Am 22. Juni 1995 wurde auf Initiative der HTU und nach einstimmigem Senatsbeschluss im ersten Hof des Hauptgebäudes der TU Wien eine Tafel zum „Gedenken an die Opfer von Rassismus und Faschismus im Bewusstsein der politischen Verantwortung der Technischen Universität“ feierlich enthüllt.
Damit war, 50 Jahre nach der Befreiung, erstmals von einer österreichischen Universität ein längst fälliges Zeichen bleibender Erinnerung gesetzt worden und zugleich für das „politische Verantwortung“ übernommen, was Mitgliedern der Hochschule in den Jahren 1938 bis 1945 an Unrecht widerfahren ist.
Gleichzeitig war die Mehrdeutigkeit dieser Formulierung bewusst gewählt und sollte für die Betrachter*innen auch den Bogen zur „braunen Gegenwart“ , der rechtsextremen Gewalt der 1990er, spannen.
Am 9. November, dem Erinnerungstag der Novemberpogrome 1938, wollen wir um 16 Uhr gemeinsam mit Rektorat, Senatsvorsitz, dem Archiv der TU Wien und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) an der Gedenktafel in Hof 1 einen Kranz niederlegen und anhand ausgewählter Biographien all jener Studierenden und Angehörigen der TU Wien gedenken, die während der nationalsozialistischen Herrschaft aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt wurden.

In den Redebeiträgen werden wir auch Fragen zur institutionellen Geschichte und zu ideologischen Verflechtungen an der TU Wien kurz anschneiden:
- Wie lief die nationalsozialistische Machtübernahme 1938 an der TU (damals: Technische Hochschule) ab? Wie wurden die Erlässe der Unterrichtsbehörden zur Vertreibung jüdischer Studierender, Lehrender und Angestellter von der Hochschulverwaltung umgesetzt?
- Welchen Einfluss hatte völkisch-nationales Denken bereits in den 1920er Jahren auf erlassene Zugangsbeschränkungen? Welche Haltung vertraten Hochschulfunktionär*innen zur nationalsozialistischen Ideologie?
- Wie rigoros erfolgte die Entnazifizierung an den österreichischen Universitäten nach 1945? Wo gab es personelle Kontinuitäten, wo Brüche? Wo treten im akademischen Umfeld ideologische Kontinuitäten auf, von 1945 über die 1990er Jahre bis heute?
Alle Studierenden, Angestellte, Absolvent*innen und Interessierte sind eingeladen, an der Feier teilzunehmen und mit uns gemeinsam zu gedenken!