Von Rosen- und Steingärten

In der Podiumsdiskussion „f(x) - Technik hoch Management“ am 13. November 2008 hat Top-Managerin DIin Beate Guschal mit drei weiteren Gästen das Thema „Was bringt die TU für’s Leben?“ hinterfragt. Mag. Werner Sommer, der die Moderation für den Abend übernommen hat, konnte den eingeladenen Gästen mit gezielten Fragen einige Tipps entlocken, von dem die Anwesenden, von ihnen viele Studierende, profitieren konnten. Für jene, die nicht dabei waren, hier noch einmal kurz das Wichtigste zusammengefasst.

Unter den Gästen fanden sich DIin Beate Guschal, ausgezeichnet als TechWoman-of-the-Year 2005, derzeit europaweit tätig für Carrier Kältetechnik Austria, DIin Drin Ille Gebeshuber, Universitätsassistentin am Institut für Allgemeine Physik an der TU Wien, Erich Pichorner, Geschäftsführer von Manpower Österreich und Alexandra von Beringe, Studentin der Studienrichtung Geodäsie. Mag. Werner Sommer, Pressesprecher und Assistent des Rektors der TU Wien hat das Gespräch geleitet.

„Ich bin eine One-Woman-Show!“

Gleich auf ihre erste Antwort hat Beate Guschal Sympathiewerte bei den Studierenden gewonnen, in dem sie zugegeben hat, es auch nicht immer gleich beim ersten Prüfungsantritt geschafft zu haben. Sie sieht dieses „Nicht-unterkriegen-lassen“, diese Hartnäckigkeit, die sie durch das Studium gelernt hat, als Vorteil ihrer jetzigen Arbeit. Bloß mehr Englisch auf der Uni, diese Vorbereitung aufs Berufsleben hätte sie sich intensiver gewünscht. Es ist aus ihrer Sicht und der von Ille Gebeshuber nicht das „Fachenglisch“, sondern das Überwinden, englisch zu kommunizieren. Dazu gehört nicht nur das Sprechen, auch Lesen, Schreiben, Artikulation und Präsentation sind enorm wichtig. Es gehört viel Überzeugungsarbeit zu ihrem Beruf, da sie innerhalb ihrer Firma als Consulterin auftritt. Dazu formulierte sie: „Ich bin eine One-Woman-Show!“ – das verdeutlicht sich, wenn man weiß, dass ihr innerhalb ihres Tätigkeitsbereichs niemand weisungsgebunden ist und sie nur mit Überzeugungsarbeit agieren kann.

Zum Thema Sprachen meinte Erich Pichorner, dass das Lernen von Sprachen unbedingt empfehlenswert ist, im besten Fall im Rahmen von Studien-Austauschprogrammen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob dieser Auslandsaufenthalt das Studium verlängert, weiß er durch seine Erfahrung als Job-Vermittler zu berichten. Auch Ille Gebeshuber schätzt gewonnenes Wissen durch Auslandsaufenthalte sehr. Studierende können so unglaublich viel lernen, sogar, wenn sie keine einzige Prüfung machen, das ist völlig irrelevant. Und sinngemäß weiter: Die Erfahrung, die soziale Kompetenz und das Kennenlernen anderer Kulturen, anderer Herangehensweisen an die Wissenschaft – es ist soviel, was man auf der eigenen Universität nie so wirkungsvoll lernen kann.

Ein weiteres Thema, das die Gesprächsrunde behandelte war der geringe Prozentsatz an Technikerinnen, der auf Universitäten genauso wie im Berufsfeld gilt. Daran anknüpfend stellte Werner Sommer die Frage, ob von Unternehmen mehr Technikerinnen nachgefragt werden oder allgemein nach Technischem Personal, also geschlechtsgetreu formuliert. Neben der unerlaubten geschlechtsspezifischen Ausschreibung einer freien Stelle machte Pichorner klar, dass der Mangel an TechnikerInnen allgemein so niedrig ist, dass sich eine Firma nicht zusätzlich den Anspruch einer ‚einseitigen’ Suche leisten kann. Firmen sollten über jede Technikerin und jeden Techniker froh sein. Weiters verwies er auf internationale Studien, die zusammengefasst von 70.000 bis 100.000 fehlenden technischen Fachkräften in Europa ausgehen. Erich Pichorner sieht in dieser Spanne eine realistische Zahl.

Von dieser Realität der fehlenden Fachkräfte weiß auch Alexandra von Beringe zu berichten. Auf die Frage, ob sie sich Sorgen um ihre Zukunft macht, antwortet sie mit einem klaren Nein. Ehemalige KollegInnen, so erzählt sie, konnten aus mehreren Jobangeboten wählen, obwohl die Nachfrage...

Frauen und Kinder zu erst!

Nach dem interessanten ersten Teil wurde im zweiten schließlich das Publikum um Fragen gebeten. Fast schon unüberraschend wurde nachgefragt, ob Kind und Karriere tatsächlich vereinbar wären, denn Frauen im gebärfähigen Alter können für ein Unternehmen im Fall einer Schwangerschaft einen Arbeitskraftausfall über Monate bedeuten. Ein Wiedereinstieg in den Beruf, genauer, in die gleiche Position wie vorher zu kommen, stellt sich in der Regel als unrealistisch dar. Überraschend war die Antwort: Sehr wohl sei es vereinbar, berichtet Beate Guschal. Einige ihrer Kolleginnen haben diese Brücke zu schlagen geschafft. Flexibilität der Firma, nicht die der Mutter (!) muss im Fall der Kinderbetreuung vorherrschen.

Im Kleingedruckten findet sich allerdings der Zusatz, dass sich eher nur große Unternehmen „moderne Karriere-Mütter“ leisten können. Firmeneigene Kinderbetreuungseinrichtungen wie z.B. Betriebskindergärten (auch die TU Wien hat einen) unterstützen Familien dadurch wesentlich. Der Rat an die Zuhörerinnen war deutlich zu hören, nämlich zu erst an sich und die Familie(-nplanung) zu denken. Unternehmen haben letztendlich keine Wahl, sie müssen zeitgemäße Arbeitsverhältnisse entwickeln, um qualifizierte Technikerinnen und deren Ressourcen zu gewinnen.

„Die Technik ist weiblich!“

Doch woran liegt es, dass so wenige Frauen ein technisches Studium belegen? Nach nur einem Grund zu suchen, wäre zu einfach, es gibt wohl mehrere. Es fängt wahrscheinlich mit den klassischen Rollenbildern an, die Eltern ihren Kindern vorgeben. Bilderbücher erklären schon Autos und Baustellen, die den Buben gezeigt werden, während Mädchen Puppen in den Händen halten, die sie später frisieren und mit ihnen Teekränzchen veranstalten. In der Schule wird technisches zu theoretisch gelehrt und deshalb uninteressant gemacht. Ille Gebeshuber berichtete, dass ihr viele Physikstudentinnen und -studenten erzählen, wie sehr Physik auf der Universität erst richtig spannend wird und Spaß macht. Auch sie selbst wäre durch den Physikunterricht in ihrer Schulzeit, damals „ungefähr das uninteressanteste Unterrichtsfach“, nie darauf gekommen, Technische Physik zu studieren. So sieht sie es als unerlässlich, den Unterricht an Schulen praxisnäher zu gestalten, dass Jugendliche im Alter von 14 Jahren oder sogar schon davor technische Interessen entdecken können.

Für manche Eltern dürfte es nach wie vor schwierig sein, Mädchen in Höhere Technische Lehranstalten gehen zu lassen. Auch Beate Guschal musste sich von ihrer Mutter anhören, „ob sie sich das wirklich antun wolle“. Aber was soll „antun“ eigentlich bedeuten? Ist es Unsicherheit und Sorge der Eltern, ihr unverdorbenes Mädchen in eine Horde pubertierender Burschen zu stecken? Wenn es das sein sollte, dann ist es immerhin ein gutes Training für das spätere Leben sich durchzusetzen. Und die Männerdominierte Technische Universität? Da wird sich auch nichts von alleine ändern (außer es tritt der Kriegsfall ein, in dem tausende Männer eingezogen werden). Wenn man Mädels ständig mit Angst konfrontiert, anstatt ihr Interesse zu fördern, dann wird sich der Frauenanteil der Studierendenschaft nicht so schnell heben. „Wenn mir auch oft Steine in den Weg gelegt wurden, so wurden mir genau so oft Rosen gestreut“ gab Gebeshuber bekannt. Beate Guschal ergänzte mit: „Es ist ein Rosengarten – Rosen wie Dornen!“ - „Ein Steingarten und ein Rosengarten gemischt“, wie Werner Sommer schließlich kombinierte trifft auf das Studium, auf das Leben und auf alles zu, was eben so passiert.

Florian Jeritsch

Die Podiumsdiskussion der HTU ist unter www.htu.at/technikerinnen als Audio- und Videodatei abrufbar und wird durch den Erfolg im nächsten Semester mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt.

-- Main.FlorianPoeltl - 12 Jan 2009
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:02 - Main.UnknownUser
 

Herausgeberin:
Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Technische Universität Wien
(Vorsitzender: Lukas BÜRSTMAYR)
Wiedner Hauptstraße 8-10
1040 Wien
T: +43-1-58801-49501
F: +43-1-58691-54
sekretariat@htu.at