Lise Meitner Lectures

Anlässlich Lise Meitners 130. Geburtsjahres und dem Jahr der Visibility Maßnahmen für Wissenschafterinnen fanden erstmals die Lise Meitner Lectures in Wien und Berlin statt.

Lise Meitner wurde in Wien geboren, arbeitete über 30 Jahre in Berlin und lieferte im Jahre 1939 die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung. Sie starb 1968 in Cambridge (Großbritannien). Zu ihren Ehren haben die Österreichische Physikalische Gesellschaft (ÖPG) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) die „Lise-Meitner-Lectures“ ins Leben gerufen, die dieses Jahr erstmals stattfanden. Veranstaltungsorte waren Wien und Berlin, beide Städte waren wichtige Stationen im Leben von Lise Meitner.

Mit dieser jährlichen Veranstaltungsreihe sollen herausragende Wissenschafterinnen einem breiten Publikum vorgestellt werden. Neben öffentlichen und allgemein verständlichen Vorträgen sind Treffen mit Schülerinnen und Schülern sowie Diskussionen mit jungen Frauen, Studierenden und NachwuchsforscherInnen vorgesehen.

Die Eröffnungsveranstaltung der Veranstaltungsreihe fand am 20. Oktober im Großen Lesesaal der Universitätsbibliothek der Uni Wien statt. Auf die Beine gestellt wurden die Lectures von der Präsidentin der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft Prof. Dr. Monika Ritsch-Marte. In ihrer Eröffnungsrede sprach sie davon, dass sie in ihrer Jugend viel über Lise Meitner gelesen hat und sie als Vorbild gesehen hat. „Leider“, meinte sie „hat sich seit damals immer noch nicht so viel verändert – besonders auf der Führungsebene“.

Anschließend sprach Minister Hahn noch seinen Senf zur Eröffnung, unter anderem mit der fragwürdigen Aussage, dass das Verhältnis Frauen zu Männern unter den Studierenden in der Studienrichtung Physik doch eh schon 50 zu 50 sei. In der Realität sieht es aber eher nach einem 20%igen Frauenanteil aus. Außerdem sei ihm schon klar, dass einige Förderungen nicht passen aber man müsse eben mutig sein und Sachen ausprobieren. Bleibt nur zu hoffen, dass sie dann in absehbarer Zukunft irgendwann passen.

Danach folgten zwei Vorträge zu "Der Boden auf dem ich stehe: Lise Meitner und Wien" von Dr. Lore Sexl und "Die tiefe Freude an der reinen Erkenntnis: Nachdenken über das Vorbild Lise Meitner" von Charlotte Kerner. Im erstgenannten Vortrag wurde Meitners Biografie aufgerollt, im Zweiten betonte Charlotte Kerner, dass man „neben history auch herstory ausgraben müsse“. Sie stören fehlende weibliche Vorbilder in der Öffentlichkeit dem sie mit ihrer Arbeit als Autorin entgegentritt. Zu ihrer Zeit gab es noch keine Biografie über Lise Meitner, nur einige unzusammenhängende Essays, wodurch sie auf die Idee kam selbst eine zu schreiben.

Mit der Podiumsdiskussion "Frauen in der Wissenschaft: Kein Thema mehr?" mit Dr. Ingela Bruner (Rektorin der Universität für Bodenkultur), Prof. Dr. Renee Schröder (Vizepräsidentin des Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung), Prof. Dr. Gerd Litfin, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und Dr. Helga Stadler, Universität Wien ging die Auftaktveranstaltung langsam zu Ende. Zum Glück war das erste was gesagt wurde eine Korrektur von Hahns Aussage zum Frauenanteil. Heiß diskutiert wurde vor allem das Thema wie wichtig Mentorinnen für Dissertantinnen, Doktorandinnen und die weitere wissenschaftliche Laufbahn für Frauen sind. Die Rektorin der Universität für Bodenkultur meinte, dass sie sehr viel von diesem Konzept hält, denn so bekommen Frauen ein Klima in dem sie sich mehr (zu)trauen können. Am wichtigsten scheint bei Mentoring zu sein, dass es gegen die so genannte „leaky pipeline“ hilft. Die Professorin Dr. Mildred Dresselhaus vom Massachusetts Institute of Technology (USA) meinte zu diesem Problem, dass es so etwas in ihrer Heimat den USA nicht wirklich gäbe; Mentoring und Role-models seien dafür sehr wichtig. Sie selbst nimmt sich zwei Stunden pro Woche für ihre Studentinnen Zeit.

Gerade auf der TU gehört zu diesen Themen noch sehr viel getan. Es mangelt besonders an der Sichtbarkeit von Wissenschafterinnen als Role-models. Einerseits muss man dazu den Frauenanteil unter den Professorinnen erhöhen, andererseits wäre es sinnvoll Hörsäle umzubenennen, auch Büsten von Frauen aufzustellen bzw. Gedenktafeln zu aktualisieren und Veranstaltungen zu diesen Themen zu machen.

http://www.oepg.at http://www.dpg-physik.de/veranstaltungen/lise_meitner/index.html

Autorin: Sarah Satz: Sarah weiß was Kapazitation ist. 3 Wörter: Frauenförderung, Lise Meitner, Wien-Berlin

-- Main.JasminMueller - 26 Nov 2008
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