Karlsplatzpunsch
Eine Rankingodyssee vor den Toren der TU

Die Vorweihnachtszeit, landläufig als schönste Zeit im Jahr zur Vorbereitung auf das Weihnachtsfest definiert. Dementgegen bemerkt man jedoch in der pluralistischen Welt des 21. Jahrhunderts, dass Schlagwörter wie „besinnliche Zeit“ sehr weit ausgelegt werden. Mancherorts spricht man vom Werteverfall, wenn im August die Nikolausmänner aus den Supermarktregalen salutieren und im Oktober Weihnachtslieder durch die Einkaufspassagen schallen.

Aller kommerziellen Verwirrung entgegen beginnt die Adventszeit erst mit dem 1. Adventsonntag. Die Straßen sind festlich geschmückt, vielerorts sprießen hölzerne Marktstände aus dem Boden und der Duft von Maroni und anderen weihnachtlichen Köstlichkeiten liegt in der Luft. Das traditionelle Heißgetränk in dieser Zeit ist neben Jagatee und Glühwein der Punsch. Die Wahl am Punschstand wird sprichwörtlich zur Qual. Für mein Punschranking beschränke ich deshalb die Varietät auf einen Klassiker, den Orangenpunsch.

Punsch im Porträt:

Punsch entfaltet seine wahre Größe bei klirrender Kälte unter Einbruch der Dunkelheit. Den Geschmack betreffend, sollte dieser von frischen Früchten, gutem Alkohol und der Freude am Umgang mit Gewürzen geprägt sein.

Stelldichein am Punschstand:

Der rote Leidfaden für den besten Orangenpunsch am Karlsplatz beginnt beim Punschstand „zum Franz“. Nach Auskunft der Verkäuferin wird der Punsch auf Rotweinbasis mit rein biologischen Zutaten hergestellt. In einer Blindverkostung hätte dieses Heißgetränk eher mit mangelhaft abgeschnitten, denn außer dem Wissen, dass es sich um einen Orangenpunsch handelt, hat nichts weiter darauf hingedeutet. Die kaum merkbaren Gewürze und die hervorstechende Süße veranlassen mich, nach einer kurzen Aufwärmzeit, meinen Weg fortzuführen. Allerdings würden das Ambiente und der große überdachte Unterstand für eine längere Verweilzeit einladen.

Die nächste Station ist „Jörg“. Offensichtlich steht das Prädikat „biologisch“ heuer großgeschrieben in den Wiener Punschrezepten. Bei diesem Stand wird mir erklärt, dass für die Zubereitung rein biologischer Alkohol verwendet wird. Was genau dieser sein soll erschließt sich mir auch bei mehrmaliger Verkostung leider nicht. Farbe und Geschmack lassen dieses Getränk jedoch eindeutig als Orangenpunsch erkennen, lediglich die Gewürze vermisse ich komplett. Ambiente und Publikum kann ich positiv vermerken. Von meiner derzeitigen Verkostung etwas unbefriedigt treibt mich die Kälte zum Stand von „Brau Hermax“. Hier fällt meine Wahl auf einen „Rote Orange“ Punsch.

Ein weiterer Punsch auf Rotweinbasis mit einer schwimmenden Orangenscheibe, die eindeutig identitätsgebend ist. Mit dezentem Rotweingeschmack, merkbare Verwendung von Gewürzen und nicht all zu süß, hat er sich einen Platz auf dem Siegertreppchen verdient.

Meine vorletzte Verkostung nehme ich am Punschstand vom „Lukashof“. Der Orangenpunsch, eigentlich alkoholfrei, wird mit einem Schuss Rum verfeinert und weist die typische gelbe Farbe sowie einen Geschmack von Orangen auf. Leider kann ich, unter den vielen Ingredienzien, die vermutlich enthalten sind, keinerlei Gewürze erahnen. Deshalb ein verdienter zweiter Platz für den Lukashof.

An einem Stand, welcher sich „Punsch & Crèpes“ nennt bin ich dann endlich angekommen. Routiniert bestelle ich einen Orangepunsch und bin hocherfreut dem heftigen Schneetreiben im nachbarlichen Unterstand zu trotzen. Der Punsch hat eine leichte Kokoszimtnote, seine gehaltvolle Eigenschaft verleiht ihm sowohl Rum als auch Rotwein. Obwohl ich nur einen leichten Orangengeschmack wahrnehmen kann, hat es dieser Punschstand ganz oben auf das Siegertreppchen geschafft.

Fazit:

Mein „schnapsologischer“ Arbeitsauftrag bedürfte definitiv nordländischer Arbeitskleidung, denn neben einer Schnapsnase hatte ich auch einige Frostbeulen an diesem Abend zu verbuchen. Summa summarum muss ich anmerken, dass keiner der verkosteten Punsch, den namensgebenden Orangengeschmack hat. An einem kalten Wintertag bietet ein Punsch am Karlsplatz jedoch eine angenehm warme Alternative zum „Feierabendbier“.

Claudia mag keinen Kater. Sie ist ein Hundemensch…
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:03 - Main.UnknownUser
 

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