Wir FeministInnen?

Für wen machen FeministInnen Feminismus? Für sich selbst oder für eine bessere Gesellschaft? Und welche Strategien existieren um mit Sexismus und vor allem Alltagssexismus umzugehen?

Alle FeministInnen haben eine persönliche Geschichte wie sie zu ihrem Feminismus gekommen sind. Einigen ist gemeinsam, dass sie in einer grundsätzlich feministisch gesinnten Gruppe darauf aufmerksam geworden sind. Doch Gruppen von Menschen haben selten eine homogene Meinung und so ist es auch hier. Daher möchte ich gerne aus eigener Erfahrung ein wenig darüber reflektieren welche Antriebe und Motivationen FeministInnen haben können, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wie oben schon einleitend erwähnt gibt es in Gruppen oft eine bestimmte identitätsstiftende Ausrichtung. Eine solche kann zum Beispiel eine feministische Grundhaltung sein, was vor allem in linken Gruppierungen häufig der Fall ist. Trotzdem können die einzelnen Gruppenmitglieder durchaus verschiedener Auffassung sein. Jeder Mensch hat schließlich eine eigene Meinung. Es kommt deshalb oft genug vor, dass sich solche Gruppen wegen Meinungsverschiedenheiten spalten oder auch wieder zusammenfinden.

Auf diese Art und Weise kann man natürlich auch genau das Gegenteil machen. Man kann sich durch eine bestimmte Einstellung auch sehr gut von anderen abgrenzen. Auch das kann eine gewisse Motivation darstellen eine feministische Haltung einzunehmen, auch wenn das wahrscheinlich viel seltener vorkommt. Manchen ist es wichtig sich gerade von anderen FeministInnen zu distanzieren, denn immerhin ist es nicht jeder und jedem recht von anderen vertreten oder auch bevormundet zu werden. Auch wenn sie selbst ebenfalls eine feministische Einstellung haben.

Ein sehr nachvollziehbarer Grund sich feministisch zu positionieren ist, dass man das um seiner selbst Willen tut. Weil man sich in einer sexistischen und anti-feministischen Umwelt nicht wohl fühlt und daher viele ein Umfeld suchen in dem man sich nicht ständig gegen solche Dinge zur Wehr setzen muss. Oder sie sich nicht von anderen dafür vereinnahmen lassen wollen das ständig tun zu müssen. Viele FeministInnen sind es irgendwann auch mal müde sich zu positionieren und die Stellung zu halten.

Durch Idealismus oder Werte die einem oder einer sehr wichtig sind kann man klarerweise ebenfalls motiviert werden eine feministische Grundhaltung zu haben. Es gibt viele engagierte Leute die auf allen möglichen Gebieten dafür kämpfen, dass es anderen Menschen/Tieren/Lebewesen besser geht auf dieser Welt. Daher ist das nur nachvollziehbar. Es gibt daher auch FeministInnen die sich nicht als solche positionieren wollen und eben auch nicht von anderen vertreten, bevormundet oder „mitgemeint“ werden wollen beziehungsweise sich gar nicht als FeministIn bezeichnen würden. Das kann auch dazu führen, dass Frauen sich nicht „den Frauen“ als diskriminierte Gruppe zugehörig fühlen. Man kann sich dadurch auch wunderbar von Sexismus an sich abgrenzen, indem man sich davon einfach nicht angesprochen oder betroffen fühlt. Das ist ebenfalls eine sehr wichtige und häufige Strategie um vor allem mit Alltagssexismus umzugehen.

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass man nichts Pauschalisierendes über FeministInnen und deren Motivationen für ihr Tun oder auch Unterlassen anführen kann. Entscheidend ist immer welchen Standpunkt jemand einnimmt und wie sie oder er sich im Zusammenhang mit ihrem oder seinem Umfeld selbst reflektiert und daraus heraus dann agiert.

Sarah ist Feministin.

Der Feminismus besteht aus vielen verschiedenen Bewegungen die sich im Laufe der Zeit gebildet haben. Daher wird oft auch von Feminismen gesprochen, da diese Strömungen oft sehr verschiedene Methoden und Zielsetzungen haben. Ihnen ist in etwa gemeinsam, dass sie politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich die gleichen Rechte und Möglichkeiten für Frauen schaffen wollen. FeminstInnen können Personen jeglichen Geschlechts sein.

100 Jahre Frauentag

Man könnte fast meinen das wäre ein Anlass zum Feiern. Tatsächlich hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr viel in Sachen Gleichberechtigung getan, doch schaut man etwas genauer hin dann wird sichtbar, dass zentrale Forderungen von damals heute immer noch unerfüllt sind.

Am 19. März 1911 wurde in Europa und den USA zum ersten Mal der Internationale Frauentag begangen. Damals zogen in Wien etwa 20.000 Frauen und Männer den Ring entlang um gleiche Rechte einzufordern. Der Zug bestand damals großteils aus Arbeiterinnen. Heuer jährte sich dieses Datum zum hundertsten Mal, was Anlass gab einerseits Erfolge zu feiern aber sich auch klar zu werden, dass es noch so einiges zu erreichen gibt.

1977 wurde der 8. März offiziell von den Vereinten Nationen zum Internationalen Frauentag erklärt. Durch diesen politischen Status konnten sich auch bürgerliche Frauen an diesem Datum solidarisch zeigen, da der 8. März davor nur von KommunistInnen als Frauentag begangen wurde. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich wurden die Frauentage vermutlich nur im Untergrund gefeiert. Später aber in den 60er Jahren waren sie, getragen von der SPÖ, regelrechte Massenveranstaltungen, wo Zehntausende Frauen und Männer auf die Straße gingen. Dann in den 80ern waren es vor allem autonome Frauengruppen die den Frauentag weiter führten, und erst seit dieser Zeit sind die Demonstrationen women only.

Bis Juni gibt es noch die Möglichkeit im Österreichischen Museum für Volkskunde die Ausstellung „Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag“ anzusehen.

Zum weiter lesen:

Achter März 2011 – Frauen.Mädchen.Lesben.Kampftag., Broschüre der Österreichischen HochschülerInnenschaft

an.schläge – das feministische Monatsmagazin, Ausgabe März 2011

Sarah ist immer noch Feministin.

Kurzmeldungen aus dem Frauenreferat

100 Jahre Frauentag Ausstellung

Im Österreichischen Museum für Volkskunde gibt es bis 30.6. die Ausstellung „Feste.Kämpfe. 100 Jahre Frauentag“ anzusehen. Die Ausstellung, zu der es auch Führungen gibt, beleuchtet 100 Jahre Frauentag, Ursprünge und Entwicklungen. Mehr dazu auf: www.volkskundemuseum.at

Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch

Das Frauenreferat lädt auch dieses Jahr wieder zu einer Exkursion in das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch ein. Dabei handelt es sich um ein weltweit einzigartiges Museum, das der geschichtlichen Entwicklung von Verhütungsmethoden und Schwangerschaftsabbrüchen nachgeht. In einer Führung wird diese ergänzt mit netten Anekdoten zu den Exponaten näher gebracht. Der Treffpunkt ist am 12. April um 14 Uhr vor dem Freihaus Hörsaal 1 und der Museumsbesuch ist für alle TU Studierenden gratis.

Texte zu Technik und Geschlecht

8. Lise Meitner Literaturpreis

Das Frauenreferat der HTU und die Kunstvereinigung Akunst schreiben heuer zum achten Mal den Lise Meitner Literaturpreis aus. Der Name der österreichischen Physikerin Lise Meitner (7. 11. 1878 – 27. 10. 1968) steht als Symbol für eine Frau, die ihren Weg im nach wie vor männlich dominierten Wissenschaftsbetrieb erfolgreich gegangen ist und insbesondere heutigen Studentinnen der Technik ein Vorbild sein kann.

Erwartet werden Texte, die sich erzählend mit der Geschichte der Technik und Naturwissenschaft, mit dem Studium an einer Technischen Universität, mit Gefahren, Alternativen und Visionen auseinandersetzen.

Höhe des Preisgeldes: 2.200 Euro

Einsendeschluss: 26. August 2011

Weiter Informationen und Teilnahmebedingungen: www.lisemeitnerpreis.at
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

Herausgeberin:
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