Liebe Leserinnen und LeserInnen,

So müsste ich diesen Artikel wohl beginnen, damit auch die letzte Verfechterin der Gender Studies - zu Deutsch interessanterweise „Frauen- und Geschlechterforschung“ - zufriedengestellt ist. Aber Spaß beiseite. Wie der Leser (und ja, auch Frauen dürfen sich angesprochen fühlen) vielleicht schon ahnt, bin ich eine entschiedene Gegnerin der Geschlechterdifferenzierung in der Sprache. Der Grund dafür ist ganz einfach - meiner Meinung nach ist sie unnötig.
Der Leser, den ich zuvor angesprochen habe, ist beispielsweise nach Definition „eine lesende Person“ (Wikipedia) und nicht etwa „ein lesender Mann“. Genau genommen sollten sich die Männer diskriminiert fühlen, es heißt schließlich die Person, damit werden ganz klar nur Frauen angesprochen. Aber so genau nehmen wir es ja nicht. Was wir aber genau nehmen ist, dass das geschlechtsneutrale Männchen auf der Ampel definitiv keine Frau ist, was Frauen gegenüber sehr unfair ist. Was wir genau nehmen ist, dass es in der Nationalhymne „Heimat bist du großer Söhne heißt“, was natürlich ein Grund wäre unsere gesamte traditionelle Hymne umzuschreiben.
Ich frage mich ja, wie man überhaupt auf sowas kommt. Psychologisch betrachtet würde ich meinen, jemand, der sich bei jeder Kleinigkeit diskriminiert fühlt, hat starke Selbstzweifel. Ich denke, der Grund, warum viele immer noch Männer als das stärkere Geschlecht ansehen, ist, dass viele Frauen sich einfach als das schwache Geschlecht darstellen. Gutes Beispiel: Im Elektrofachmarkt hört man oft die Durchsage: „Eine Dame von der Info bitte Klappe soundso anrufen!“. Nun arbeitet aber auch ein Mann bei der Info. Was tut dieser Mann? Er meldet sich am Telefon lachend mit: „Ja, hier die Dame von der Info.“ Ich habe ihn noch nie sagen hören: „Ich ruf' jetzt sicher nicht an, ich fühle mich diskriminiert. Ich gehe auf der Stelle zum Salzamt und beschwere mich bei jemandem, den das nicht interessiert.“
Wer mit Selbstbewusstsein auftritt, wird auch nicht diskriminiert. Natürlich wird man immer etwas finden können, dass als frauenfeindlich interpretiert werden kann, aber Selbstbewusstsein heißt für mich in diesem Zusammenhang, zu akzeptieren, dass auch eine Frau ein Leser sein kann, ohne sich dabei übervorteilt zu fühlen. Also, liebe Leser (selbstbewusste Frauen dürfen sich jetzt angesprochen fühlen), das ist meine Meinung zu diesem Thema und ich hoffe, auf der Ampel auch weiterhin ein geschlechtsneutrales Männchen zu finden, denn sonst fände ich das sehr diskriminierend.

Jasmin, Studentin
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:06 - Main.UnknownUser
 

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