„Qualität“, „Qualitätsmanagement“ und „Qualitätssicherung“ – dies alles sind Begriffe die heute in aller Munde sind. Angeblich gewinnen sie zunehmend an Bedeutung, denn auch die Lehre an den Universitäten bekommt langsam Wind davon und wird aufmerksam. Nur, was ist Qualität in der Lehre? Was macht eine gute Universität aus?

Wie schon in der Bibel steht, ist eine Universität dann gut, wenn ein einzelner großer Kopf für andere große Köpfe großartige Arbeit in der Forschung leistet. Noch bei keiner Bewertung von Universitäten hat man die Lehre vernünftig berücksichtigt gesehen, obwohl seit der Autonomie der Universitäten die Lehre doch an Stellenwert gewonnen hat. Lassen wir jedoch die ganze unnötige Universitätsbewertung einmal beiseite und kommen wir wieder auf die Frage, was ist Qualität in der Lehre, zurück.

Messanordnung

Machen wir einen Streifzug über die Qualität der Lehre an der TU-Wien. Da gibt es Lehrveranstaltungen mit Unterlagen und ohne Unterlagen, manchmal sind es Bücher, ab und zu Vorlesungsunterlagen zum selber ausdrucken, teilweise Links zu Internet-Referenzen und ein andermal gibt es eigens produzierte Skripten.

Die Vortragenden sind mal da, mal nicht, zum Teil rhetorische MeisterInnen, zum Teil gerade aus der Sprachschule geflogen, meistens jedenfalls auf ihre eigene Art exzentrisch. Manche Studierenden dürfen sich glücklich schätzen in ihrer Lehrveranstaltung eine Betreuung zu finden, andere suchen die Lehrveranstaltung an sich (also den Ort) schon vergebens. Froh sind jedenfalls alle, nachdem sie eine Prüfung positiv absolviert haben – woher die Informationen, die ein Bestehen der Prüfung ermöglichten, auch immer herrührten. ZynikerInnen unter uns würden behaupten, dass die Vorlesungen oft nur einen geringen Beitrag zum Erlernen des Stoffes leisten. Doch was macht jetzt die Qualität aus? Wie könnte Qualität in der Lehre gemessen werden? Wie kann man diese wichtigen Ergebnisse anschließend umsetzen?

Raum für Qualität

An der TU-Wien gibt es die allen bekannte Lehrveranstaltungsbewertung über TUWIS. Doch was damit geschieht ist schon weniger ersichtlich. Gute Ansätze sind in jedem Fall erkennbar. So wird versucht, die Qualität des Vortrags, der Unterlagen, der Betreuung und so weiter festzustellen. Doch was nützt das alles ohne ersichtlicher Konsequenz. Ausserdem wären weitere inhaltliche Feststellungen sehr wünschenswert, unabhängig der Lehrveranstaltungsbewertung über TUWIS.

Da wären zum Beispiel das Betreuungsverhältnis, der Inhalt, die Unterlagen, das Lehrziel, sowie die Modalität der Lehrveranstaltung und der Prüfung selbst. Weiters wäre es nicht zu verkehrt auch das gesamte Lernumfeld zu analysieren. Dazu gehören unter anderem die Hörsäle, die Seminarräume, die Lernräume, der Lebensraum und die Infrastruktur. All diese Punkte können zum größten Teil auch ohne Abfragen der Studierenden überprüft und gesichert werden. Was das Lernumfeld betrifft können sich die Studierenden der meisten Studienrichtungen an der TU-Wien halbwegs glücklich schätzen bzw. in hoffnungsvoller Erwartung auf Univercity 2015, auf die Zukunft, freuen. Was Lehrveranstaltungen betrifft so benötigt es einen größeren Anstoß.

Gut beraten?

Ein gutes Betreuungsverhältnis wird durch die Erreichbarkeit der Betreuenden, ihre Art mit Menschen umzugehen, ihr Verständnis, ihre Verständlichkeit, ihre Offenheit, ihre Kompetenz Fragen zu diskutieren und ihre eigene Lernfähigkeit definiert. Hier stellt sich die Frage, ob vorrangig wissenschaftliches Personal im Allgemeinen solch ein Profil in irgendeiner Art und Weise erfüllen können. Zu Sprechstunden finden zeitgleich Konferenzen statt, oder die Betreuenden sind zur Zeit sowieso außer Haus. Teilweise werden die „lächerlichen Fragen“, die fleißige Studierende eigentlich ohnehin schon begriffen haben müssten, müde mit „Sehen Sie im Buch XY Seite 812 nach“ beantwortet. Die gesamte Laufbahn bis zur Professur bezieht sich fast rein auf wissenschaftliche Kompetenzen. Also wundert es kaum, wenn die Fähigkeit zu Lehren nicht selten nur mangelhaft vorhanden ist.

Man könnte sich die Frage stellen, ob nicht ein eigens für die Lehre qualifiziertes Personal in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Personal für die meisten Aufgaben sinnvoller ist. Tutorinnen und Tutoren zeigen als Beispiel hierzu einen meistens sehr gut angenommenen und bewährten Weg. Sie entlasten die Professorin bzw. den Professor und haben selber noch den Ehrgeiz, den Stoff so zu verstehen, dass man ihn auch erklären kann. Dies ist aber nur teilweise eine Lösung für den Inhalt, die Unterlagen, das Lehrziel, sowie die Modalitäten und die Prüfung selbst.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Die Problematik bei den Unterlagen ist oft das Nichtvorhandensein ebendieser. Es ist meistens mühsam herauszufinden, welche Unterlagen zur Aneignung des Lehrinhaltes geeignet sind. Sofern der Lehrinhalt überhaupt hinreichend bekannt ist. Hat man dies einmal geschafft, stellt sich noch die Frage woher Unterlagen zu bekommen sind: „Da gibt es eine gute Mitschrift aus dem Jahre 1802“. Eine möglichst einheitliche Gestaltung und zentrale Erreichbarkeit aller Lehrunterlagen ist ein absolutes Muss an einer modernen Universität. Diese sollten mit Einführung der Lehrveranstaltung erstellt werden und später auch einer adäquaten Versionierung unterliegen.

Die Inhalte, das Lehrziel, sowie die Modalitäten sind wohl Dinge, die ebenfalls einmal festgelegt gehören. Eigentlich sollten diese in den Studienplänen stehen. Es erweckt den Eindruck, dass die Studienpläne nur zur Verteilung der Vortragenden dienen und diese dann tun was ihnen Spaß macht oder auch nicht, weil sie keine Zeit haben sich intensiv damit zu beschäftigen. So kommt es vor, dass sich von Semester zu Semester der Inhalt, die Unterlagen, das Lehrziel, die Modalitäten, bis hin zum gesamten erwähnten Betreuungsverhältnis bei ein und derselben Lehrveranstaltung schlichtweg alles ändert.

Das Beste zum Schluss

Kommen wir nun zum Abschluss, der Prüfung. Erfreulich ist hier, dass sich die Studierenden bis heute wenigstens ihre Prüferinnen und Prüfer, welche nahezu immer auch Vortragende sind, und somit alles rundherum aussuchen können, auch wenn dies ab und zu eine lange Wartezeit benötigt. Konzepte für gute Prüfungsverhältnisse gibt es viele. Die Voraussetzungen sind jedoch eine funktionierende Lehre. Unberücksichtigt bleibt das gesamte bürokratische Geschehen im Hintergrund, welches die Lehre zurzeit gestaltet und daher auch Hauptursache für alle Details im Bezug auf diese ist, angefangen von den Abgeltungen für Leistungen in der Lehre bis hin zu den Entscheidungsstrukturen und ihren Verbindungen.

Manager of Quality

Was nun noch fehlt ist die Frage des Qualitätsmanagements. Das oberste Gebot hierzu ist eine gewisse Unabhängigkeit sowie Schutz der Beurteilenden. Dazu kommt die Fähigkeit, sowohl in Arbeitsstärken als auch Einflussmöglichkeiten entsprechende Rückmeldungen und Verbesserungen vornehmen zu können. Am einfachsten wären hier wohl öffentliche, qualitative sowie quantitative Schleifen, deren ordnungsgemäße Ausführung überwacht wird. Die Gestaltung dieser geht aus den bisherigen Ausführungen bereits hervor. Als Herausforderung erscheint nur die Beurteilung der Details, die auf Vortragende bzw. Betreuende zurückzuführen sind, sowie die endgültige Gestaltung der Prüfungen.

Die Gestaltung der Lehre in der Zukunft lässt Raum für Spannung und auch Hoffnung. Wünschenswert wäre wenn wirklich alle, die mit der Lehre beschäftigt sind, sich einmal einen Ruck geben, ihre vermeintliche Exzellenz zur Seite stellen und sich ein wenig in das lernende Getümmel hinein denken. Und auch dessen Kritik ohne Angst, ihre Größe, Erhabenheit und Herrschaft zu verlieren, aufnehmen.

-- Main.NiciW - 20 Feb 2008 -- Main.MatthiasNowak - 26 Feb 2008
Topic revision: r3 - 29 Mar 2011 - 21:00:06 - Main.UnknownUser
 

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