„Der europäische Hochschulraum“, „Europa – das weltweite Zentrum der Bildung“, „Europäische Dimension und Mobilität im Hochschulwesen“, dies sind alles gesteckte Ziele des viel diskutierten Bolognaprozesses. Dabei ist jedem Land vollkommen freigestellt, wie es die Ziele der zahlreichen Bologna-Papiere umsetzt und vertritt. Österreich ist hierbei einen sehr unreflektierten und einfachen Weg gegangen, der mittlerweile an unseren Universitäten gewaltige Auswirkungen hat.

Mit dem Universitätsgesetz 2002 wurden die Universitäten Österreichs in die Autonomie entlassen. Parallel dazu ist die Struktur der Studienpläne umgestellt worden und das Europe Credit Transfer System (ECTS) eingeführt worden und einiges mehr. Dies alles sind ursprünglich Ideen des Bolognaprozesses. Die Ideen unter dem Namen Bologna selber sind eigentlich sehr gut und in vielerlei Hinsicht vorteilhaft für Lehre und Wissenschaft sowie auch für die Studierenden. Bologna sah unter anderem vor, dass in ganz Europa ein Leistungspunktesystem zur Förderung größtmöglicher Mobilität umgesetzt wird. Alle Länder sollen ein System leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, im Wesentlichen auf zwei Hauptstufen, implementieren. Die Hochschulausbildung soll ein als öffentliches Gut und Studierende als gleichberechtigte Mitglieder der Hochschulgemeinschaft betrachtet werden.

Die Möglichkeit des freien und spontanen Austausches von Studierenden sowie wissenschaftlichem Personal soll ermöglicht und der intereuropäische Wissenstransfer vergrößert werden, um eine größtmögliche Mobilität zu gewährleisten.

Probleme mit der Umsetzung

Umgesetzt wurde von alldem leider nichts. So sah Bologna nicht zwingend das bereits wesentlich ältere ECTS System vor, welches in der jetzigen österreichischen Implementierung die ursprünglichen Richtlinien kaum berücksichtigt. Es spiegelt nicht wie gedacht den Arbeitsaufwand wieder, noch ist eine Vergleichbarkeit gewährleistet. Daher ist das ECTS zu einem nicht funktionierenden, verkorksten Studieneinteilungssystem verkommen.

Das ursprünglich zweistufige Ausbildungssystem wurde in Österreich mit fixen sechs Semestern Bachelor- und vier oder mehr Semestern Masterstudium umgesetzt. Die Vorgaben, dass der Bachelor eine Berufsbildung beinhaltet und das Masterstudium eine wissenschaftliche Ausbildung, machen das System in einigen Studiengängen undurchführbar. Es ist auch die Vereinheitlichung des Aufwands aller Studien Österreichs sehr verfehlt. So fordert ein Studium mit etwa 140 Semesterwochenstunden heute den selben Aufwand wie ein Studium mit 230 Semesterwochenstunden.

Master of Desaster

Dazu kommt eine absolut fehlende Regelung für das Inskribieren eines Masterstudiums, wobei weitere Studienverzögerungen die Folge sind. Die Bachelorstudien haben keine Equivalenz, man muss zusätzliche Fächer nachholen, sodass es heute nicht mehr möglich ist von einer Bildungsstätte zur anderen zu wechseln.

Anders herum auch sicherlich nicht blöd, wenn man bedenkt dass ein/e HTL-Absolvent/in mit nur drei Semestern zu einem Master an einer Fachhochschule kommt, und damit Anspruch auf ein Doktoratsstudium stellt. Jedoch, dass ein/e Bachelor-Absolvent/in der TU-Wien kein Masterstudium an der TU-Graz inskribieren kann, ohne dass zusätzliche Auflagen erteilt werden und umgekehrt ist empörend.

Die einzige regelnde Möglichkeit der Universitäten sind zur Zeit Prüfungsketten, welche mit allen Mitteln zu verhindert gehören.

Was wohl die Zukunft bringt…?

Abschließend ist nur zu hoffen, keinesfalls darauf zu wetten, dass mit der bevorstehenden Novellierung des Universitätsgesetzes endlich auch die fehlenden Regelungen angegangen werden, beziehungsweise das System in eine anwendbare Form gebracht wird und ein barierrefreies Weiterstudieren des Masterstudiums ermöglicht wird, sowie die Idee eines mobilen Studierens eine Chance bekommt.

Lukas, Nicolette, Matthias

-- Main.MatthiasNowak - 20 Mar 2008
Topic revision: r2 - 29 Mar 2011 - 21:00:03 - Main.UnknownUser
 

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