Vorsitzcorner
Aber wer spart sich was beim Unibudget?

Keine leichte Situation, die da auf uns zukommt. Öffentliche Mittel für die Universitäten werden ab 2013 nicht einmal mehr an die Inflation angepasst, der Bezug der Familienbeihilfe soll gekürzt werden und sogar die Grünen diskutieren inzwischen die Einführung von Studiengebühren.

Die gesamte politische Diskussion kann mit einem Totschlagargument gerechtfertigt werden: Alle müssen sparen! Aber was ersparen wir uns eigentlich? Angenommen, Studiengebühren würden wieder eingeführt werden. Tatsache ist, dass Studiengebühren der Universität kein zusätzliches Geld bringen werden. Derzeit zahlen ca. 40% der TU Studierenden Studiengebühren. Die Differenz auf 100% wird der TU Wien bis auf Weiteres vom Ministerium erstattet, wodurch die TU Wien de facto so viel Geld bekommt, als wenn alle Studierenden Studiengebühren zahlen würden. Wenn Studiengebühren wieder eingeführt werden, würde das Ministerium diese Differenz nicht mehr zahlen. Die TU Wien würde sich also nichts ersparen.

Um das zu kompensieren, was der TU Wien durch die Nicht-Anpassung des Globalbudgets letztendlich fehlen würde, müsste man flächendeckende Studiengebühren von ca. EUR 1500,- pro Semester einführen. Bei Studiengebühren im Allgemeinen und insbesondere bei einer solch markanten Höhe stellt sich immer die Frage der sozialen Gerechtigkeit. Durch den Ausbau des Beihilfensystems könnte man der sozialen Ungerechtigkeit, die Studiengebühren mit sich bringen, entgegenwirken. Wenn man allerdings bedenkt, dass einer Studentin oder einem Studenten durchschnittlich EUR 940,- pro Monat zum Leben zur Verfügung stehen und mindestens 40% (wahrscheinlich werden es mehr sein) der Studierenden bei dieser Höhe von Studiengebühren Studienbeihilfe beziehen müssten, erspart sich der Staat gegenüber der jetzigen Situation nichts. Im Gegenteil, er müsste um einiges mehr investieren damit die soziale Gerechtigkeit gewährleistet wäre und aus diesem Grund wird diese Anpassung nicht passieren.

Von sozialer Gerechtigkeit kann man bei den Überlegungen, die Familienbeihilfe nur noch bis 24 Jahren laufen zu lassen, allerdings schwer sprechen. In einem technischen oder naturwissenschaftlichen Studium ist das Masterstudium als „Grundausbildung“ zu sehen. Ein Großteil der Studierenden beginnt ihr Bachelorstudium mit 19 Jahren, viele auch erst mit 20. Wir alle wissen dass ein Studium in Mindestzeit auf der TU unrealistisch ist, somit ist der Abschluss eines Masterstudiums bis 24 völlig außer Reichweite. Nach dem derzeitigen Gesetztesentwurf ist es auch leider nicht angedacht, die wegfallende Familienbeihilfe durch Studienbeihilfe zu kompensieren. Ohne reiche Eltern, die im Notfall einspringen, muss man wohl arbeiten gehen um weiter studieren zu können. In einer Zeit, in der das unreflektiert übernommene und weiterverbreitete Wort „Mindestzeit“ heißt , ist das paradox.

Gerade dieses Paradoxon ist in Wirklichkeit der Schlüssel zum Verständnis, was sich der Staat ersparen möchte. Um soziale Gerechtigkeit zu erreichen, müssen Gesetze geändert und vor allem gesellschaftlich Mut bewiesen werden. Umverteilung ist schließlich ganz ganz böse und für die Leserinnen und Leser eines bekannten Wiener Kleinformats ähnlich suspekt wie die EU-Mitgliedschaft. Der so oft geforderte Ausbau des Beihilfensystems ist ebenfalls nicht angedacht. Kostet ja Geld. Langsam müssen sich nicht nur die Studierenden, sondern alle Österreicherinnen und Österreicher überlegen, ob wir in einem Staat leben wollen, in dem Bildung ein Privileg der Reichen sein soll.

Die HTU hat zu den Änderungen der für uns Studierenden relevanten Gesetzen umfangreich Stellung bezogen [1]. Bei Interesse kannst du uns auch im Referat für Bildung und Politik bzw. im Vorsitz der HTU Wien besuchen und dich erkundigen, was derzeit passiert.

[1] http://www.htu.at/frontend/detail_news.php?nr=244

Ulf, Peter und Bianka versuchen mit konstruktiven Vorschlägen die Gesamtsituation zu verbessern.
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:02 - Main.UnknownUser
 

Herausgeberin:
Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Technische Universität Wien
(Vorsitzender: Lukas BÜRSTMAYR)
Wiedner Hauptstraße 8-10
1040 Wien
T: +43-1-58801-49501
F: +43-1-58691-54
sekretariat@htu.at