Berlinale 2008 – nicht nur Glanz & Glamour

Vom 07. – 17. Februar gingen in Berlin die 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin über den roten Teppich. Die mediale Berichterstattung gibt großteils nur die Welt der Stars, Sternchen und großen Namen wider, während es hinter der schimmernden Fassade doch noch um den Film als Kunst und um Kunst im Film geht. Ein Erlebnisbericht.

Auf der diesjährigen Berlinale ging es heiß her und mit dem Promi-Aufgebot von der Größe wie der der Rolling Stones, einer Madonna oder des indischen Superstars Shah Rukh Khan zog Berlin wie jedes Jahr Anfang Februar das Blitzlichtgewitter auf sich. Trotz des Riesenrummels, der den Anschein erweckte, das Ganze ginge nur ums Sehen und gesehen werden, bestach das – neben Cannes – größte internationale Filmfestival im europäischen Raum mit einem umfangreichen Angebot an empfehlenswerten Filmbeiträgen aus aller Welt.

Ein Schwerpunkt dieses Jahres war der Musik in allen Facetten gewidmet, wie der Eröffnungsfilm „Shine a Light“ – ein Konzertfilm über die Rolling Stones – von Martin Scorsese zeigte. Auch nicht minder bedeutenden, aber durchaus unbekannteren Künstlerinnen und Künstlern der Punk- und Electronic-Avantgardeszene wurde durch das diesjährige Programm ein Sprachrohr verliehen. So bestach Steven Sebrings Doku „Patti Smith: Dream of Life“ mit Bildern einer sanften Punkikone – Patti Smith war in Berlin anwesend, jedoch nicht um gesehen zu werden sondern um eine Ausstellung zu eröffnen. Der Film „Wild Combination: A Portrait of Arthur Russell“ (R: Matt Wolf) leistete große Aufklärungsarbeit über das Musikgenie Arthur Russell und dessen kurzes aber hoch spannendes Leben. (Das HTU-Kulturreferat wird versuchen den Film Ende Mai gekoppelt mit einem Arthur Russell Musikabend in Wien aufzuführen)

Das große Rennen um den Goldenen Bären für den Besten Film gewann überraschend José Padilhas Spielfimdebut „Tropa de elite“ („The Elite Squad“), der vom Kampf einer Polizei-Eliteeinheit gegen die Drogenbosse der Favelas in Rio de Janeiro erzählt. Paul Thomas Andersons Epos, „There Will Be Blood“, der als absoluter Favorit für den Goldenen Bären gehandelt wurde, gewann zwei Silberne Bären für die Beste Regie und für die Filmmusik. Besonders sehenswert in der Wettbewerbessektion waren auch „Be Kind Rewind“ (Komödie von Michel Gondry mit Mos Def und Jack Black), „Zou You“ (R: Wang Xiao Shuai), „Lake Tahoe“ (R: Fernando Eimbcke), „Happy-Go-Lucky“ (R: Mike Leigh), „Man Jeuk“ (R: Johnnie To) und „Julia“ (Drama von Erick Zonca mit Oscarpreisträgerin Tilda Swinton). Die meisten dieser Filme werden auch im Laufe der Zeit in Wien zu sehen sein.

Als die diesjährige Retrospektive der Berlinale – und somit als den historischen Gegenpol zu den zeitgenössischen Werken – hat sich Festivalintendant Dieter Kosslick für das Lebenswerk des bedeutenden spanischen Regisseurs Luis Buñuel entschieden. Die Retrospektive zeigte sämtliche 32 Filme seines Schaffens und rundete das Programm mit einer Ausstellung ab. Bis 6. April kann man Buñuels Filme auch in Wien bei der Buñuel Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums begutäugeln. (www.filmmuseum.at)

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Paul studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaft und ist Teil der neuen Besetzung des HTU-Kulturreferats.
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:06 - Main.UnknownUser
 

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