Wer nichts weiß …
… muss alles glauben!

Diesen treffenden Titel trägt die neueste Veröffentlichung von Heinz Oberhummer, Werner Gruber und Martin Puntigam, ihres Zeichens auch bekannt als ScienceBusters[1]. Bereits die auf der Rückseite als Appetizer gestellten Fragen wie „Kann Beten tödlich sein?“ oder „Was haben Orgasmus und Wachkoma gemeinsam?“ versprechen viel, was beim Lesen dann auch gehalten wird.

In ihrer gewohnt nüchtern-humorvollen Art machen sich der Kabarettist und die beiden Physiker (Oberhummer war Professor für Theoretische Physik hier im Hause, Gruber lehrt an der Universität Wien Experimentalphysik) über zahlreiche Varianten der menschlichen Unwissenheit her, aus welcher die Begeisterung für fragwürdige Heilmethoden, wirkungslose Produkte und Religionen allgemein erwächst. Es werden aber nicht nur gängige Täuschungsversuche aufgedeckt, sondern ganz nebenbei komplexe physikalische, biologische und chemische Zusammenhänge anschaulich erklärt, so dass dieses Buch auch für naturwissenschaftlich-technische Laien interessant ist. Mitbringen sollte man jedoch eine gewisse Begeisterung für Naturwissenschaften und die Fähigkeit, sich von deren Zusammenhängen überzeugen zu lassen.

Als Beispiel sei die Homöopathie erwähnt, eine Art der Alternativmedizin, bei welcher die Inhaltsstoffe sehr stark verdünnt werden, um „noch besser zu wirken“. Das geht so weit, dass bei einer durchschnittlichen Verdünnung von D12 (ein Billionstel) in einer Dosis kaum mehr ein Molekül des ursprünglichen Wirkstoffes enthalten ist. Dennoch sind HomöopathInnen sehr gefragt und ihr Geschäft boomt. Die ScienceBusters erklären dies durch die oftmals tatsächlich eintretende Wirkung homöopathischer Arzneimittel (Medikamente sind es nicht, da keine derartigen Tests durchgeführt werden), sogar bei Kleinkindern oder Tieren, bei denen auch kein Placebo-Effekt angenommen werden kann. Der logische Schluss daraus ist, dass wie auch bei vielen anderen Dingen (Astrologie etwa oder Gebete) nur jene Fälle im Gedächtnis bleiben, die den gewünschten Ausgang hatten und als Referenz herangezogen werden.

So zieht sich ein roter Faden der Aufklärung durch das Werk, in dem vor allem die katholische Kirche (stellvertretend für alle auf Hokuspokus und Zauberei aufgebauten Organisationen) beständig ihr Fett abbekommt. Für alle kritischen Geister wärmstens zu empfehlen – unkritische werden es wohl leider nicht lesen …

Werner Gruber u.a., Wer nichts weiß, muss alles glauben, Salzburg: Ecowin Verlag

[1] http://www.sciencebusters.at

Ulf möchte, dass mehr gewusst und weniger geglaubt wird
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:03 - Main.UnknownUser
 

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