Wie ihr vielleicht schon in den Medien gehört und gelesen habt, kommen mit 1. September 2008 einige Neuerungen betreffend die Studienbeihilfe auf uns zu. Wir möchten euch hiermit umfassend darüber informieren, was sich ändert.

Die unten angeführten Punkte decken natürlich nicht das gesamte Studienförderungsgesetz ab. Es ist daher sinnvoll, euch noch zusätzlich zu informieren bzw. euch von uns informieren zu lassen, wenn Fragen offen bleiben. Don’t hesitate to contact us!

Ausbezahlung:

Bisher wurde dir deine Studienbeihilfe nicht ausbezahlt, wenn sie den monatlichen Betrag von 15 Euro unterschritten hat (dafür hast du aber immer noch die Rückerstattung der Studiengebühren bezogen), ab Wintersemester 2008 werden die Studiengebühren bereits ab dem Betrag von 5 Euro/Monat ausbezahlt (die Rückerstattung bleibt erhalten). Ebenfalls gesunken ist die Grenze des Auszahlungsanspruches für den Studienzuschuss (für Studierende, die keine Studienbeihilfe beziehen) von 150 Euro im Jahr auf 60 Euro im Jahr (ausbezahlt wird 2x jährlich jeweils die Hälfte; zu beantragen ist der Zuschuss gleichzeitig mit dem Antrag auf Studienbeihilfe). Besonders interessant für Studierende, die sich selbst erhalten: Wenn alle notwendigen Unterlagen vorhanden sind, kann der Bescheid bereits vor 1. Oktober (für Sommersemester 1. März) gestellt werden, was in einer früheren Auszahlung resultieren wird. Die zumutbaren Unterhaltsleistungen der Eltern werden neu gestaffelt. Wenn du bisher keine Studienbeihilfe bekommen hast, weil deine Eltern zuviel verdienen, solltest du im Wintersemester unbedingt neu beantragen, vielleicht geht sich‘s jetzt aus :). Die zumutbare Eigenleistung ändert sich ebenfalls. Du darfst jetzt bis 8000 Euro im Jahr verdienen, ohne eine Kürzung der Studienbeihilfe befürchten zu müssen. Eine Unterscheidung zwischen unselbstständiger und selbstständiger Tätigkeit fällt weg (bisher: 5814 bzw. 7195 Euro).

Refundierung der Studiengebühren:

Wenn nicht anders von den Studiengebühren befreit, soll es künftig die Möglichkeit geben, sich die Rückerstattung durch „Mentoring“ (beschrieben als „gemeinnützige Tätigkeit zur pädagogischen Unterstützung im Bildungsbereich“) im Ausmaß von 60 Stunden pro Semester zurückzuverdienen. Die gesetzliche Verankerung hierfür wird mit dieser Novelle geschaffen. Die Richtlinien sind vom Bundesminister für Wissenschaft und Forschung noch festzulegen.

Übergang Bachelor – Master:

Das Masterstudium muss innerhalb von 24 Monaten aufgenommen werden, nachdem das Bachelorstudium abgeschlossen wurde. Außerdem darfst du davor die vorgesehene Studienzeit (6 Semester) deines Bachelorstudium um nicht mehr als 3 Semester überschritten haben. Das heißt: Wenn du deinen Bachelor erst im 10. Semester machst, bekommst du für ein angeschlossenes Masterstudium keine Studienbeihilfe! Achtung! Das bedeutet nicht automatisch, dass du während dem Bachelorstudium Studienbeihilfe bekommst. Hier gilt nach wie vor die Anspruchsdauer von Mindestzeit + 1 Toleranzsemester (sofern keine Verlängerungsgründe* vorliegen). *Verlängerungsgründe können sein: Krankheit, Schwangerschaft, Auslandsaufenthalt, außergewöhnliche Studienbelastungen

Studienwechsel:

Du kannst den Verlust deiner Beihilfe durch einen sog. schädlichen Studienwechsel** "abarbeiten": Wenn du in deinem neuen Studium bereits so viele Semester zurückgelegt hast, wie davor in deinem alten, besteht wieder Anspruch auf Studienbeihilfe. Bei einer Anrechnung von einzelnen Prüfungen aus dem Vorstudium ins aktuelle Studium, rechnet sich mindestens ein Semester zur Zeit des neuen Studiums hinzu. Achtung! Das gilt auch bei nicht schädlichem Wechsel. Die Falle daran: Du studierst Studium 1, weißt früh im Semester, dass du lieber Studium 2 machen willst und legst bereits 1-2 Prüfungen für Studium 2 ab, bevor du umsteigst. Du denkst dir, damit Zeit gewonnen zu haben, weil du die Förderung des ersten Studiums bekommst und die Anspruchsdauerzählung mit Studium 2 neu zu laufen beginnt. Das ist aber nur dann der Fall, wenn du keine Prüfungen für Studium 2 ablegst, während du für Studium 1 inskribiert bist. Die Semesterzählung für Studium 2 beginnt bereits mit der ersten abgelegten Prüfung für jenes Studium. (Im Gesetzestext zu finden unter dem Schlagwort "Vorstudienzeit".) ** schädlicher Studienwechsel = Studienwechsel zu spät (ab dem 3. Semester) oder zu oft (zum 3. Studium)

Studienerfolg:

Das Ausmaß der nachzuweisenden Stunden wird auf alle Studien vereinheitlicht. Nach den ersten beiden Semestern sind wahlweise 30 absolvierte ECTS-Punkte oder 14 abgeschlossene Semesterwochenstunden nachzuweisen – unabhängig von deiner Studienrichtung. Dieser Nachweis darf zur Gänze aus einem Semester erfolgen. Zum Ausschluss der Rückzahlungsverpflichtung 7 ECTS bzw. 4 SWS wenn du nach dem ersten Semester wieder zu studieren aufhörst. Generell: Die Hälfte der nachzuweisenden Leistung, die für den Weiterbezug verlangt wird.

Wenn du bereits nach einem Semester dein Studium gewechselt hast, müssen 15 ECTS / 7 SWS jeweils aus dem ersten und aus dem zweiten Studium nachgewiesen werden, um weiterhin Studienbeihilfe zu beziehen. Bei abschnittslosen Studien, zB Bakk, wird nach dem sechsten Semester ein weiterer Stundennachweis verlangt: 90 ECTS bzw 42 SWS. Beim Master werden nach dem zweiten Semester 20 ECTS bzw 10 SS verlangt, beim Doktorat 12 ECTS bzw 6 SWS. Diplomstudien: Bei verspätetem Abschluss eines Studienabschnittes kommt es nicht zum einstweiligen Erlöschen des Anspruches, wenn du den Studienabschnitt während der Antragsfrist des Folgesemesters abschließt. Beispiel: Dein erster Studienabschnitt beginnt mit Wintersemester 2008 und dauert 3 Semester, dh du hast (3+1 Toleranzsemester = ) 4 Semester Zeit zum Abschluss. Du schließt deinen Abschnitt erst mit November 2010 ab (5. Semester). Dies ist noch innerhalb der Antragsfrist, dh du bekommst die Studienbeihilfe fürs gesamte Semester nachbezahlt. Antragsfrist ist für das Wintersemester ist der 15. Dezember, für das Sommersemester der 15. Mai.

Mobilitätsstipendium:

Ganz neu eingeführt wird das Mobilitätsstipendium. Hier kannst du für ein Studium, das du zur Gänze im Ausland (europäischer Wirtschaftsraum + Schweiz) absolvierst Studienbeihilfe beantragen. Die Hochschulreife muss dabei in Österreich erworben worden sein, und du musst die 5 Jahre vor Aufnahme des Studiums deinen Lebensmittelpunkt in Österreich gehabt haben.

Studieren mit Behinderung:

Anspruch auf Studienbeihilfe besteht, wenn du dein Studium vor Vollendung des 35. Lebensjahres beginnst. Weiters verlängert sich deine Anspruchsdauer bei einer Behinderung von mindestens 50 % um 2 (statt bisher nur ein) Semester.

Studieren mit Kind:

Deine Studienzeit kann jetzt auch für ältere Kinder verlängert werden, nämlich bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr des Kindes (bisher nur bis zum dritten), für dessen Pflege/Erziehung du verpflichtet bist. Allerdings um maximal 2 Semester je Kind. Weiters erhöht sich die Höchststudienbeihilfe pro Kind um 60 Euro monatlich. (Wieso Bundesminister Hahn von 67 Euro redet, ist ungeklärt. Im Nationalratsbeschluss stehen 60.)

Fazit:

Lobenswert ist die wesentliche Verbesserung für behinderte Studierende und Studierende mit Kindern. Besonders freut uns die Einführung des Kinderzuschlages pro Kind. Im Bereich der Studierenden mit Behinderung denken wir, dass noch mehr getan werden müsste.

www.parlinkom.gv.at - 186/BNR (XXIII. GP) Studienförderungsgesetz 1992 www.stipendium.at www.htu.at/sozial - sozref

-- Main.NiciW - 14 Feb 2008
Topic revision: r4 - 29 Mar 2011 - 21:00:03 - Main.UnknownUser
 

Herausgeberin:
Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Technische Universität Wien
(Vorsitzender: Lukas BÜRSTMAYR)
Wiedner Hauptstraße 8-10
1040 Wien
T: +43-1-58801-49501
F: +43-1-58691-54
sekretariat@htu.at