Einerseits kommen solche Forderungen von linker Seite sowie von verschiedenen Feministinnen, interessanterweise aber auch sehr vehement von konservativen und rechten Parteien in ganz Europa. Alle Seiten berufen sich dabei auf die Menschenrechte.

Von feministischer Seite betrachtet soll ein Verbot von Verschleierungen Frauen vom Zwang des Tragens durch religiöse Vorschriften und gesellschaftliche Zwänge befreien und ihnen so eine bessere Chance geben, sich zu emanzipieren und am gesellschaftlichen Leben in einer westlichen Kultur teilzunehmen. Allerdings würde ein Verbot, wie es in einigen Ländern nun durchgesetzt wurde, natürlich allen Menschen in dem jeweiligen Land verbieten, sich irgendwie zu verhüllen.

Auf der rechten Seite sehen die (Schein)Argumente etwas anders aus. In Österreich meinte die FPÖ im Wien-Wahlkampf, „freie Frauen“ vor Kopftüchern schützen zu müssen. Übersetzt soll das etwa das folgende heißen: Hilflose österreichische Frauen müssen vor dem Islam beschützt werden. Damit wird Angst geschürt. Eine irrationale Angst vor der Illusion einer bevorstehenden Islamisierung Europas, beginnend damit, dass Frauen dem Islam unterworfen werden oder irgendwo ein Minarett gebaut wird. Sehr skurril zu beobachten war diesbezüglich, dass die FPÖ sogar mit Aussagen der deutschen Feministin Alice Schwarzer warb.

In Europa hat sich aber anscheinend noch niemand die Mühe gemacht, Trägerinnen von Burkas und Ähnlichem oder Interessenvertretungen von Migrantinnen einmal nach ihrer Meinung zu fragen. Immerhin gibt es viele verschiedene Gründe für Frauen, ein Kopftuch oder eben eine Burka zu tragen oder auch tragen zu wollen. Neben den bekannten religiösen und gesellschaftlichen Ursachen kann es für die Trägerinnen sogar eine emanzipatorischen Charakter haben. Haben in manchen Ländern früher eher Frauen vom Land Schleier getragen, so tragen ihn heute oft junge Frauen, die nach Bildung streben, weil er ihnen bei diesem Vorstoß Sicherheit und Schutz bietet, indem der private Raum quasi in die Öffentlichkeit mitgenommen wird.

In westlichen Ländern kann das Tragen eines Schleiers oder eines Kopftuches auch ein Ausdruck von Individualismus sein, weil es hier keine Norm darstellt. Die Entscheidung zu beispielsweise einem Kopftuch kann hier bewusster und selbstbestimmter getroffen werden. Es ist aber durch ein Gesetz nicht möglich im Einzelfall zu prüfen, welche Bedeutung ein Schleier oder ein Kopftuch für die betreffende Frau hat und ob dabei Zwang oder Gewalt im Spiel ist oder aber auch Selbstbestimmtheit und freier Wille. Insofern geht hier wahrscheinlich die Gesetzgebung sehr stark an der Realität der Frauen vorbei und zeigt damit, was für eine große Angst vor dem Islam in Europa geschürt wird.

Sarah will einmal einen Burkini anprobieren.
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:06 - Main.UnknownUser
 

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