Begriffsdefinitionen 3

Splitting
Geschlechtergerechtes Formulieren beruht auf zwei Prinzipien: Sichtbarmachen und Symmetrie. Sollen beide Geschlechter angesprochen werden, müssen sie auch sichtbar sein und eine Möglichkeit dazu bietet Splitting: Das ist das Anschreiben beider Geschlechter, als Paarform (Studentinnen und Studenten), mit großem I (HörerInnen) oder mit Schrägstrich (Wissenschaftler/innen).
Wichtig beim Splitting ist die sogenannte Weglassprobe: Wird bei Wissenschaftler/innen der Schrägstrich weggelassen bzw. bei HörerInnen die Endung In oder Innen, muss das übrig bleibende Wort ein korrekter Begriff sein (falsch ist „Studenten/innen“, da „Studenteninnen“ falsch ist). Richtig wäre zum Beispiel: TutorIn. Falsch ist: TutorInnen, da „Tutor“ nicht die hier erforderliche Mehrzahl der männlichen Form ist.
Splitting mit Schrägstrich ist allerdings nur bei Platzmangel zu empfehlen. Einerseits werden Texte dadurch schwer lesbar. Andererseits führt die Teilung durch den Schrägstrich zu einer Asymmetrie zwischen männlicher und weiblicher Form; die Frauen werden zu einem „Anhängsel“ der maskulinen Grundform. Und Symmetrie ist eines der Prinzipien geschlechtergerechter Sprache. Das heißt zum Einen, daß keines der Geschlechter als Ausnahmefall dargestellt werden soll (z.B. nicht so: „Hahn und Frau Schmied...“). Zum Anderen heißt das, wird ein Mann mit seinem Titel genannt, soll auch die Frau mit ihrem angeführt werden (z.B. so: „Bundesminister Hahn und Bundesministerin Schmied...“).
Geschlechtergerecht Formulieren lässt es sich -ironischer Weise- auch mit Hilfe durchgängig grammatikalisch weiblichen Bezeichnungen (das „generische Femininum“ wirkt überraschend, d.h. es macht auf die Thematik aufmerksam) sowie geschlechtsindifferent (z.B.: der oder die Vortragende).
Für geschlechtergerechte Sprache gibt es keine strikten Regeln und Richtlinien, nach welchen ein Schriftstück im Nachhinein automatisiert bearbeitet werden könnte, es ist Kreativität gefragt. Die diversen Varianten lassen sich nach Zusammenhang und Sinn im Text abwechselnd kombinieren.

Binnen-I
Interessant ist es zu wissen, dass das Binnen-I nicht aus der feministischen Sprachwissenschaft kommt, sondern 1981 von dem Journalisten Christoph Busch erdacht wurde. Das große I ist vermutlich die gebräuchlichste Variante des geschlechtergerechten Formulierens.
Wie spreche ich das große I aus? Dazu gibt es drei Möglichkeiten: Das Binnen-I ist eigentlich eine Abkürzung und demnach mündlich zu „entfalten“ (z.B. InstitutsleiterInnen, sprich Institutsleiterinnen und Institutsleiter); das Binnen-I mit einer kurzen Pause aussprechen ohne das Wort zu teilen (sogenannter Glottisverschluss oder Knacklaut, wie beim Wort Spiegelei, zwischen „Spiegel“ und „ei“); drittens das Feminisieren (RektorIn, sprich Rektorin), was allerdings verwirren kann, da aufgrund der sprachlichen Asymmetrie die weibliche Form (noch) als Ausnahmefall gilt.

+ Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Bub wird mit schweren Kopfverletzungen in ein bestimmtes Krankenhaus gebracht, in dem ein Chef-Chirurg arbeitet, der eine bekannte Kapazität für Kopfverletzungen ist.
Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chef-Chirurg erscheint, blass wird und sagt: "Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!".

Frage: In welchem Verwandtschaftsverhältnis stehen der Chirurg und das Kind? I.Neubauer, http://www.webwomen.at/magazine/womenspace/frauensprache_was_ist.htm [Stand: 25.5.2008]

Wer das zum ersten Mal liest ist nachher wohl etwas verwirrt und beginnt wahrscheinlich über Adoptionen, Patchwork-Familien und gleichgeschlechtliche Ehen (die es in Österreich noch nicht gibt) mutzumaßen. Dabei lautet (eine einfache, von vielen möglichen) Lösung: Die Chirurgin ist die Mutter des Jungen.
Topic revision: r5 - 29 Mar 2011 - 21:00:03 - Main.UnknownUser
 

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