Buchrezension- Guns, Germs, and Steel

Von Jared Diamond

„Warum untersuchen europäische AnthropologInnen Neu Guinea und nicht umgekehrt?“ Dies ist die zentrale Frage des Buches, für das der Autor Jared Diamond vor zehn Jahren immerhin einen Pulitzer-Preis erhalten hat. Und von dem ich leider erst kürzlich erfahren habe. Doch Relevanz hat das Buch seither nicht verloren. Wenn man an die Eroberung von z.B. Amerika oder Australien durch Europäische Mächte denkt, dann lautet die langläufige Begründung meistens schlicht „bessere Waffen“ oder allgemein „mehr Technologie“. An guten Tagen hört man von den Krankheiten, die gewütet haben und gerade in Nordamerika 95% der Bevölkerung ausgelöscht hatten, bevor die Mayflower überhaupt ihre Fahrt angetreten hatte. Doch was, wenn man weiterfragt? Woher kam das Schießpulver, woher kamen die tödlichen Krankheiten? Warum gab es keine Landwirtschaft in Australien, dafür aber im sehr nahen Neu Guinea? Genau hier setzt das Buch an, ohne Eurozentrismus und rassistisches Überlegenheitsdenken.

Die ersten Kapitel vergleichen die frühen Bevölkerungszentren und -bewegungen der Erde miteinander und analysieren die Unterschiede besonders im Hinblick auf domestizierbare Tier- und Pflanzenspezies. Die Erläuterungen zu Pflanzen und Tieren, und was Domestikation überhaupt alles bedeutet, sind für mich eindeutig ein Bildungshighlight des Buches. Von den Tieren geht es gleich weiter zu Krankheiten, denn schließlich stammen die meisten unserer bekannten Infektionskrankheiten aus dem Tierreich, und haben dann die Artengrenze überwunden.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit Erdteilen im Näheren, vor allem mit Neu Guinea, wo der Autor lange geforscht hat, Polynesien und Australien, da sich die menschliche Siedlungsgeschichte dort sehr gut nachvollziehen lässt. Natürlich ist das Buch keine vollständige Erklärung der Menschheitsgeschichte, doch es gibt viele unerwartete Einblicke, Denkanstöße und zeigt Zusammenhänge die im Geschichtsbewusstsein fehlen.

Mein Fazit: Wenn man statt jeweils einem ganzen Schuljahr Geschichte und Biologie dieses Buch zum Lesen bekommt, hätte man entschieden mehr Einsichten davon. Sollte jemand gar wissen wollen, was der Rest der Welt so getrieben hat, bevor EuropäerInnen sich dort breitgemacht haben, und warum sie selbiges geschafft haben, lege ich ihm/ihr dieses Buch ans Herz.

Wer das Buch nicht im Original lesen möchte, findet die Übersetzung unter dem Titel „Arm und Reich“. Womit ein weiteres gutes Buch einer schlechten Titelübersetzung zum Opfer gefallen ist (in memoriam „Mostly Harmless“)…

Weitere Literatur des Autors:
*Collapse. How Societies Choose to Fail or Succeed: Betrachtungen der Ursachen für den Untergang von Zivilisationen, die wertvolle Denkanstöße für die nächsten Jahrzehnte enthalten
*Why is Sex Fun?: The Evolution of Human Sexuality: Hier geht es darum, wie sich das einzigartige Sexualverhalten der Menschen entwickeln konnte.

Gilbert liest gerne Bücher, von denen noch nie jemand gehört hat

-- Main.JasminMueller - 26 Nov 2008
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