It's just a jump to the left!

„Jumper“ von Doug Liman

David (Hayden Christensen) ist Schüler an einer Highschool in einem Vorort von Detroit. Seine Mutter hat die Familie verlassen als er fünf war, und sein Vater sieht seine elterlichen Pflichten in Fernsehen und Rumbrüllen erfüllt. Er ist in Millie (Rachel Bilson) verliebt, die in seine Schule geht und wird von seinen Mitschülern gehänselt. Die übliche Außenseiter-Biographie also, wie man sie z.B. aus Spider-Man kennt. Und wie beim Spinnenmann kommt auch hier der Moment, in dem der Protagonist seine übermenschlichen Fähigkeiten entdeckt. David bricht auf einem zugefrorenen Fluss durch die Eisdecke, wird vom Wasser mitgerissen und droht zu ertrinken. Doch plötzlich platscht er mitten zwischen den Bücherregalen der örtlichen Bibliothek. Nachdem sich dieses Phänomen einige Male wiederholt, erkennt er, dass er die Fähigkeit sich zu teleportieren besitzt, im Jargon des Films heißt so jemand "Jumper". Allerdings gibt es die Einschränkung, dass er sich nur an Orte beamen kann, die er zuvor schon einmal mit eigenen Augen gesehen hat.

Da alle annehmen, dass er im Fluss ertrunken ist, nutzt David die Gelegenheit zur Flucht aus seinem bisherigen, unglücklichen Leben. Er begibt sich nach New York. Die Beschaffung von Geld ist ihm ein Leichtes, denn zum Glück ist in der Bank seines Vertrauens die Kundentoilette direkt neben dem großen Tresor gelegen. David kann also einen Blick durch die geöffnete Tür werfen (ach diese Zufälle!), beamt sich des Nachts rein und schwubdiwupp ist er ein reicher Mann.

Infolgedessen genießt er ein luxuriöses Leben und springt nach Belieben zwischen den Kontinenten hin und her. Er gibt den ultimativen Touristen. Uneingeschränkter Reisekomfort, dank der Segnungen der Teleportation. Die entlegensten Destinationen sind nur einen kleinen Sprung entfernt, da kann keine Billigairline mithalten. Das Problem ist nur, dass ein Reiseziel nicht viel hermacht, wenn man den Weg dorthin wegläßt. Wenn es allein ums Dortgewesensein geht, verkommt die Welt zu einer Serie von Panoramaschnappschüssen, wie man sie an den Wänden in David Designerappartment sehen kann. Die Sphinx, Big Ben, das Colloseum, Tokio bei Nacht - alles nur Kulisse und so mitreißend wie Großvatis Diaschau von der letztjährigen Nilkreuzfahrt. Und genau so fühlt sich der ganze Film an. Die Handlung ist formelhaft zusammengesetzt und wird in teils absurden Wendungen vorangetrieben. Als David Jahre nach seinem vermeintlichen Unfalltod in seine Heimatstadt zurückkehrt, sorgt seine anscheinende Auferstehung für keinerlei Verwunderung unter seinen alten Bekannten. Aber nicht nur die Nebenfiguren auch die Hauptcharaktere bleiben eindimensional und blutleer. Reine Postkartenmotive vor CGI-Hintergrund.

Davids bequemes Neureichen-Dasein endet schließlich abrupt als sich herausstellt, dass er nicht der einzige Jumper ist und dass ihm die sogenannten Paladine auf den Fersen sind. Bei diesen, so erfährt man, handelt es sich um eine Gruppe religiöser Fanatiker, die es sich vor Jahrhunderten zur Aufgabe gemacht haben das blasphemische Treiben der Jumper zu beenden. Die Fähigkeit zur Teleportation gilt unter Paladinen nämlich als nicht gottgefällig und muss mit dem Tod bestraft werden. Den Anführer dieser inquisitorischen Zeloten gibt Samuel L. Jackson mit weißer Kurzhaarperücke und grenzenloser Grimmigkeit.

Ab jetzt wird also gekämpft. Kawumms! David verbündet sich mit einem zweiten Jumper (Jamie Bell) gegen die bösen Paladine, die ihnen mit Netzen und Elektroschockern an den Kragen wollen. Quer über den Globus geht das Gerangel bis der Film sehr plötzlich zu Ende geht (keine Sekunde zu früh, wie ich meine) und alle wichtigen Handlungsstränge so offensichtlich unaufgelöst bleiben, dass einem der beißende Geruch einer möglichen Fortsetzung schon in schwefeligen Schwaden in die Nase steigt.

Jumper Regie: Doug Liman ab 28.3. im Kino

-lukas

Lukas Peyker studiert Maschinenbau und mag das Kino.

-- Main.NiciW - 17 Mar 2008
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