Alles nur Theater
Die Theatergruppe der Fachschaft Physik

Dass Physikstudenten zuweilen sehr kreative und unternehmungslustige Zeitgenossen sind, die mehr können als ihr Studium vermuten ließe, ist ja (hoffentlich) allgemein bekannt.

Trotzdem blickt man immer wieder in erstaunte Gesichter, wenn die Sprache auf die Theatergruppe der Fachschaft Physik kommt. Ja, manche Physiker spielen auch gerne Theater!

Als Mitglied der Theatergruppe möchte ich diesbezüglich ein wenig Aufklärungsarbeit leisten und einen Einblick in die bisherige Geschichte unserer Gruppe geben. Es wird auch schon wieder fleißig am nächsten Stück geprobt. Aber dazu später.

Vor mittlerweile drei Jahren fand sich ein kleines Grüppchen theaterbegeisterter Physiker zusammen, die gerne mit Gleichgesinnten ein Stück proben und auf die Bühne bringen wollten.

„Der eingebildete Kranke“ sollte es sein. Und so hauchten wir innerhalb von vier Monaten Probenarbeit der Geschichte des Hypochonders Argan, der sich diverse Krankheiten einbildet und seine gesamte Umgebung damit auf skurrile Art tyrannisiert, Leben ein. Dabei versäumten wir es nicht, dem Stück unsere eigene Note zu verpassen. Während der Vorbereitungen zu diesem Stück wurde übrigens der Grundstein für die Tradition der (mehr oder weniger versteckten) Theoretiker-Witze in unseren Stücken gelegt. So wünschte Argans wütender Arzt dem eingebildeten Kranken statt tödlicher Krankheiten unter anderem die Quantentheorie an den Hals. Das Publikum quittierte diese Textänderung mit schallendem Gelächter und die Aufführung fand zu unserer Freude allgemein viel Anklang. Es stand fest: Wir machen weiter.

Die Euphorie und Motivation war groß, und so begannen die Proben für das nächste Stück gleich im darauffolgenden Semester. Diesmal entschieden wir uns für Oscar Wildes „Ernst sein ist alles“, eine romantische Verwechslungskomödie mit viel englischem Witz. Wir konnten ein paar neue Darsteller für unser Projekt begeistern und schritten nun mit leicht abgeänderter Besetzung ans Werk. Hingerissen von Oscar Wildes witziger Sprache, rezitierten so manche Mitglieder unserer Theatergruppe den Text des Stücks auch außerhalb der Proben und avancierten zum beliebten Partygag. Auch hier durften Physik-Witze und die beliebten Seitenhiebe nicht fehlen. So studierte die verträumte Cecily statt deutscher Grammatik die Quantentheorie, und der Dandy Algernon mokierte sich über die Angewohnheit der Theoretiker, den fünf-Uhr-Tee auszulassen.

So wurde auch unsere zweite Aufführung im Juni 2008 vom Publikum begeistert aufgenommen, was uns in unserer Freude und unserem Spaß an der Sache bestärkte.

Für das nächste Projekt, „Viel Lärm um Nichts“ von William Shakespeare, mit dem bisher größten Ensemble von 17 Darstellern, ließen wir uns ein bißchen länger Zeit. Die Proben begannen im Februar 2009 und umfassten auch die Sommerferien, sodass wir schlussendlich im Dezember nach vielen Proben unsere Interpretation der Komödie aufführen konnten. Diesmal nicht wie die beiden vergangenen Aufführungen im Hörsaal 1 des Freihauses, sondern im ursprünglich als Theater konzipierten Treitl-Hörsaal, der die Atmosphäre perfekt machte. Trotz Shakespeares anspruchsvoller Sprache (mit leichten Abwandlungen, die nicht fehlen durften, wie Claudios Liebesbekundung „Ich würde sie nehmen, und wäre sie Theoretikerin!“) und den vielen Darstellern gelang es uns, nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Beigeisterung des Publikums zu gewinnen, was für uns als Mitglieder der Theatergruppe eine unglaublich schöne Erfahrung war. Wir konnten diesmal an zwei Abenden den Treitl-Hörsaal fast vollständig füllen und schätzungsweise insgesamt über 500 Zuschauer unterhalten. Ein herausragender Erfolg für unser gesamtes Theater-Team.

An dieser Stelle möchte ich noch einen Dank an unser treues und begeisterungsfähiges Publikum aussprechen, das unsere kleinen Ausflüge in die Welt des Theaters jedes Mal zu einem persönlichen Highlight für jeden Einzelnen für uns macht.

Natürlich ist noch lange nicht Schluss. Als mittlerweile eingefleischte Oscar Wilde-Fans proben wir momentan eifrig „Der ideale Gatte“, die Aufführung wird voraussichtlich Ende November stattfinden und über Plakate angekündigt werden. Also Augen offen halten!

Ismene probt mit der Theatertruppe bereits für die vierte Produktion.
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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