Herr Hader, wie können Sie sich mit der Rolle des Simon Brenner identifizieren?


Das ist hier ein spezieller Fall, weil man ja auch am Drehbuch mitschreibt. Das heißt, man sucht erst einmal lange nach der Geschichte, man bemüht sich, die Geschichte von Fassung zu Fassung immer besser zu machen. Und damit die Geschichte gut ist, kümmert man sich nicht so stark um die eigene Figur, sondern versucht sich um alle gleich zu kümmern. Und dann - meistens viel zu spät, kümmert man sich plötzlich um die eigene Figur. Insgesamt ist es schon viel interessanter, wenn man mitschreibt, weil Schreiben ist, finde ich, so ziemlich das geilste an der Arbeit, die ich mache, aber es ist nicht so, dass es dadurch leichter zu spielen ist, oder dass man dadurch eine innigere Beziehung zur Figur entwickelt, sondern umgekehrt. Man wird oft eher von der Figur getrennt, oder auf Distanz gehalten, weil man so nahe an der Geschichte ist, als Autor.



Wie wichtig war die Vorlage des Romans für das Drehbuch?


Die Absicht ist immer, dass man gemeinsam überlegt, der Regisseur, Wolf Haas - also der Autor der Bücher, und ich, wie weit will man weggehen von der Geschichte, welche Grundmotive sollen unbedingt erhalten bleiben? Welche Ereignisse geben wir da hinein, wo doch die Romane von Wolf Haas durch eine gewisse Ereignislosigkeit geprägt sind, wo in den Romanen genau das das Spannende ist? Das kann man in den Film nicht übersetzen. Da definieren wir dann, wie weit wir von der Geschichte weggehen wollen, mit dem Ziel, dass am Schluss dann ein Film herauskommt, der wieder mit Wolf Haas zu tun hat.



Wie lief die Zusammenarbeit mit Wolf Haas, kam es manchmal zu Konflikten?


Die gibt es immer. Also wir haben den Film als Drehbuchteam geschrieben - Wolfgang Murnberger, der Regisseur, Wolf Haas, der Buchautor und ich – und wir sind es schon gewohnt, dass wir uns zusammenstreiten müssen. Wir haben acht Fassungen geschrieben, haben aber schon von den letzten beiden Filmen gewusst, das bringt etwas. Auch wenn es jetzt momentan einmal unangenehm ist, wenn man sagen muss, es gefällt einem etwas nicht, oder dass man sich von den anderen anhören muss: „Du, was du da geschrieben hast, gefällt uns nicht“, das sind alles keine angenehmen Prozesse. Aber wir haben schon ein gewisses Vertrauen, dass wir dadurch am Schluss ein gutes Drehbuch haben. Es ist ein Streiten miteinander, ohne dass wir uns Zerstreiten.



Sie haben ja ursprünglich Lehramt studiert. Wie sind Sie dann zum Kabarett gekommen?


Ich habe in der Schule schon Kabarett gemacht. Dann habe ich als Amateur immer wieder Programme gemacht und daneben studiert. Irgendwann ist das mit dem Kabarett so stark geworden, dass ich immer weniger studiert hab. Dann war ich noch eine Weile inskribiert, weil man ja damals Vorteile davon hatte ein Student zu sein und nicht Nachteile, so wie heutzutage. Und dann hab ich aufgehört, habe beschlossen, kein Student mehr zu sein. Da war ich aber eigentlich schon hauptberuflich Kabarettist. Ich bin also als Student immer stärker in den Beruf des Kabarettisten hineingeschlittert, kann man sagen.



Wünschen Sie sich manchmal, dass Sie weitergemacht hätten?


Ich bin mir nicht sicher, ob ich glücklicher wär, wenn ich Lehrer wär, ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ich unglücklicher wär, ich weiß es nicht. Ich finde beide Berufe haben ihre Schwierigkeiten und beide Berufe schauen von außen vielleicht leichter aus und müheloser als sie sind, beide Berufe können einen zu einem frustrierten Alkoholiker machen. Also weder Bedauern, noch dass ich froh wäre, dem entronnen zu sein.



Was gefällt Ihnen besser, Kabarett oder Film?


Der Hauptspaß ist der, dass man in einem Beruf so viele verschiedene Dinge machen kann. Weil jedes für sich betrachtet, würde mit der Zeit schwierig werden, wenn man nur schreibt, wenn man nur herumfährt und Programme spielt, wenn man nur dreht. Das ist alles mit der Zeit und auf Dauer ein bisschen frustrierend. Möglicherweise auch dadurch, dass man, wenn man nur Filme spielen würde, nicht nur welche aussuchen könnte, hinter denen man voll steht. Bei mir ist es so, wenn ich ein Angebot bekomme, wo mir der Film nicht hundertprozentig gefällt, sage ich, da spiel ich lieber Kabarett. Ich muss aber auch nicht jeden Auftritt annehmen, weil ich ja dazwischen Film habe, es ist also eine rundum luxuriöse Situation. Ich kann den Beruf nur jedem weiterempfehlen.



Beeinflussen sich Film und Bühne gegenseitig?


Ein bisschen schon, zum Beispiel ist das letzte Kabarettprogramm ein bisschen wie ein Film gemacht - aber nur, weil das Thema so war, dass ich es in dieser Form behandeln wollte. Dagegen kann man gar nichts tun, dass sich das beeinflusst, das geht völlig von selber. Das ist so, wie wenn ich sage: „Ihr habt eine Beziehung zueinander, beeinflusst ihr euch?“ Das ist völlig automatisch. Und genauso automatisch ist es, wenn man so verwandte Dinge hintereinander macht, dann ist immer das eine vom andern ein bisschen beeinflusst. Man darf es nur nicht verwechseln, es gibt Dinge auf der Bühne gehen und im Film nicht und umgekehrt. Und da muss man halt gut überlegen, was wo funktioniert. Aber man darf auch nicht garnichts mehr probieren. Jetzt hab ich also probiert, filmische Elemente ins Kabarett zu integrieren, was am Anfang sehr schwer war. Trotzdem ist aber etwas interessantes herausgekommen.



Wie kam es zu den Auftritten im Audimax der Uni Wien?


Ich hatte damals den Eindruck, jetzt ist er noch stärker, dass in die Kabaretttheater nicht mehr viele junge Leute gehen. Und ich habe dann überlegt, was kann man dagegen tun? Diese ganzen Theater haben ihre Entstehung in den späten 80er-Jahren und damals sind Studenten hingegangen - dieselben Studenten gehen immer noch hin, sie sind jetzt eben 20 Jahre älter - und das ist kein Angebot mehr. Um nun an junge Zuschauer heranzukommen, haben wir die Idee geboren, dass wir an die Uni gehen und haben das teilweise auch in Linz oder Klagenfurt an der Uni gemacht, auch in Salzburg. Dadurch haben wir plötzlich ein ganz neues Publikum bekommen, aus allen Bundesländern, weil ja auf den Unis alle Bundesländer vertreten sind. Und auf Grund der Tatsache, dass das so ein gemischtes Publikum ist, das auf sich nimmt, auf diesen Bänken zu sitzen, mit den Ellbogen auf diesen Pulten zu lehnen, ist es schon automatisch ein gutes Publikum. Ins Audimax kommen nur Menschen, die das wirklich sehen wollen. Oder Studenten, weil es billiger ist, das ist aber auch in Ordnung. Studenten sind einfach ein gutes Publikum, sie sind jünger und junge Leute sind irgendwie ein besseres Publikum – zumindest für mich – weil meine Programme an und für sich immer ein bisschen mit Überraschungen arbeiten und mit unüblichen Dingen, und da tun sich oft jüngere Leute leichter.



Wie ist es, den ganzen Tag Interviews zu geben? Gibt es etwas, von dem Sie sich wundern, dass es noch niemand gefragt hat?


Also ich wüsste überhaupt nicht, wie man sowas macht. Es gibt Journalisten, die reden mit mir und ich denke mir nachher, die haben geschickte Sachen gefragt, aber das sehe ich erst, wenn das ganze Gespräch vor mir liegt, und ich denke mir, das ist ein gutes Gespräch geworden. Beim Gespräch selber fällt mir das nicht so auf. Es ist natürlich auch eine Kunst, so etwas zu können. Und ich glaube, dass andererseits wir, die wir auf der anderen Seite sind und seit vielen Jahren schon Antworten geben, wahrscheinlich auch ganz schlechte Frager sind. Und ich wüsste nicht, was ich mich jetzt fragen könnte, was besonders interessant wäre. Die Journalisten die kommen, sind die ersten, die den Film gesehen haben, es ist das erste Publikum, mit dem man zu tun hat und drum find ich das immer so spannend. Mein Bestreben beim Gespräch ist meistens, unauffällig rauszukriegen, was der von dem Film hält. Insofern wird mir nicht fad dabei. Und insofern sind ja die Journalisten die Botschafter des Publikums, die einem ein bisschen einen Eindruck mache, wie es sein könnte.




Mögliche Highlight-Sätze: „Schreiben ist, finde ich, so ziemlich das geilste an der Arbeit, die ich mache“ „Es ist ein Streiten miteinander, ohne dass wir uns Zerstreiten.“ „…weil man ja damals Vorteile davon hatte ein Student zu sein und nicht Nachteile, so wie heutzutage.“ „Ich kann den Beruf nur jedem weiterempfehlen.“ „Studenten sind einfach ein gutes Publikum, sie sind jünger und junge Leute sind irgendwie ein besseres Publikum“

-- Main.JasminMueller - 15 Mar 2009

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