Strukturelle Probleme von Leistungsstipendien

Mit dem Konzept von Leistungsstipendien hat's was. Und damit meine ich nicht, dass es Menschen gegeneinander aufhetzt, sodass nur die "Besten" (die besten was?) durchkommen und eine kalte, unmenschliche Welt hinterlassen, denn das ist ja die Idee dahinter, oder zumindest die Kehrseite der Medaillie.

Was ich meine ist, dass das Argument "es werden die gefördert, die am fleißigsten arbeiten" nicht wirklich hält. Soweit ich das verstanden habe, funktioniert ein Leistungsstipendium so: Die Liste der Ansuchenden wird aufsteigend nach Durchschnittsnoten sortiert und die obersten n bekommen die Förderung.

Aber wie kommen sie überhaupt zu ihren Durchschnittsnoten? Wie wir wissen, sind Noten kein Bescheid, sondern eher eine Art Gutachten. Sprich, der Prüfkraft steht es vollkommen frei wie sie ihre Noten vergibt, ohne dass dagegen irgendwie berufen werden könnte. Hat unser Max Musterstudent also allerfleißigst für seine Prüfung gelernt und kann alle Fragen perfekt bis ins kleinste Detail beantworten (abgesehen davon, dass der Dümmste Fragen stellen kann, die der Klügste nicht beantworten vermag -- von wem ist das Zitat?) und dem Professor gefallen seine Schuhe nicht kann er ihm trotzdem ein Genügend geben. (Statt Schuhen könnte es natürlich auch das falsche Hemd, ein unpassender Button, das Tattoo, die Hautfarbe, -- choose your favourite -- sein). Genügend deshalb, weil wenn Max die positive Prüfung wiederholen will, hat er nur sechs Monate dafür Zeit. Natürlich komplett nutzlos bei Übungen oder den immer beliebter werdenden VUs.

Das wäre das eine. Dann wäre da noch die schon erwähnte Tatsache, dass allerfleißigst für seine Prüfungen lernt. Für jede einzelne investiert er Tage und Wochen. Was aber, wenn mehrere Prüfungen so nah beieinander sind, dass Max für mehrere Prüfungen gleichzeitig lernen müsste? Dann kommt er in ein Dilemma und entschließt sich, manche Prüfungen erst beim nächsten oder übernächsten Termin zu machen. Zu blöd, dass er dadurch dann irgendwann die Fristen fürs Leistungsstipendium nicht mehr einhalten kann. Oder er lernt halt für alle Prüfungen gleichzeitig und dadurch für jede etwas weniger. Ups, jetzt sind die Noten nicht mehr so gut und Max fliegt aus dem Leistungsstipendium heraus.

Wir haben hier also Max, ein Leistungsschwein, der den ganzen Tag nur lernt und sich mit Ellbogen durch seine Kollegenmassen durchzwängt wo nötig und somit ein sozial inkompetentes Arschloch ist der zu allem Überdruss auch noch den Profs in den Arsch kriecht. Und irgendwann läuft er dann Amok.

Und hier ist noch gar nicht die ganze Genderproblematik angesprochen, denn in solchen Konstellationen beweisen Zahlen recht eindeutig eine reale Ungleichbehandlung.

Damit will ich jetzt auf keinen Fall den bestehenden LeistungsstipendienbezieherInnen nahetreten. Es ist mehr ein "Spaß mit Extrapolation".

-- Main.AndiFink - 22 Nov 2007
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:05 - Main.UnknownUser
 

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